Die Welt platzt aus allen Nähten. Die UN geht von einem zukünftigen Bevölkerungszuwachs von 83 Millionen Menschen jährlich aus, das entspricht der aktuellen Einwohnerzahl Deutschlands. Dazu stellen gigantische Flüchtlingsströme und Ressourcenknappheit die Politik vor immer neue Herausforderungen. Was also tun? Schließlich gibt es nur die eine Erde, auf der wir leben, oder? Die bemerkenswerte TV-Serie "Mars" (ab 16. Oktober bei WELT) beantwortet diese Frage mit einem klaren Jein.

In einer so noch nicht gesehenen Mischung aus Drama und Dokumentation erzählt die sechsteilige Serie, die vor einem Jahr bereits beim Pay-TV-Sender National Geographic für Furore sorgte, von der Besiedlung des roten Planeten. Gelingt das Unterfangen – und wie geht es nach diesem Abenteuer weiter? Interessierte Zuschauer erfahren es schon im November, denn National Geographic strahlt die zweite Staffel der hochkarätigen Produktion aus: Ab 11. November sind immer sonntags, 21 Uhr, sechs neue Folgen zu sehen.

Am 21. Juli 1969 betrat Neil Armstrong als erster Mensch den Mond und sprach jenen geschichtsträchtigen Satz, der eine Zeitenwende in der Raumfahrt einläutete: "Dies ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein riesiger Sprung für die Menschheit." Führt man diese Analogie weiter, wäre eine Besiedlung des Mars ein Quantensprung der Menschheitsgeschichte. Was auf den ersten Blick wie eine ferne Utopie erscheint, macht dieses intelligente Stück Fernsehen greifbar. Durch die innovative Mischung aus dokumentarischen Elementen und einem hochkarätigen, fiktionalen Sci-Fi-Plot, einsetzend im Jahr 2033, wird man förmlich in die Serie eingesogen. Dabei schreckt sie auch vor der Beantwortung metaphysischer Fragen nicht zurück. Steckt der Traum von der Raumfahrt etwa in unseren Genen?

Bevor man jedoch ins Jahr 2033 teleportiert wird, landet man erst mal im Hier und Jetzt bei Elon Musk. Der Visionär arbeitet in seinem privaten Raumfahrtunternehmen "SpaceX" ganz real an der Kolonisation des Mars und ist überzeugt: Wir müssen zum Mars – und das tunlichst, bevor es mit uns, den Ressourcen und irgendwann der Erde an sich zu Ende geht. Diesem schwarzmalerischen Gedanken setzt "Mars" die Vision entgegen, den Mensch als multiplanetare Spezies zu etablieren.

Doch vorher muss noch eine riesige Agenda an schier unlösbaren Problemen abgearbeitet werden. Zum Beispiel wird im ersten Teil der Serie erklärt, dass es momentan zwar möglich ist, einen Ein-Tonnen-Roboter auf den Boden des Mars landen zu lassen, doch es würde mindestens 40 Tonnen benötigen, um Menschen zu transportieren. Viel zu tun, bei SpaceX ist derzeit ein ganzes Heer an klugen Köpfen von diesem Projekt vereinnahmt.

"How We'll Live On Mars" als Vorlage

2033, so will es diese Story, ist es dann aber soweit. Die erste bemannte Mission zum Mars ist unterwegs, um die Basis für eine neue Heimat zu legen. Gestartet wird die Rakete namens "Daedalus" in Cape Canaveral, Rampe 39A, dort wo am 16. Juli 1969 schon Appollo 11 vor den Augen vieler Millionen Menschen weltweit abhob, um Neil Armstrong, Edwin "Buzz" Aldrin und Michael Collins zum Mond zu bringen. Für einen multilateralen Wettkampf zwischen den Nationen, wie einst bei der Mondlandung, ist indes keine Zeit mehr. Denn es geht es ums Ganze, schließlich steht die Menschheit auf dem Spiel.

Das Drehbuch entstand auf Grundlage des Bestsellers "How We'll Live On Mars" des amerikanischen Journalisten Stephen Petranek, der die stellare Mobilität als unerlässlich für den Fortbestand der Spezies Mensch propagiert und dafür sicher nicht die schlechtesten Gründe anzuführen weiß. "Wenn die ersten Menschen ihren Fuß auf den Mars setzen, wird dieser Moment bedeutender sein im Hinblick auf Technologie, Philosophie, Geschichte und Entdeckung als alles, was zuvor kam", schreibt Petranek in seinem Buch.

Es ist immer auch die Perspektive, die Science-Fiction-Storys so reizvoll macht. Die unfassbare Entfernung relativiert so vieles, macht alle Fragen um Nationalitäten hinfällig. Allerdings könnte einen angesichts aktueller weltpolitischer Tendenzen auch eine ganz andere Ahnung beschleichen: Was ist, wenn der rettende Flug ins All am Ende eine Frage nach dem größten Geldbeutel oder gesellschaftlichem Einfluss ist? Dazu wirft die Serie, die in ihrer Bildsprache mithin an jüngere Kinoerfolge wie Ridley Scotts "Der Marsianer - Rettet Mark Watney" (2015) oder Christopher Nolans "Interstellar" (2014) erinnert, die Frage auf, ob die Suche nach einem neuen Lebensraum nicht unsere letzte Chance ist. Vorerst aber dürfen wir uns entspannen und diese packende Serie genießen. Selten war Science-Fiction anregender als in dieser hollywoodreifen Produktion von Ron Howard und Brian Gazer, die einst schon bei "Apollo 13" (1995) miteinander arbeiteten.

Bereits kurz nach der Free-TV-Premiere bei WELT ermöglicht National Geographic mit der zweiten Staffel von "Mars" ab 11. November weitere interessante Einblicke in die Mars-Forschung. Die sechs neuen Folgen legen den thematischen Schwerpunkt auf das sogenannte "Terraforming". Ins Zentrum des Interesses rückt also die Frage, wie die Lebensbedingungen auf dem Mars transformiert werden können, damit der Planet als Lebensraum für Menschen geeignet ist. Neue Showrunnerin des Formats ist Dee Johnson ("Nashville", "Good Wife").

Neben der zweiten Staffel von "Mars" setzt National Geographic allgemein einen neuen Schwerpunkt zum Thema Weltall. In diesem Rahmen laufen im November und Dezember weitere TV-Premieren, etwa die Dokumentation "Space X: Die Reise zum Mars" (11. November, 21.50 Uhr). Außerdem etabliert National Geographic ab 12. November immer werktags einen Programmslot zum Thema "Space".


Quelle: teleschau – der Mediendienst