Schauspielerin Silke Bodenbender kümmert sich als Lotte Jäger um ungeklärte Kriminalfälle. Im Interview erklärt sie, warum sie die Rolle gereizt hat.

In ihrem zweiten Fall als Sonderermittlerin der Potsdamer Mordkommission für ungelöste Altfälle untersucht "Lotte Jäger" in "Lotte Jäger und die Tote im Dorf" (ZDF, 3. September, 20.15 Uhr) einen ungeklärten Mord in einem brandenburgischen Dorf. Schauspielerin Silke Bodenbender verleiht der Ermittlerin ohne Waffe Gesicht und Gewicht. In prisma spricht die 44-Jährige über die Rolle.

Was ist das Besondere an Lotte Jäger?

Ich habe Rollen als Kommissarin immer abgelehnt, doch diese traf bei mir einen Nerv. Lotte Jäger löst Altfälle, bearbeitet in jeder Hinsicht Altlasten und kommt ohne Waffe aus.

Wie tickt diese Frau?

Sie ist eine sehr vielschichtige Persönlichkeit mit Ecken und Kanten und auch großer Lebensfreude, die aufgrund ihrer Angstzustände das Kommissariat gewechselt hat und nun auf Altfälle angesetzt wird, welche nicht so eine Dringlichkeit bei der Ermittlung haben. Im aktuellen Fall wird sie zunehmend von Unruhezuständen und Panik geplagt. Sie lässt sich aber dennoch auf die Menschen ein, hat ein besonderes Gespür, an Informationen zu kommen. Sie hört über weite Strecken nur zu, ohne dabei die Lebendigkeit zu verlieren. Sie weiß ihr Gegenüber zu nehmen.

Lotte Jäger scheint nichts aus der Ruhe zu bringen ...

Nur ihre Ängste. Ich bin da genau das Gegenteil von ihr, beispielsweise fahre ich immer viel zu früh zum Flughafen.

Und nach dem Dreh: Wie lange bleibt eine Rolle an der Kleidung haften?

Ich selbst merke gar nicht, wie lange ich eine Rolle mit mir herumtrage. Es sind eher die Außenstehenden, die mir das sagen. Vor allem meine Theaterrolle der Lady Macbeth mit ihrem dominant-egoistischen Charakter habe ich wohl noch Tage nach der Premiere in den Kleidern stecken gehabt.

Sie gelten als Frau für schwierige Rollen ...

Ich suche mir Rollen aus, die Relevanz haben und mich auch persönlich weiterbringen. Die sind dann in der Tat schwieriger, wirken eher eckig. Meine Vorliebe gilt Figuren, die sich im Lauf des Films langsam entwickeln, die zu Beginn vielleicht noch unfertig wirken und erst während der Dreharbeiten mit Tiefe und Charakter angefüllt werden.

Der Durchbruch gelang Ihnen mit Dieter Wedels "Papa und Mama". Wie war die Zusammenarbeit damals mit ihm?

Ich habe die Zusammenarbeit damals als sehr gut empfunden. Er ist mir respektvoll begegnet und ich habe sehr viel gelernt. Klar, es gab Szenen, die wurden zigfach wiederholt, aber ich kannte das vom Theater nicht anders und mochte es auch.

In Talk-Shows sieht man Sie selten ...

Ich mag es, wenn Menschen an-dere Menschen eloquent unterhalten können, aber mir geht es da eher so wie bei der Angst vor einer Prüfung – ich bin dann nicht wirklich anwesend. Rollen sind mir einfach wichtiger als öffentliche Auftritte. Da genieße ich lieber die Auszeiten mit meinen Kindern.