Claudia Cardinale

Kuvern-Star der Sechzigerjahre: Claudia Cardinale. Vergrößern
Kuvern-Star der Sechzigerjahre: Claudia Cardinale.
Fotoquelle: Matteo Chinellato/shutterstock.com
Claude Joséphine Rose Cardin
Geboren: 15.04.1938 in Tunis, Tunesien

Wer so attraktiv ist, wird gerne beim Film genommen. Neben Sophia Loren und Gina Lollobrigida ist die Cardinale eine der Kurven-Stars des italienischen Kinos der Sechzigerjahre. Selbst im rauhen Wilden Westen - "Spiel mir das Lied vom Tod" (1968) - macht sich ihre bisweilen vornehme, dunkeläugige Schönheit unter all den Stoppelbärten gut. Ihre Blicke wecken Beschützerinstinkte und halten Männer und den Film auf Trab.

1957 gewinnt die Tochter sizilianischer Eltern in Tunis einen Schönheitswettbewerb. Als Preis winkt eine Reise zu den Filmfestspielen von Venedig, wo sie Aufmerksamkeit erregt. Filmproduzent Franco Cristaldi, ihr späterer Ehemann, lag zweifellos richtig, als er daran dachte, für Italien ein publikumswirksames Gegenüber zu den übermächtigen Französinnen Brigitte Bardot und Jeanne Moreau aufzubauen.

In Rom besucht Claudia Cardinale das "Centro Sperimentale de Cinematografia" und hat nur ein Jahr später in dem Filmspaß "Diebe haben's schwer" (Regie: Mario Monicelli) einen ersten Erfolg. 1960 dreht sie "Das Mädchen mit dem leichten Gepäck", spielt in der Tragikomödie "Bel Antonio" und mit Jean-Paul Belmondo in dem erfolgreichen Abenteuerfilm "Cartouche, der Bandit". Danach holt sie Regie-Legende Federico Fellini für sein autobiographisch gefärbtes Meisterwerk "Achteinhalb" (1962) mit Marcello Mastroianni vor die Kamera.

Zu diesem Zeitpunkt hat auch Meisterregisseur Luchino Visconti das Talent und vor allem die aufregenden Kurven von Claudia Cardinale längst entdeckt. Visconti besetzt sie gleich in drei seiner Filme: Bereits 1960 spielt sie in dem Klassiker "Rocco und seine Brüder" mit Alain Delon, dann als schöne Bürgermeistertochter wieder an der Seite von Delon und Burt Lancaster in "Der Leopard" (1962). Schließlich spielt sie in der Titelrolle von "Sandra" (1964) eine vom Schicksal gequälte Frau, die aus den USA in ihr Heimatland Italien zurückkehrt und dort von ihren schlimmen Kindheitserinnerungen übermannt wird. Und noch einmal sieht man sie unter der Regie von Visconti: 1974 hat sie eine kleine ungenannte Rolle als Frau eines Professors in "Gewalt und Leidenschaft".

Für das Hollywood-Kino dreht sie bereits 1963 mit Peter Sellers den Blake-Edwards-Knüller "Der rosarote Panther", drei Jahre später den Western "Die gefürchteten Vier" (Richard Brooks, 1966), mit Burt Lancaster, Lee Marvin, Robert Ryan und Jack Palance. Tony Curtis dagegen ist ihr Filmpartner in Alexander Mackendricks Komödie "Die nackten Tatsachen" (1966), während "New-York-Expreß" (1966) eine eher durchschnittliche Krimikomödie mit Rock Hudson ist. Zurück in Italien folgt 1967 der hervorragende Polit-Thriller "Don Mariano weiß von nichts" (lief hierzulande als "Don Mariano weiß von nichts" im TV), in dem Regisseur Damiano Damiani Claudia Cardinale neben Franco Nero und Lee J. Cobb besetzt.

Nach dem großartigen Erfolg in Sergio Leones "Spiel mir das Lied vom Tod" zwischen Charles Bronson und Henry Fonda folgen Ende der Sechziger-, Anfang der Siebzigerjahre Rollen in eher durchschnittlichen oder gar zweitklassigen Filmen. Einen dankbaren Auftritt hat Claudia Cardinale dann wieder 1972 unter der Regie von José Giovanni in dem Gangsterdrama "Der Mann aus Marseille". Nach der Scheidung von Cristaldi (1975) lebt Claudia Cardinale mit Regisseur Pasquale Squitieri zusammen. Die Filme mit ihm werden als zweitklassig eingestuft. Eine bessere Rolle hält dagegen der französische Regisseur Etienne Périer für sie bereit: In dessen Psychodrama "Das gefährliche Spiel von Ehrgeiz und Liebe" (1977) verkörpert sie die Ehefrau von Michel Piccoli, die - an den Männern verzweifelnd - Selbstmord begeht. Und dann wieder eine Damiani-Arbeit, der mit der Cardinale 1978 den Polit-Thriller "Goodbye und Amen" dreht.

