Nina Hagen

"Schrille Punklady" mit "Schnodder-Schnauze": Nina
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"Schrille Punklady" mit "Schnodder-Schnauze": Nina Hagen
Nina Catharina Hagen
Geboren: 11.03.1955 in Berlin-Friedrichshain, Deutschland

"Sie schmeißt sich in die Musik, aggressiv, direkt, furios, orgelt im schönsten Opern-Alt, flitzt mit Krakeel und Kieksern in gleißende Sopran-Höhen, sie parodiert, persifliert, kobolzt wie ein Derwisch auf der Bühne", porträtierte einst der "Spiegel" Nina Hagen, die berühmte Rockröhre. Im Lauf der Jahre wurde Nina Hagen mit ungezählten Klischees belegt: Die "schrille Punklady", die "Provokateurin", die "Schnodder-Schnauze". Die Sängerin und Schauspielerin hat dazu nicht wenig selbst beigetragen, als sie etwa in den Siebzigerjahren in der NDR-Talk-Show "III nach neun" eine handgreifliche Anleitung zur weiblichen Masturbation gab. Die Zeiten, in denen sich so Aufsehen und Empörung erregen ließen, sind vorbei. Heute versucht sie, ihrem Publikum die indische Spiritualität nahe zu bringen. Eine Grenzgängerin ist Nina Hagen seit ihrer Übersiedlung aus der DDR in die Bundesrepublik 1976 aber immer geblieben: Musikalisch lebt sie zwischen Rock, Oper und Weltmusik, geistig sieht sie sich als "Welt-, Kosmos- und Jenseitsbürgerin".

Nina Hagen wird als Tochter des Drehbuchautors Hans Hagen und der Schauspielerin Eva-Maria Hagen geboren. Als Nina zwei Jahre alt war, trennen sich die Eltern. Der Liedermacher Wolf Biermann wird ihr Ziehvater. Wegen dieser Liaison der Mutter wird Nina Hagen aus der FDJ ausgeschlossen. Die Schule verlässt Nina Hagen noch vor Abschluss der zehnten Klasse. 1972 fällt sie durch die Eignungsprüfung der Staatlichen Schauspielschule der DDR, zieht nach Polen und tritt mit ihrer ersten Band auf, mit der sie Songs von Janis Joplin und Tina Turner zum Besten gibt. Ein Jahr lässt sie sich im Zentralen Studio für Unterhaltungsmusik ausbilden und erhält 1974 für Songs wie "Du Hast Den Farbfilm Vergessen" bei einem Interpreten-Wettbewerb in Karl-Marx-Stadt den Sonderpreis als beste Nachwuchssängerin des Jahres. 1975 gibt sie – in ihrer Heimat längst ein Kultstar – mit "Heute ist Freitag" von Klaus Gendris ihr Kinodebüt.

Nach der Ausbürgerung ihres Ziehvaters Wolf Biermann 1976 stellt sie ebenfalls einen Antrag, dem binnen vier Tagen stattgegeben wird. Die DDR will sie offensichtlich loswerden. Zusammen mit ihrer Mutter verlässt sie daraufhin ebenfalls die DDR. In Berlin findet Nina Hagen schnell Anschluss, Starfotograf Jim Rakete verhilft ihr gar zu einem Plattenvertrag. Ende 1977, nach dem Erkunden der Londoner Punkszene, stellte sie in Westberlin die Nina-Hagen-Band vor, die sie zum größten Teil aus ehemaligen Mitgliedern des Polit-Rock-Kabaretts "Lokomotive Kreuzberg" formiert hatte. Ihrem Debütalbum "Nina Hagen Band" folgte eine erste große Tournee durch die Bundesrepublik, mit Titeln wie "Ich glotz TV" hat sie schließlich teils schrille Auftritte in aller Welt. Während der darauf folgenden Europatournee im Frühjahr 1979 trennt sich Nina nach längeren Querelen von ihrer Band, die danach unter dem Namen "Spliff" weiterhin erfolgreich weiter besteht. Es heißt, Nina Hagen habe die Hälfte aller Gagen haben wollen. Das nehmen ihr auch viele Fans übel, die sich von ihr abwenden. Doch Nina lässt sich nicht beirren, dreht in Amsterdam mit Herman Brood den Film "Cha-Cha" und kurze Zeit später mit Ulrike Ottinger "Bildnis einer Trinkerin" (beide 1979).

