Die Meinungen über dieses Schwergewicht des Internets gehen weit auseinander. Ist Kim Dotcom, der sich auch schon ziemlich selbstherrlich "King Kimble the First, Ruler of the Kimpire" nannte und bürgerlich doch nur auf den sehr gewöhnlichen Nachnamen Schmitz hört, ein superreicher Betrüger – oder ist er ein freiheitsliebender Anarchist, der ein gewisses Maß an Bewunderung verdient? Mit der neuen Dokumentation "Kim Dotcom – Caught in the Web" zeichnet ZDFinfo am Samstag, 13. Oktober, 20.15 Uhr, ein Porträt des auf Neuseeland lebenden Internet-Millionärs.

Noch immer droht dem 44-Jährigen die Auslieferung an die USA. Dort soll er wegen Urheberrechtsverletzung im großen Stil vor Gericht. Dotcom kämpft in seiner Wahlheimat gegen die Auslieferung wegen Betrugs an. Und bleibt dabei optimistisch: "Wir werden gewinnen: entweder vor dem Berufungsgericht oder vor Neuseelands Supreme Court", kündigt er in einem "Spiegel"-Interview an. Ohnehin käme eine Niederlage für ihn nie infrage. Und das aus rein persönlichen Gründen. Dotcom: "In diesem Prozess drohen mir im schlimmsten Fall bis zu 88 Jahre Haft. Sollte ich ausgeliefert werden, würde ich im Gefängnis sterben."

Als Betreiber des Sharehosters "Megaupload" war der wegen Insidergeschäften vorbestrafte Kim Dotcom ins Visier von FBI und NSA geraten. Am 19. Januar 2012 kam es zu einer Razzia auf seinem luxuriösen Anwesen in Coatesville in Neuseeland. 70 Polizisten stürmten damals auf Betreiben des FBI die Villa – das geschah allerdings illegal, wie später von einem Gericht entschieden wurde. Dotcom wurden wegen mutmaßlicher Copyright-Verletzungen im Zusammenhang mit Megaupload ein Haftbefehl aus den Vereinigten Staaten und Auslieferungsbegehren des FBI eröffnet. Megaupload soll den Inhabern der Urheberrechte einen Schaden von mehr als 500 Millionen Dollar zugefügt haben.

Dotcom weist eine Schuld daran, dass über sein einstiges Portal auch strafrechtlich relevante Inhalte wie etwa islamistische Propagandavideos verbreitet worden wären, von sich. "Bei uns wurden am Tag mehrere Millionen Files hochgeladen. Wie wollen Sie die alle kontrollieren?", erklärte er sich bereits und bastelt doch wieder an einer neuen Plattform. Dabei handele es sich um einen neuartigen Fileshop, so Dotcom: "Unser User kann eine Datei hochladen. Die wird im Transit verschlüsselt – und dann in einen verschlüsselten Container gepackt. Diese Inhalte kann unser User auf mehr als 100 Plattformen im Web verkaufen."

Ob sein neues Geschäftsmodell funktionieren wird, oder er doch noch in die USA ausgeliefert wird, ist derzeit offen. Ebenso ob der gebürtige Kieler seine alte Heimat in Schleswig-Holstein wiedersehen wird. Dotcom wird etwas melancholisch: "Ich vermisse Deutschland: die Gründlichkeit, die Würstchen und die deutschen Straßen, denn hier in Neuseeland kann man nicht richtig schnell Auto fahren."


Quelle: teleschau – der Mediendienst