Besonders Werner Herzogs "Fitzcarraldo" (1981) mit Klaus Kinski findet große internationale Beachtung, Lob erhalten auch die TV-Filme "Claretta" und "La storia" (beide 1984). Mit dem missglückten Blake Edwards-Streifen "Der Sohn des rosaroten Panthers" (1993) kann Claudia Cardinale allerdings nicht mehr an alte Erfolge anknüpfen. Erst "Ein Sommer in La Goulette" (1995) hebt sich wieder vom Durchschnitt ab, ebenfalls gelungen ist das Melodram "Mia, Liebe meines Lebens" (1997) mit Tobias Moretti.

Weitere Filme mit Claudia Cardinale: "Tre straniere a Roma", "Die erste Nacht" (1958), "Goha", "Vento del Sud","Austerlitz - Glanz einer Kaiserkrone", "Treppauf - treppab", "Un Maledetto imbroglio", "Il Magistrato", "Diebe sind auch Menschen","Goldene Ketten", "Das Haus in der Via Roma" (alle 1959), "La Ragazza con la valigia", "Gefährliche Nächte" (alle 1960), "Les Lions sont lâchés", "Senilità", "Auguste" (ungenannt, 1961), "La Viaccia", (1962), "La Ragazza di Bube", "Held der Arena" (beide 1963), "Der große Hahnrei", "Gli Indifferenti" (beide 1964), "Vaghe stelle dell'Orsa" (1965), "Die Gespielinnen", "Eine Rose für alle", "Sie fürchten weder Tod noch Teufel" (alle 1966), "Die mit den Wölfen heulen" (1968), "Ein ruhiges Paar", "Nell'anno del Signore", "Certo,certissimo, anzi... probabile" (alle 1969), "Die Gräfin und ihr Oberst", "Popsy Pop" (beide 1970), "Die Audienz", "Petroleum-Miezen", "Das rote Zelt", "Bello, onesto, emigrato Australia sposerebbe compaesana illibata" (alle 1971), "Days of Fury", "Libera, amore mio", "I Guappi" (alle 1973), "Eine Laus im Pelz", "Lucky Girls" (beide 1975), "La Lozana andaluza", "Il Comune senso del pudore" (beide 1976), "Circus of the Stars", "Jesus von Nazareth" (TV-Mehrteiler), "Der Aufstieg des Paten", "Ein Mann aus Stahl und Eisen" (beide 1977), "La Petite fille en velours bleu", "L'Arma" (beide 1978), "Flucht nach Athena" (1979), "Si salvi chi vuole" (1980), "Die Haut" (1981), "Der Rammbock", "Die Last der Träume", "Ein pikantes Geschenk" (alle 1982), "Princess Daisy", "Kennwort: Salamander" (beide 1983), "Enrico IV" (1984), "L'Été prochain", "La Donna delle meraviglie" (beide 1985), "Naso di cane" (TV), "Sniper", "Leidenschaftliche Begegnung - A Man In Love" (alle 1987), "Blu elettrico" (1988), "Hiver 54, l'abbé Pierre", "Die Französische Revolution - Jahre der Hoffnung", "Die Französische Revolution - Jahre des Zorns", "Ben Webster: The Brute and the Beautiful" (alle 1989), "La Batalla de los Tres Reyes", "Eine Mutter" (beide 1990), "Mayrig - Heimat in der Fremde" (1991), "588 rue paradis" (1992), "Flash - Der Fotoreporter" (TV-Serie), "Frauen denken nur an eines" (beide 1993), "René Lévesque" (1994, TV-Serie), "10-07: L'affaire Zeus" (TV-Serie), (b1995), "Nostromo - Der Schatz in den Bergen" (1996), "Sous les pieds des femmes", "Prinzessin Amina" (beide 1997), "Riches, belles, etc." (1998), "Mein liebster Feind", "Li chiamarono... briganti!", "Luchino Visconti", "Un café...l'addition", "Elisabeth" (alle 1999) und "And Now ... Ladies and Gentlemen" (2002), "The Demon Stirs" (2005), "Cherche fiancé tous frais payés" (2007), "Estrenando sueños" (2008), "Le Fil - Spur der Sehnsucht" (2009), "Das Mädchen und der Künstler" (2012).


Zur Filmografie von Claude Joséphine Rose Cardin
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