Der große Erfolg mit einer neuen, in Holland zusammengestellten Band bleibt jedoch aus. Nina Hagen zieht in die USA, wo sie sich unter die Fittiche von Frank Zappas Manager Bennett Glotzer begibt. 1982 kommt ihre erste Solo-LP "Nun Sex Monk Rock" auf den Markt. Nach einer Tournee mit dem No Problem Orchestra durch England, Kanada und die USA im Sommer 1982 sowie einer Deutschlandtour im Frühjahr 1984 wird es stiller um sie, obwohl sie mit Irokesenfrisur, Ufo- und Gottes-Visionen weiter für schrille Auftritte sorgt. Gleichzeitig nimmt sie sich immer wieder gesellschaftlicher und politischer Konfliktthemen an: Sie protestiert gegen die Apartheid in Südafrika, nimmt an Aktionen gegen das Tragen von Pelzen teil und prangert Tierversuche an. Im Mai 1989 zieht sie mit ihrer mittlerweile achtjährigen Tochter Cosma Shiva nach Paris.

Anfang 1992 steht Nina Hagen dann in München für Marianne Rosenbaums Film "Lilien in der Bank" vor der Kamera, in dem sie als jung gestorbene Frau auftrat, die in den Träumen des Großvaters alias Georg Thomalla auftaucht. Im März 1992 erhält Nina bei RTLplus eine eigene TV-Show und begann einmal monatlich 30 Minuten lang über Gott und die Welt zu plaudern. 1994 widmet ihr der Filmemacher Peter Sempel den Dokumentarfilm "Nina Hagen = Punk and Glory". Nach einer kleinen Rolle in dem "Tatort" "Tatort - Tod im All" übernimmt sie 1998 die Moderation einer wöchentlichen Sciencefiction-Sendung des britischen Sci-fi-Channel. Ebenfalls 1998 startet sie zusammen mit Meret Becker die Deutschlandtournee "Wir heißen beide Anna", ein Bert-Brecht-Programm zu dessen 100. Geburtstag. Ihre Vielseitigkeit beweist Nina außerdem mit der Single "Du hast mein Herz geklaut", die sie im Frühjahr mit dem Rapper Thomas D. von den Fantastischen Vier für dessen Album "Solo" aufnimmt.

Das Thema Indien nimmt inzwischen in Ninas Leben immer größeren Raum ein: Seit 1993 bereist sie das Land, verbringt viel Zeit in einem Ashram nahe der tibetischen Grenze, sucht sich dort einen Yogi und unterstützt verschiedene Hilfsprojekte. 1999 entsteht die CD "Om Namah Shivay", deren Erlös karitativen Projekten zukommt. 2003 dann noch einmal ein großer musikalischer Erfolg: Nina nimmt mit Apocalyptica das Lied "Seemann" auf, das in die deutschen Top 20 einstieg. Und ein lang ersehnter Traum geht für sie in Erfüllung: Mit der Leipzig Big Band spielt sie die Swing-CD "Big Band Explosion", auf der sie auch im Duett mit dem dänischen Musiker Lucas Alexander singt. 2004 verleiht ihr die Berliner Zeitung den Kulturpreis. Nina geht mit Udo Lindenberg auf Tournee, und im September stellt sie ihre eigene Mode-Kollektion "Mother of Punk" vor. Und im Herbst 2004 lief die Komödie "7 Zwerge - Männer allein im Wald" mit Nina als böser Königin in den Kinos. Und auch in der Fortsetzung "7 Zwerge - Der Wald ist nicht genug" (2006) war sie zu sehen - dieses Mal als böse Hexe.

Nina Hagen hat auch immer wieder Sprechrollen in Kinofilmen übernommen, so etwa in "Tim Burton's Nightmare Before Christmas" (1993), in "Hot Dogs" (1999), in "Chihiros Reise ins Zauberland (2001) und in "Das Geheimnis der Frösche" (2003). Nina Hagen ist Mutter von zwei Kindern (Cosma Shiva, geb. 1981, und Otis, geb. 1990). Der Vater von Cosma Shiva ist der inzwischen verstorbene Musiker Ferdinand Karmelk, Otis’ Vater ist der Stylist Franck Chevallier, der früher als Assistent des Modeschöpfers Jean-Paul Gaultier tätig war. Großen Erfolg hatte Nina schließlich 2006 als Jurymitglied der Castingshow "Popstars". Auch politisch hält Nina Hagen mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg, so ist sie sich sicher, dass die Kanzlerschaft von Angela Merkel den deutschen Frauen überhaupt nichts bringt.


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