Thomas (Martin Freeman) wirbt die wurzellose Rachel (Diane Kruger) für den Mossad an.
In "Die Agentin" muss eine frühere Mossad-Spionin ihre ehemaligen Auftraggeber fürchten.

Die Agentin

KINOSTART: 29.08.2019 • Spionagefilm • USA (2019) • 117 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
The Operative
Produktionsdatum
2019
Produktionsland
USA
Filmstudio
Black Bear Pictures, Le Pacte, Spiro Films, Neue Bioskop Film
Einspielergebnis
1.431.904 USD
Laufzeit
117 Minuten
Regie
Yuval Adler
Music
Frank Ilfman
Kamera
Kolja Brandt, Yoshua Berkowitz, Wolfgang Ennenbach, Norwin Hatschbach

Filmkritik

Gefangen im Beruf
von Christopher Diekhaus

In seiner Adaption eines israelischen Bestsellers schildert Yuval Adler das Schicksal einer Mossad-Spionin, die auf die Abschussliste ihrer Hintermänner gerät. Diane Kruger liefert in dem manchmal etwas spröden Drama eine starke Darbietung ab.

Alles beginnt mit einem kryptischen Anruf. Aus heiterem Himmel meldet sich die untergetauchte Mossad-Agentin Rachel (Diane Kruger) bei ihrem Ex-Verbindungsmann Thomas (Martin Freeman). Ihre Nachricht versetzt den israelischen Geheimdienst in große Unruhe – immerhin verfügt die einstige Mitarbeiterin über so manche brisante Information. Thomas muss sich daraufhin einer kritischen Befragung stellen und soll seinen alten Kollegen im Detail darlegen, wie Rachels Anwerbung und ihre Missionen abgelaufen sind. In Rückblenden erfährt der Zuschauer schließlich, dass die als Lehrerin getarnte Spionin an einer Operation im Iran beteiligt war und ihrer Zielperson Farhad (Cas Anvar) irgendwann näherkam, als es dem Mossad lieb sein konnte.

Obwohl der nach einem Roman des ehemaligen israelischen Geheimdienstlers Yiftach Reicher Atir entstandene Thriller "Die Agentin" viele erklärende Dialoge auffährt, braucht es etwas Zeit, bis man sich in der Geschichte zurechtgefunden hat. Dennoch entwickelt Yuval Adlers Bestsellerverfilmung – zumindest phasenweise – einen eigenen Reiz. Wird die Geheimdienstarbeit auf der großen Leinwand sonst häufig als aufregende, actionreiche Spektakelshow dargestellt, zeichnet "Die Agentin" ein betont uncooles, zermürbendes, wenig effekthascherisches Bild.

Ähnlich wie im leise brodelnden Spionagethriller "A Most Wanted Man" mit Philip Seymour Hoffman in einer seiner letzten Rollen reiht sich hier nicht eine Verfolgungsjagd an die nächste. Ab und an setzt Adler, der auch das Drehbuch schrieb, dennoch kleine Spannungsakzente. Wichtig ist dem Regisseur aber zugleich der Blick auf die psychische Belastung seiner Hauptfigur, die als wurzellose Drifterin eingeführt wird.

Ihren Job macht Rachel zunächst recht ordentlich. Die Angst vor dem Auffliegen, die ständig neuen Anforderungen und die sich intensivierende Beziehung zu Farhad setzen sie jedoch zunehmend unter Druck. Dass ihre Tätigkeit alles andere als glamourös ist, begreift man spätestens dann, als sie zum ersten Mal aus Selbstschutz einen eigentlich unschuldigen Menschen aus dem Weg räumt.

Gewiss bedient sich der Film einiger banaler Klischees. Und sicher ist das Charakterporträt Rachels insgesamt zu skizzenhaft. Unmissverständlich führt Adler dem Publikum allerdings vor Augen, wie schnell Agenten zu entbehrlichen Spielsteinen werden können und welche gravierenden Auswirkungen ein gefährliches Doppelleben auf die Seele hat. An einen einfachen Ausstieg ist freilich nicht zu denken. Dafür verfügt Rachel schlichtweg über zu viel explosives Hintergrundwissen.

Adlers Adaption mag erzählerisch nicht rund sein und kratzt des Öfteren nur an der Oberfläche. Sehenswert ist aber allemal das ebenso zurückgenommene wie feinfühlige Spiel der Hauptdarstellerin. In Diane Krugers müdem, ungeschminktem Gesicht spiegeln sich der Kräfteverschleiß und die Zerrissenheit ihrer Figur eindringlich wider. Nach dem preisgekrönten Auftritt in Fatih Akins "Aus dem Nichts" legt der in Deutschland geborene Hollywood-Star erneut einen überzeugenden Auftritt hin.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller

Barnaby Metschurat als Lenz auf der Flucht vor dem
Leben
Barnaby Metschurat
Für ihre Rolle in Fatih Akins "Aus dem Nichts" erhielt Diane Kruger den Darstellerpreis der 70. Filmfestspiele von Cannes.
Diane Kruger
Ob Dr. John Watson oder Bilbo: Martin Freeman weiß zu überzeugen.
Martin Freeman
Weitere Darsteller
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