Was darf Satire und was darf sie nicht? Die Frage stellt sich seit bald 30 Jahren immer wieder neu bei Sacha Baron Cohen. Die Provokation ist essenzieller Bestandteil seiner Arbeit, ohne das Überschreiten vermeintlicher Grenzen scheint es bei ihm nicht zu gehen. 1998 fand er damit erstmals größere öffentliche Aufmerksamkeit, als er für das britische Fernsehen die Kunstfigur Ali G ins Leben rief ("The 11 O'Clock Show"). Dass Cohen seine erste skandalöse Schöpfung Ali G in den Ruhestand schickte (2007, zusammen mit Borat), ist inzwischen auch schon fast 20 Jahre her. Aber irgendwie ist der Typ nicht totzukriegen, und er sorgt immer noch für große Empörung ...
Im Sommer 2025 kursierten erste Berichte, wonach Sacha Baron Cohen nach längerer Zeit mal wieder in seiner alten Kultrolle als Ali G gesehen worden sein soll. Inzwischen ist klar, was dahintersteckte: Mit Unterstützung der Amazon MGM Studios hat Cohen mehr oder weniger geheim einen neuen Ali-G-Film gedreht, der zunächst nur für wenige Tage in die Kinos kommt. Ginge es nach vielen Kritikern von Cohen, sollte der Film überhaupt nicht im Kino zu sehen sein.
Seit Veröffentlichung des ersten Trailers zu "Ali G: Who Iz I?" wird dazu aufgerufen, den Film zu boykottieren, weil er angeblich rassistische Stereotype bediene. Über 50.000 Menschen sollen sich an einer entsprechenden Kampagne beteiligt haben. In Österreich wurde der Kinostart offenbar sogar ganz abgesagt, wie "Der Standard" zuletzt berichtete. Cohen seinerseits reagierte auf die Empörungswelle mit einem weiteren Trailer, in dem er sich auch in seiner Rolle als Borat mit dem Thema auseinandersetzte: Der neue Ali-G-Film sei "leider" nicht rassistisch und werde deshalb auch in keinem der beiden kasachischen Kinos gezeigt.
Was man im Rest der Welt (oder zumindest in großen Teilen davon) auf der Leinwand sehen kann, ist eine Produktion im Mockumentary-Stil, bei der Sacha Baron Cohen sich als Ali G auf einen USA-Trip mit vielen schrägen Begegnungen begibt. Nachdem der "Chav" aus der britischen Unterschicht zuvor knapp zwei Jahrzehnte lang nur "gechillt und gekifft" hatte, muss er jetzt Verantwortung übernehmen: Seine Freundin Julie (Morgana Robinson) ist im achten Monat schwanger, es muss dringend Kohle herangeschafft werden, um das Baby zu versorgen – und wo sollte das für einen Typen wie Ali G besser gehen als in Amerika, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten?