Ein Toter liegt im Bordell, das Freudenmädchen hat die Alarmglocke gedrückt. Doch niemand will den Notarzt oder gar die Polizei im Haus. Lars Beckers 15. "Nachtschicht"-Film bietet Witz und komische Verwicklungen en masse.

Der Druck auf die Nachtschicht vom Kriminaldauerdienst, auf die "Müllabfuhr", wie sich Erich Bo Erichsen (Armin Rohde), der Chef vom Hamburger KDD, auszudrücken beliebt, ist groß. Die auflaufenden Fälle sollten schließlich in nur einer Nacht, von 18 Uhr abends bis morgens um sechs, ermittelt sein. Das erzeugt Tempo – für die Polizisten vor Ort genauso wie für die Filme selbst, die Lars Becker seit 2002 regelmäßig dreht und schreibt. Beim 15. Film, "Es lebe der Tod", setzt Becker weniger auf Thriller- oder Film-noir-Elemente, sondern vor allem auf Komik. Dass das klappt, verdankt sich der Begabung zu witzigen, nie klischeehaften Dialogen – und einem Schauspielensemble, das auch den über die Jahre immer wieder gepflegten Wechsel mancher Mannschaftsteile spielend überlebt.

Irgendwie gehören sie alle zusammen in dieser "Nachtschicht"-Ausgabe, die Bürger und die Ganoven, die Polizisten und die Zuhälter. Man kennt sich in diesem Hamburger Kiezmilieu, irgendwann haben sich alle Wege schon mal gekreuzt. Becker erzählt und benützt diesen Umstand mit einem Augenzwinkern.

Als im Bordell auf St. Pauli den Möbelhaus-Magnat Johnny de Groot (Roland Koch) mitten im Akt ein Herzinfarkt mit tödlichem Ausgang ereilt, gerät Zora (Almila Bagriacik), das Freudenmädchen aus Eriwan, verständlicherweise in Panik und drückt die Alarmsirene. Bald wird die Polizei zur Stelle sein. Wohin mit der Leiche, fragen sich der Bordellinhaber Claude (Murathan Muslu) und sein Kompagnon Angelo (Frederick Lau). Ein eingespieltes Dumpfbacken-Pärchen, das den ganzen Film über mit rauchig-gefährlicher Ganovenstimme agiert. Weil die Bullen vom Hamburger KDD nun aber bereits das Haus betreten, legen die beiden die Leiche einfach mal über den Tresen – vorgeblich sturzbesoffen. Erichsen und Co. fallen erstaunlicherweise darauf herein.

Die Entsorgung der Leiche im Wald wird zum hochkomischen Schurkenstück. Jedermann kennt den großmäuligen Möbelhändler schließlich aus dem Werbespot, in dem de Groot mit Sprüchen wie "Wir möbeln dich auf!" und "Wohnen kostet nichts!" wirbt. Während die Frau des Möbelhändlers (Natalia Wörner) auf dem Revier erscheint, um ihren Mann vermisst zu melden, plagen sich die Bordellmenschen mit ihrer Leiche. Doch dann öffnet de Groot im offenen Grab plötzlich die Augen und droht mit der Polizei. Es wird eng für Claude und Angelo, der schließlich – sein ganz eigener Trick – de Groot ohne hinzusehen "nach Gehör" erschießt. Die Floskel hat das Zeug zur stehenden Wendung, zumal ein schräger Ornithologe (in einem Jägerstand sitzend) das alles mitgehört und neben dem Vogelzwitschern aufgezeichnet hat.

Es geht, was sonst, ums Geld: Das Freudenmädchen Zora hoffte, vom Möbelmenschen geheiratet zu werden, wie versprochen. Dessen Ehefrau kannte ihren Pappenheimer und räumt nun dessen Tresor, an dem wiederum ein Ganovenpaar Interesse hat, angeblich weil de Groot noch Schulden bei ihm begleichen muss. Der Ornithologe von eben versucht als Zeuge gar die Polizei zu erpressen – für eine Reise nach Costa Rica, wie Erichsen weiß. Es gibt dort "gelbe Papageis", noch 180 Stück. Ein Krimi, der von seinen Dialogen lebt, doch auch die Kiez-Atmosphäre wird optisch durchaus bedient. Überragend Armin Rohde als Erichsen, wie er mit natürlicher Autorität gesegnet stets auf der Kante zwischen Bürgern und Kiezkriminellen balanciert.


Quelle: teleschau – der Mediendienst