Schon im Frühjahr 2015 war das erste paneuropäische ZDF-Krimiprojekt geglückt – zumindest in Sachen Quote. Der vierteilige Krimi "The Team", unter anderem mit Jasmin Gerat als Kommissarin, holte am späten Sonntagabend fast vier Millionen Zuschauer. Nun folgt eine Neuauflage der Gemeinschaftsproduktion von ZDF, ARTE, ORF sowie dänischen und belgischen Partnern. "The Team II" ist ab Donnerstag, 18. Oktober, 20.15 Uhr, bei ARTE zu sehen und anschließend (ab Sonntag, 21. Oktober, 22 Uhr) auch im ZDF.

Jürgen Vogel spielt den Hamburger Ermittler Gregor Weiss, der wegen eines tödlichen Massakers in Dänemark mit einer dänischen (Marie Bach Hansen, "Die Erbschaft") sowie einer belgischen (Lynn Van Royen) Kollegin zusammenarbeitet. Schon ab Freitag, den 19. Oktober, kann man den Vierteiler komplett in der ZDF-Mediathek anschauen. Das Besondere: Während in der TV-Ausstrahlung das vielsprachige Ensemble durch die Bank weg Deutsch spricht, kann man sich in der Mediathek auch eine untertitelte Originalversion anschauen. Wozu das ganze Sprachengewirr?

prisma: Die erste Staffel von "The Team" war ein Erfolg in Deutschland. Haben Sie sich die Serie angesehen?

Marie Bach Hansen: Nur eine Episode. Da ich es damals nicht im dänischen Fernsehen gesehen hatte, wollte ich wissen, wie die Serie so funktioniert. Da wir aber eine völlig neue Story mit neuen Charakteren erzählen, habe ich nach einer Folge Schluss gemacht, um mich nicht mit zu vielen Eindrücken aus der ersten Staffel belasten.

prisma: Die Serie erzählt von internationalen Verbrechen. Sie ist aber auch in einem internationalen Team entstanden. Spürt man das am Set?

Jürgen Vogel: Ja, natürlich. Die Set-Sprache war Englisch. Auch in der Rolle sprechen wir Englisch, wenn wir uns länderübergreifend begegnen. Sind Dänen, Belgier, Araber, Österreicher oder Deutsche unter sich, sprechen sie hingegen ihre jeweilige Landessprache.

prisma: Das Internationale der Sprache kommt in der deutschen Synchronisation jedoch nicht zum Vorschein. Denn da reden einfach alle Deutsch ...

Vogel: Deshalb werbe ich auch dafür, sich die Originalversion in der ZDF-Mediathek anzuschauen. Ich weiß natürlich, dass viele Menschen in Deutschland Filme nicht so gerne mit Originalton schauen, weil man es hierzulande nicht gewohnt ist. Die Authentizität ist im Original allerdings größer. Es geht schon Schauspiel verloren, wenn die Stimme der Spielpartnerin auf einmal weg ist und man stattdessen eine andere, deutsche Stimme hört. Ich glaube jedoch, dass sich diese Gewohnheit insofern langsam verändert, weil junge Leute – die ohnehin verstärkt in der Mediathek unterwegs sind – überdurchschnittlich häufig die Originalversion anklicken. Das sind sie ja auch von Streaming-Diensten wie Netflix gewohnt.

prisma: Sind Sie sich sicher? Angeblich schaut auch dort die überwiegende Mehrheit der deutschen Zuschauer Serien und Filme nach wie vor in der synchronisierten Fassung ...

Vogel: Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich und alle Leute, die ich kenne, sämtliche Filme und Serien im O-Ton mit Untertiteln schauen.

Marie Bach Hansen: Werden Netflix oder Amazon-Shows denn in Deutschland synchronisiert gezeigt?

Vogel: Ja, na klar. In Deutschland kommt man um das Synchronisieren nicht herum. Das versteht ihr in Dänemark nicht (lacht). Es ist einfach ein kultureller Unterschied. Die Leute hier waren es immer gewohnt, dass ihre Serienhelden und Filmfiguren Deutsch sprechen. So etwas lässt sich nicht von jetzt auf gleich verändern.

Lynn Van Royen: Ich finde, es sollte morgen ein europäisches Gesetz verschiedet werden, dass man Serien nicht synchronisieren darf (lacht). Dann würden alle erkennen, wie viel besser die Originale sind.

prisma: In Dänemark und Belgien wird überhaupt nicht synchronisiert?

Marie Bach Hansen: Nein, deshalb sprechen die Dänen wahrscheinlich auch besser Englisch als ihr Deutschen (lacht).

Lynn Van Royen: In Belgien synchronisiert man nur für Kinder. Von Cartoons kenne ich das. Erwachsene schauen untertitelte Programme. Wir haben in Belgien ja auch so schon genug Sprachkomplexität, weil wir einen Flämisch und einen Französisch sprechenden Landesteil haben. Bei "The Team II" sprechen wir in den rein belgischen Szenen übrigens Flämisch.

prisma: Ist es nur die Authentizität des Schauspiels, die durch das Synchronisieren geschmälert wird?

