Angesiedelt auf dem Heimatplaneten des Stählernen befasst sich die neue Serie "Krypton" mit den Abenteuern von Supermans Großvater in jungen Jahren.

Gerüchteweise verliert das DC-Kinouniversum bald seinen Superman: Henry Cavill möchte das rote Cape an den Nagel hängen. Ohnehin eiert Warner mit seiner "Justice League" den "Avengers" von Marvel zumindest in kommerzieller Hinsicht ganz schön hinterher. Bei den TV-Serien sieht das Ganze hingegen etwas anders aus. Da liegen die ewigen Konkurrenten Marvel und DC nämlich Pi mal Daumen gleichauf: Die "Defenders" mit "Daredevil", "Jessica Jones", "Luke Cage" und "Iron Fist" laufen erfolgreich auf Netflix. DC hat sich derweil mit dem "Arrowverse" ein festes TV-Standbein geschaffen: Die Abenteuer von "Arrow", "Supergirl", "The Flash" und den "Legends of Tomorrow" erfreuen sich großer Beliebtheit. Mit SyFys TV-Premiere "Krypton" betritt dann ab Donnerstag, 18. Oktober, ein neuer Held die DC-Bühne – Supermans Opa!

Natürlich steht kein greiser Protagonist im Fokus von "Krypton". Die Handlung ist 200 Jahre vor der Geburt von Kal-El/Superman auf dem titelgebenden Heimatplaneten des Helden angesiedelt und befasst sich mit den Abenteuern von Seg-El (Cameron Cuffe). Gemeinsam mit seinen Eltern lebt der junge Mann als Rangloser in einer Klassengesellschaft unter der Knute einer religiös-autokratischen Regierung.

Sein Großvater (also quasi der Ururopi von Superman) fand einst heraus, dass in Form des Weltenverschlingers Brainiac (Blake Ritson) eine Gefahr von gigantischem Ausmaß auf Krypton zu donnert – und dass die Kryptonier nicht allein im Universum sind. Für diese Ketzerei wurde er zum Tode (in der Phantomzone) verurteilt. Nun, in der Gegenwart, obliegt es Seg-El, gegen die Obrigkeit aufzubegehren, die Arbeit seines Großvaters (in der Festung der Einsamkeit) fortzuführen und Brainiac aufzuhalten.

Inmitten dieses Wirrwarrs stehen ihm natürlich Helfer zur Seite. Unter anderem sein bester Kumpel Kem (Rasmus Hardiker), der auch für die humorvollen Momente verantwortlich zeichnet. Dann gäbe es noch den zeitreisenden Erdenmenschen Adam Strange (Shaun Sipos, "Vampire Diaries") und Seg-Els große Liebe Lyta-Zod (Georgina Campbell, "Broadchurch"). Eine Zod und ein El? Richtig gelesen! Zwei Jahrhunderte später werden General Zod und Superman erbitterte Feinde sein, hier sind zwei Mitglieder der jeweiligen Häuser sogar am anbandeln. Was aus dieser Verbindung wohl resultieren mag?

Interessanterweise spielen die oben genannten DC-Serien nicht im selben fiktiven Universum wie die DC-Kinofilme. Und augenscheinlich hat "Krypton" nun weder Verbindungen zum einen, noch zum anderen Erzählstrang. Erfunden wurde die Superman-Vorgeschichte von David S. Goyer, der seit nunmehr 13 Jahren für Warner einen der wichtigsten Kreativen in Sachen DC darstellt. Als Autor wirkte er an Christopher Nolans meisterlicher "Dark Knight"-Trilogie und Zack Snyders sträflich unterschätzten Geniestreichen "Man of Steel" sowie "Batman v Superman" mit. Es verwundert daher nicht, dass er in "Krypton" eine ähnliche Tonalität anschlägt.

Dort gibt es komplexe Konflikte, dreidimensionale Figuren und emotionale Momente. Doch das ganze Format mutet trotz toller Effekte, beeindruckender Kostüme und sehenswerter Sets für eine TV-Serie ein wenig zu groß an. Außerdem fühlt man sich an vielen Stellen etwas zu stark an filmische Vorbilder erinnert: ein rebellischer Hauptcharakter wie Captain Kirk im "Star Trek"-Reboot, Militärkleidung und Architektur wie in "Star Wars" – dreist abgekupfert oder doch nur zitiert? Zusätzlich wirkt das Ganze in Teilen zu teenie-mäßig, manchmal gehetzt, und in einigen Momenten aus der Zeit gefallen. An vielen Stellen sind Seg-Els Dialoge viel zu pathetisch und unglaubwürdig. Ohnehin ist der Held, der sich offensichtlich in seinen "Fleg-El-Jahren" befindet, keine optimale Identifikationsfigur.

Man sollte jedoch nie vergessen, dass man hier keine Hochglanzkinoproduktion erwarten darf. "Krypton" ist nun mal kein Blockbuster, auch wenn die Serie oftmals so anmutet. Insbesondere dann, wenn auf musikalischer Ebene das alte John-Williams-Thema aus Richard Donners nunmehr 40 Jahre altem ersten "Superman"-Film mit Christopher Reeves anklingt. Dann fühlt man sich als Fan wohlig-nostalgisch. Befremdlich fühlt sich hingegen der latente Trash-Appeal einiger Designs an. Stichwort: Klettverschluss-Familienwappen. Glücklicherweise sind solche ästhetischen Fehltritte aber nicht die Regel.

"Krypton" ist definitiv einen Blick wert, eine Affinität zu Comic-Geschichten und dem Superman-Kosmos ist aber von Vorteil. Die Serie befindet sich wie ihre Hauptfigur noch in einer Findungsphase, ist aber vielversprechend umgesetzt. Interessant ist hierbei vor allem die Tatsache, dass die Kryptonier auf ihrem eigenen Planeten natürlich über keinerlei besondere Kräfte verfügen und letztendlich "ganz normale Menschen" sind. Die zehn Folgen von Staffel eins starten am Donnerstag, 18. Oktober, 20.15 Uhr, mit einer Doppelfolge auf Syfy. Die weiteren Episoden der Prequelserie zeigt der Pay-TV-Sender dann immer donnerstags, um 21 Uhr.


Quelle: teleschau – der Mediendienst