Anforderungen an ÖRR

Sparkurs: Kann sich die ARD Florian Silbereisen bald nicht mehr leisten?

29.08.2025, 13.24 Uhr
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk soll sparen – gleichzeitig ist die ARD voll mit Unterhaltungssendungen. Der HR-Intendant hat nun Stellung zu dieser Kluft bezogen.
Florian Silbereisen (43) begeistert mit seinen Schlagerevents regelmäßig ein Millionen-Publikum. Sind die beliebten Shows bald Geschichte?
Florian Silbereisen (43) begeistert mit seinen Schlagerevents regelmäßig ein Millionen-Publikum. Sind die beliebten Shows bald Geschichte?  Fotoquelle: picture alliance / Sipa USA | Just Pictures

Seit 2004 zieht Florian Silbereisen mit seinen großen Musikfesten Millionen Zuschauer in den Bann. Doch angesichts steigender Kosten und einer intensiveren Debatte über den öffentlich-rechtlichen Auftrag stellt sich zunehmend die Frage: Lassen sich solche Unterhaltungsshows noch mit dem Bildungsanspruch der ARD vereinbaren?

HR-Intendant ist selbst kein Schlager-Fan

Florian Hager, Intendant des Hessischen Rundfunks, ging in einem von der Wochenzeitung "Die Zeit" organisierten Streitgespräch auf diese Frage ein und äußerte sich unmissverständlich: "Das ist auch nicht unbedingt mein Musikgeschmack", gab der Intendant zu, "aber da schalten sehr, sehr viele Menschen ein, und für die ist es ganz wichtig, dass es diese Sendungen gibt." Trotz eines leichten Rückgangs der Einschaltquoten bei Shows wie "Schlagerchampions" (3,9 Millionen Zuschauer) und dem "Schlagerbooom Open Air" (3,1 Millionen Zuschauer) bleibt Silbereisen eine unumstrittene Größe im deutschen Fernsehen.

Doch nicht alle sind überzeugt: In einer Zeit, in der der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit finanziellen Engpässen kämpft, kommen immer wieder Stimmen auf, die den hohen Aufwand für diese Shows infrage stellen. Kritiker sehen sie im Widerspruch zu dem Anspruch, ein breites Bildungsangebot zu liefern. Doch Hager hält standhaft dagegen: "Fiktionale Programme wie der 'Tatort' oder die 'Lindenstraße' (wurde 2020 eingestellt, Anm. d. Red.) hatten ebenfalls riesige Reichweiten und haben vielleicht mehr in der Gesellschaft bewegen können, etwa für die Integration, als manche Doku-Reihe." Die Unterhaltungsserien seien für ihn demzufolge „demokratiestiftend“.



ARD will sich an "Bedürfnissen der Gesellschaft" orientieren

Der HR-Intendant, der seit Januar 2025 das Amt des ARD-Vorsitzes innehat, betonte auch, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk mehr denn je an den Bedürfnissen der Gesellschaft orientiert bleiben müsse – und das schließe auch die Belange von Menschen mit Migrationshintergrund und bestimmte politische Lager ein. "Dass es Gruppen gibt, deren Lebenswirklichkeiten wir nicht abbilden, beunruhigt uns", gab er zu.

Ob sich die ARD in Zukunft noch Event-Abende mit dem Schlagerstar angesichts der finanziellen und gesellschaftlichen Herausforderungen leisten kann, bleibt fraglich. Aber eines ist sicher: Die Frage nach dem richtigen Mix aus Unterhaltung und Bildungsauftrag wird die ARD noch lange beschäftigen.

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