Marie Bach Hansen: Ich finde, bei "The Team II" kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu. Es geht um syrische Flüchtlinge, Profiteure der Flucht und um den Umgang der Europäer damit. Die komplizierte Gemengelage spiegelt sich auch darin wider, dass in der Serie etwa acht verschiedene Sprachen gesprochen werden. Wenn dann selbst syrische Flüchtlinge perfektes Deutsch sprechen, wird das gesamte Kommunikationsproblem, von dem wir auch erzählen, relativ glatt gebügelt.

prisma: Die drei Ermittler sprechen untereinander Englisch, obwohl das für alle eine Sprache ist, die Sie nicht perfekt beherrschen. Hat das Einfluss auf Ihr Spiel?

Vogel: Ich fand es nur am Anfang komisch. Man fühlt sich als Schauspieler ein wenig von seinem wahren Selbst abgeschnitten, wenn man in einer fremden Sprache spielt. Andererseits haben wir uns alle, glaube ich, schnell daran gewöhnt. Das Gute ist, dass wir Figuren spielen, die sich notgedrungen in einer anderen Sprache ausdrücken müssen. Den Rollen geht es also genauso wie ihren Schauspielern.

prisma: Durften Sie auch fehlerhaftes Englisch sprechen?

Lynn Van Royen: Ja, ich denke schon. Es gab keine Aufpasser. Wir drei haben unser eigenes Englisch gesprochen, von dem wir dachten, dass es richtig sei. Aber – auch da geht es um Authentizität – wichtiger für unsere Ermittler ist natürlich, dass der oder die andere sie überhaupt versteht. Insofern machen wir uns nicht so viele Gedanken darüber, ob wir korrektes Oxford-Englisch reden.

Marie Bach Hansen: Es gab nur die Prämisse, dass unser Englisch verständlich klingen muss. Wir halfen uns gegenseitig mit der Sprache, wenn wir englische Szenen zu dritt hatten. So wäre es ja auch in der Realität gewesen. Im Endeffekt gab es gefühlt etwa 60 englische Begriffe, die wir regelmäßig brauchten, um über den Fall zu sprechen. Diese 60 Worte mussten schon korrekt ausgesprochen werden.

prisma: Als 2015 die erste Staffel von "The Team" lief, hatte man in Deutschland den Eindruck, man wolle sich mit der qualitativ besser beleumundeten, dänischen Krimi-Kultur schmücken. Was hat sich seitdem verändert?

Vogel: Ich finde, die deutsche Krimi-Serienkultur hat seitdem aufgeholt. Es gibt mittlerweile in Deutschland immer mehr subtile, genau beobachtete, auch ästhetisch raue und fordernde Krimiserien. "Blochin" war eine davon, an deren Produktion ich selbst beteiligt war.

prisma: Auch die belgische Serienkultur wird mittlerweile gelobt. Was ist in Ihrem Land passiert?

Lynn Van Royen: Ich glaube, dasselbe wie in Deutschland. Natürlich in kleinerem Maßstab. Man hat einfach gesehen, dass andere – auch kleinere – Ländern mittlerweile sehr hochwertige, anspruchsvolle Serie produzieren. Dänemark und andere skandinavische Länder waren da natürlich Vorreiter. Ich glaube, die belgische Serienkultur profitierte genauso von der dänischen Pionierarbeit wie die in Deutschland.

Marie Bach Hansen: Vielen Dank, Lynn (lacht). Ich kann allerdings gar nicht viel über den dänischen Einfluss auf die internationale Serienkultur sagen. Ich selbst habe nur in einer Serie gespielt und spiele noch in ihr. "Die Erbschaft" funktioniert allerdings nach ganz anderen Gesetzen als ein Krimi. in "Die Erbschaft" geht es fast nur um Beziehungen und Gefühle. Ein Krimi wie "The Team II" wird dagegen stark vom Plot befördert. Da spielen andere Qualitäten eine größere Rolle.

prisma: Worum geht es in "The Team II" abseits des Kriminalfalles?

Marie Bach Hansen: Um das Thema Familie. Alle Charaktere suchen nach Familie, leiden unter ihrem Verlust oder dem Zerbrechen von familiären Banden. Das ist bemerkenswert, weil es ja ein solch internationaler Plot ist. Die Serie zeigt, dass wir letztendlich alle nach stabilen, engeren Beziehungen suchen. Egal, wie international oder globalisiert diese Welt noch werden wird.

Vogel: Du hast komplett recht. Sogar den Bösewichten geht es um Familie und Zusammenhalt. Ich finde, wir benutzen Begriffe wie Globalisierung oder Internationalität mittlerweile oft mit negativer Grundhaltung. Dass man sich international vernetzt, ist für mich die Grundlage dafür, dass wir Menschen zusammenarbeiten, um die Probleme unserer Welt zu lösen. Wenn sich jeder zurückzieht und alles alleine versucht, werden wir es nicht schaffen, uns zu retten.

Schon gewusst? Auch in der prisma-Mediathek bieten die Sender zahlreiche Inhalte auf Abruf an.


Quelle: teleschau – der Mediendienst