Eine klassische Regel der Science Fiction lautet: Bedroht eine außerirdische Macht die Erde, vergisst die sich sonst gegenseitig bekriegende Menschheit jeden Konflikt und schließt sich heroenhaft gegen den gemeinsamen Feind zusammen. Pustekuchen – zumindest in der aktuellen Variante der Alien-Invasion unter dem Titel "Colony".

Vielmehr spaltet sich unsere Gattung in der TNT-Serie (ab 11. Oktober 2017, immer mittwochs, 20.15 Uhr) angesichts der außerirdischen Besatzer in Kollaborateure, Mitläufer und Widerstandskämpfer. Eine auf historischer Erfahrung beruhende Ausgangslage für ein detailreiches und durchdachtes SciFi-Werk, das die Aliens nicht einmal zeigen muss, um das Drama der Menschheit in ihnen zu spiegeln.

Der deutsche Pay-TV-Kanal TNT Serie entwickelt sich immer weiter zum anspruchsvollen Nischenanbieter in Sachen Streaming: Neben gefeierten Eigenproduktionen wie "Weinberg" und "4 Blocks" versteht es der auch über Sky empfangbare Anbieter, geheimtippige Kleinode wie "Colony" als Deutschland-Premiere an Land zu ziehen.

Staffel 2 folgt im November

TNT strahlt die erste Staffel wöchentlich in Doppelfolgen aus und zeigt ab 15. November 2017 direkt die zweite Staffel des Alien-Dramas, das nicht umsonst bereits einen dritten Durchgang zugesichert bekam: Die Produktion der Schöpfer Ryan Condal und Carton Cuse, der bereits für "Lost" verantwortlich zeichnete, macht in Sachen Alien-Invasion vieles richtig. Wie schon außergewöhnliche Werke à la "District 9" oder "Arrival" verlässt auch "Colony" die ausgetretenen "Independence Day"-Pfade.

Man sieht sie kaum, jene Außerirdischen, die in der düsteren Dystopie die Erde belagert haben. Hintergründe dazu liefert die Serie anfangs nur häppchenweise; Anspielungen und ein Blick auf die detailreich gestaltete Welt müssen genügen. So wird man direkt hineingeworfen in ein ummauertes Los Angeles, in dem die menschlichen Kollaborateure der Alien-Besatzung ein gutes Leben führen, während Widerständige bestraft, aussortiert und verfolgt werden.

Weil die Großstädte in "Colony" voneinander isoliert und unter die Leitung einer opportunistischen Militärregierung gestellt wurden, sind viele Familien voneinander getrennt. So auch die Hauptfiguren Will (Josh Holloway, "Lost") und Katie Bowman (Sarah Wayne Callies, "The Walking Dead"), die ihren Sohn seit der Invasion nicht wiedersahen. Der mächtige Profiteur Proxy Snyder (Peter Jacobson), dessen Mannen die Aliens bei ihrer Menschenunterdrückung als willfährige Helfer unterstützen, bietet Ex-FBI-Agent Will seine Hilfe an, wenn dieser gegen die Rebellen kollaboriert.

Wer verrät, und wer rettet?

So erzählt "Colony" nicht nur eine gut geskriptete Sci-Fi-Geschichte, sondern nähert sich auch zeitlosen Fragen nach dem Verhalten von Menschen in totalitären Systemen: Wer hat den Mut zum Widerstand? Wer nutzt opportunistisch die Chance zur Kollaboration? Wer verrät, und wer rettet? In diesen Zeiten ist ihre Beantwortung dringlicher denn je.


Quelle: teleschau – der Mediendienst