Nach einer starken ersten Staffel beweisen auch die vier neuen Kurzfilme nach Geschichten Ferdinand von Schirachs, dass gutes Fernsehen nicht immer teuer sein muss. Das ZDF zeigt die Folgen "Kinder", "Anatomie", "Das Cello" und "Familie" jeweils freitags um 21.15 Uhr.

Es ist eine Pikanterie am Rande, dass die vielleicht beste deutsche TV-Serie, die man in diesem Herbst im Free-TV schauen kann, eigentlich keine ist. Jeder der 45 Minuten langen "Schuld nach Ferdinand von Schirach"-Filme erzählt eine autarke Geschichte mit eigenen Protagonisten. Das größte Lob für den in sämtlichen Folgen entstehenden erzählerischen Sog gebührt Buchautor Ferdinand von Schirach selbst. Seine existenzialistischen Short Stories, die skurril finstere Lebenswege im Spiegel juristischer Straftaten betrachten, haben einfach große Klasse. In "Kinder", dem ersten von vier neuen Fällen, wird das Leben eines Mannes durch pädophile Anschuldigungen zerstört. Wie in Staffel eins spielt Moritz Bleibtreu den die Folgen verbindenden Anwalt Friedrich Kronberg.

In "Kinder" stellt sich der aus dem Gefängnis entlassene Holbrecht (Marcus Mittermeier) Anwalt Kronberg, weil er kurz davor war, eine junge Frau zu ermorden. In Helena Meissner (Maria Dragus) erkannte der Fast-Täter mit ehemals bürgerlicher Existenz jenes Mädchen, das ihn einst des Missbrauchs beschuldigte und ins Gefängnis brachte. Zuvor lebte der Möbelvertreter seinen Familientraum in spe. Mit Frau Miriam (Natalia Belitski), einer Grundschullehrerin, wohnte er in einem hübschen Bungalow und wartete auf Nachwuchs.

Helena Meissner war zu dieser Zeit Schülerin von Miriam. Ihre Anschuldigungen, unterstützt durch die Zeugenaussage einer Freundin, waren so glaubhaft, dass der kinderliebe Biedermann verurteilt wurde. Seine Ehe und die berufliche Existenz zerbrachen. Nachdem sich der Gebeutelte Kronberg gestellt hat, unternimmt der Anwalt eigene Ermittlungen. Er rollt den alten Fall wieder auf. Dabei kommt Erstaunliches zutage.

Lakonischer Chronist des perfiden Geschehens

Toll, wie von Schirachs manchmal nur wenige Seiten umfassende Geschichten in Oliver Berbens auch optisch ansprechender Serienversion zu starken Kurzfilmen avancieren. Auch Bleibtreus Part ist für eine Serie ungewöhnlich: Der von ihm gespielte Anwalt Kronberg ist niemals Hauptfigur einer Folge, sondern eher beobachtender, lakonischer Chronist des perfiden Geschehens.

In der internationalen Serienlandschaft kann man "Schuld" vielleicht nur mit der britischen Ausnahme-Reihe "Black Mirror" vergleichen, die neuerdings von Netflix produziert wird. Auch hier präsentiert ein Autor, Charlie Brooker, seine spannenden Zukunftsvisionen in Form von in sich abgeschlossenen Geschichten mit immer neuen Figuren. Schade nur, dass von Schirachs Vorlagen-Fundus bald erschöpft scheint. Von 15 Kurzgeschichten des Buches "Schuld" wurden inklusive der vier neuen Episoden bereits zehn verfilmt.

An den folgenden Freitagen sieht man Klasse-Schauspieler wie Samuel Schneider, Iris BerbenMartin Brambach und Tom Wlaschiha in "Anatomie" (22.09.), Josefine Preuß in "Das Cello" (29.09.) sowie Lars Eidinger und Jürgen Vogel in "Familie" (06.10.).


Quelle: teleschau – der Mediendienst