Als Jan Josef Liefers und Axel Prahl 2002 das erste Mal gemeinsam im Tatort ermittelten, da schrieb die Presse noch von "Holmes und Watson auf münsteranisch", von "Tatort skurril", da wurde der Fall "Der dunkle Fleck" noch für den Grimme-Preis nominiert. Heute, 15 Jahre später, sieht das anders aus. Da sind Thiel und Boerne immer häufiger der Kritik ausgesetzt. Zu viel Slapstick, zu festgefahrene Rollen, selbst Schauspielkollege Bjarne Ingmar Mädel konstatierte, die Gags seien berechenbar geworden und nutzten sich ab.

Was man dem Münsteraner Tatort zugutehalten muss: Immer wieder arbeitet er sich an der Stadt und ihren Schrulligkeiten ab, dass es eine Freude ist. Und nun also sind die Skulpturprojekte an der Reihe, diese alle zehn Jahre stattfindende Nabelschau moderner Kunst, international renommiert und in diesem Spätsommer zum fünften Mal zu Ende gegangen. Sie steht auch im Tatort kurz bevor, wenn auch als "Skulpturtage". Doch irgendjemand kommt der Eröffnung zuvor und platziert eine Clowns-Skulptur vor dem Rathaus. Eine banale Arbeit? Mitnichten. Denn in dem Clown, da steckt ein Toter – ein ehemaliger Münsteraner Stadtrat, der gerade erst vom Vorwurf der Unzucht mit Minderjährigen freigesprochen wurde.

Wollte hier jemand Rache üben? Oder hat der Mord doch mit der großen Ausstellung zu tun? Thiel und Nadeshda Krusenstern (Friederike Kempter) beginnen zu ermitteln und lernen dabei die halbe Kunstwelt Münsters kennen. Die Künstler Jan Christowski (Christian Jankowski), Swantje Hölzel (Raphaela Möst) und Zoltan Rajinovic alias G.O.D. (Aleksandar Jovanovic) beispielsweise, der ausgerechnet Boerne zu seinem Meisterschüler ernennt. Ein Einfall, typisch für den Münsteraner Tatort. Doch noch bevor sie wirklich etwas rausbekommen, gibt es die zweite Leiche. Wieder als Skulptur verpackt, wieder öffentlich ausgestellt.

Liefers wird an die Wand gespielt

Das Problem in diesem Fall: Jan Josef Liefers und seine Rolle des Professor Börne haben in Aleksandar Jovanovic und seinem exzentrischen Künstler einen zu starken Gegenpart. Einen, der zwar schwach beginnt, der im Lauf der 90 Minuten aber ganz groß aufspielt – und Liefers an die Wand. Vom süßen Charme des Todes spricht er da und macht aus dem Leichenschauhaus in Münster eine Bühne, aus Alberich seine Protagonistin – und aus Liefers einen Statisten.

Etwas anders sieht das bei Axel Prahl und seinem Frank Thiel aus. Der nämlich trifft bei seinen Ermittlungen auch auf Klara Wenger (Victoria Mayer), die Kuratorin der Skulpturtage, die "Frankie" noch von früher kennt, als er mit Vaddern zu Besuch in der Kommune ihrer Mutter zu Besuch war – in der auch Staatsanwälting Wilhelmine Klemm (Mechthild Großmann) gelebt hat. Diese Begegnung hat so gar nichts von dem Gefälle zwischen Liefers und Jovanovic, diese Begegnung ist charmant und voller Witz, quicklebendig und irgendwie süß.

Dagegen bleiben die anderen Künstler, die sich rund um diese Skulpturtage tummeln, blass, obwohl dieser Tatort sie gerne als exzentrisch verkaufen würde. Und diese Kunstwelt, sie bleibt eine Oberfläche, eine Schablone für das, was sich Außenstehende unter dieser Gemengelage aus Kreativen und Verkäufern, aus großen Ideen und noch größeren Scheitern offenbar vorstellen.

Handwerkliche Schnitzer

Dazu leistet sich "Gott ist auch nur ein Mensch" erstaunliche handwerkliche Schnitzer. Sieht man da bei einer der Leichen wirklich, wie sich die Bauchdecke hebt und senkt, während sie bei Professor Börne im Kühlhaus liegt? Heißt einer der Menüpunkte bei "friendsgate", dem Facebook-Klon, den dieser Tatort da in einem Ausschnitt zeigt, um nicht mit dem Original hantieren zu müssen, wirklich "Empfelungen"? Und steht auf einem der Kunstwerke wirklich, orthografisch falsch, "It's just a experiment"? Es mögen Kleinigkeiten sein, aber sie stehen für eine gewisse Schludrigkeit, dafür, dass sich der Münsteraner Tatort zu sehr auf sein eingespieltes Duo Thiel/Börne verlässt. Das wird es schon richten, scheint man beim WDR zu denken. Tut es aber nicht.

Leider scheitert dieser Tatort am Ende aber vor allem an seiner Struktur. "Zu konzeptionell" sei das, was er da mache, wirft Börne seinem Meister in einem Moment vor. Und diesem Krimi geht es genauso – inklusive der Pointe, die auf den ersten Blick ein netter Einfall ist, ein Gag, auf den zweiten aber nur entlarvt, dass hinter der Fassade dieses Tatorts zu wenig Substanz sitzt. Zumindest da hat er mit der Kunstwelt, auf die er schielt, etwas gemein.