Chuck Lorre ist der Macher von Comedy-Serien wie "The Big Bang Theory" und "Two and a Half Men". Mit "The Kominsky Method" zeigt er, dass er mehr kann als nur schrill und laut.

Fans von "The Big Bang Theory" sollten sich auf ein Experiment einlassen, das allerdings etwas Mut erfordert. Denn es könnte ihnen durchaus den Spaß an ihrer Lieblingsserie nehmen: Bei YouTube gibt es Videos, die zeigen, wie sich die Serie um Computernerd Sheldon Cooper anfühlt, wenn das Hintergrundgelächter aus der Konserve ausgeblendet wird. Das Ergebnis ist ernüchternd, statt Lachern bleibt oft vor allem: peinliches Schweigen. "The Kominsky Method" (ab 16. November bei Netflix), die neue Serie von "Big Bang"- und "Two and a Half Men"-Erfinder Chuck Lorre, ist auf diese Plastiklacher zum Glück nicht angewiesen.

Denn Lorre erweist sich hier als ein Meister der leiseren Töne und ist dabei doch auch ziemlich komisch. In acht halbstündigen Episoden erzählt er vom Schauspiellehrer Sandy Kominsky (Michael Douglas) und seinem Agenten und Freund Norman (Alan Arkin). Sandy hat schon mit allen gearbeitet, mit Diane Keaton und Faye Dunaway etwa – erzählt er zumindest. Er ist ein aufgeblasener Mensch, der seinen Schülern beibringt, sie müssten sich wie Gott fühlen, um gute Schauspieler zu werden. Vor der Kamera stand Sandy allerdings schon länger nicht mehr; eine neue Rolle hat ihm eben erst ein anderer weggeschnappt.

Wenn sich Hollywood um sich selbst dreht, vom Filmemachen oder Schauspielen erzählt, ist das oftmals ziemlich ermüdend. In "The Kominsky Method" ist die Filmbranche aber nur Bühne für menschliche Dramen, die Serienerfinder Lorre mit feinem (und bisweilen auch etwas gröberem) Humor seziert. Agent Norman etwa pflegt seine schwer kranke Frau; ihre Beerdigung in der zweiten Folge der Serie gerät dann zur berührend-komischen Feier des Lebens.

Norman ist eindeutig der charmantere des Duos aus Schauspieler und Agent, einer mit bitterbösem Humor, abgeklärt und altersweise; Sandy hingegen stolpert auch als gealterter Mann noch etwas hilflos durchs Leben, hat Affären und sonnt sich in altem Glanz, aber lernt dann doch noch eine Frau kennen (gespielt von Nancy Travis), die ihm charmant die Flausen austreibt. Die beiden Oscar-Preisträger Arkin (84) und Douglas (74) spielen hier zu Höchstform auf, haben sichtlich viel Spaß an ihren Rollen – auch, wenn sie vielleicht ein bisschen zu oft über ihre Probleme beim Wasserlassen philosophieren. Aber auch das gehört eben zum Leben dazu.


Quelle: teleschau – der Mediendienst