Reisekomödie in der ARD

"Paris kann warten": Savoir-vivre mit Plattitüden

von Christopher Diekhaus

Eleanor Coppola legt im hohen Alter ihren ersten Spielfilm "Paris kann warten" vor, der sich leider als klischeebeladene Reisekomödie entpuppt.

ARD
Paris kann warten
Liebes-Komödie • 06.08.2019 • 22:45 Uhr

Francis Ford Coppola drückte dem US-amerikanischen Kino mit Werken wie "Der Pate" und "Apocalypse Now" vor allem in den 1970er-Jahren seinen Stempel auf. Inzwischen hat sich der einstige Mogul weitestgehend aus dem Filmgeschäft zurückgezogen, was freilich nicht bedeutet, dass der Name Coppola von den Leinwänden verschwindet. Tochter Sofia ("Lost in Translation", "Die Verführten") ist schon seit Längerem eine profilierte Drehbuchautorin und Regisseurin. Filmisch aktiv zeigte sich auch seine Ehefrau Eleanor, die sich bislang allerdings auf dokumentarische Arbeiten beschränkte. Mit "Paris kann warten" veröffentlichte die damals 81-Jährige im Jahr 2016 ihren ersten Spielfilm, der von eigenen Erlebnissen inspiriert wurde. Das Erste zeigt den Film nun als Free-TV-Premiere zu später Stunde.

Der entspannte Urlaub, den Michael Lockwood (mit einem Kurzauftritt: Alec Baldwin) und seine Gattin Anne (Diane Lane) im Anschluss an die Filmfestspiele von Cannes genießen wollen, ist dahin, als der umtriebige Hollywood-Produzent einen Anruf aus Budapest erhält. Seine Anwesenheit wird in Ungarn verlangt, weshalb sich das Ehepaar kurzerhand zum Flugplatz begibt. Im letzten Moment entscheidet sich die unter Ohrenschmerzen leidende Anne allerdings um und eröffnet ihrem Ehemann, dass sie mit dem Zug nach Paris fahren und dort auf ihn warten werde. Michaels französischer Geschäftspartner Jacques (Arnaud Viard) bietet sich daraufhin als Chauffeur an und entführt die Amerikanerin in seinem alten Peugeot auf eine Reise mit vielen Abstechern.

Der Titel lässt bereits erahnen, dass hier der Weg das Ziel ist. Ausgehend von persönlichen Erfahrungen möchte Eleanor Coppola die Leichtigkeit und Sinnlichkeit des mediterranen Lebens einfangen, landet dabei aber immer wieder bei Klischees und Trivialitäten. Arg plakativ ist schon die Beschreibung der Beziehung zwischen Anne und Michael, der mehr mit seiner Arbeit als mit seiner Frau verheiratet zu sein scheint. Wenig überraschend erweist sich der charmante Jacques als das genaue Gegenteil. Bei ihm steht nicht der Beruf, sondern der Genuss an erster Stelle. Und so umschmeichelt er Anne von Anfang an, bringt ihr die südfranzösische Küche näher und bemüht sich generell, seine eher pragmatische, oft staunende Begleiterin in die Kunst des Savoir-vivre einzuführen.

Dass die Drehbucharbeiten ganze sechs Jahre verschlungen haben sollen, wie es im offiziellen Begleittext des Films zu lesen ist, mag man beim Anblick des romantisch angehauchten Roadmovies kaum glauben. Denn im Grunde passiert an keiner Stelle Außergewöhnliches. Auf einen Umweg folgt der nächste. Immer wieder gibt es nette Landschaftsbilder zu bestaunen. Und auch die Speisen auf den Tellern der Protagonisten werden wie in einem Kochbuch besonders hübsch in Szene gesetzt. Die Beliebigkeit, mit der all dies vonstattengeht, spiegelt sich nicht nur in Annes Marotte, jede noch so alltägliche Begebenheit zu fotografieren. Willkürlich erscheinen auch die eingestreuten emotionalen Zwischentöne, die den holzschnittartigen Figuren zumindest etwas Profil verleihen sollen.

Verwerflich ist es freilich nicht, einen Film zu drehen, der beschwingt und ohne große Ambitionen von der Schönheit des Lebens erzählen will. Plattitüden, eine sich in Wiederholungen erschöpfende Handlung und undifferenziertes Hintergrundgedudel sind allerdings der falsche Weg, um eine sinnlich-mitreißende Stimmung zu erzeugen. Leidtun können einem vor allem Diane Lane und Arnaud Viard, die sich redlich Mühe geben, Charme und Spiellust zu versprühen. Von ihrer Regisseurin werden sie allerdings die meiste Zeit im Stich gelassen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst
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