Zu Fuß nach Sizilien, eine große inspirierende Lustwanderung über mehrere tausend Kilometer, so wie es der Dichter Johann Gottfried Seume im Jahr 1801 gemacht und dann in seinem Reisebericht "Spaziergang nach Syrakus" festgehalten hat: Das ist der große Traum von Paul Gompitz (Charly Hübner), und zugleich ist es eigentlich eine absolute Unmöglichkeit. Paul lebt im Jahr 1982 in der DDR, da führt kein Weg nach Syrakus. Oder vielleicht doch?
Paul Gompitz, so wie Regisseur Lars Jessen ihn im Film "Spaziergang nach Syrakus" inszeniert und wie Charly Hübner ihn spielt, ist ein einfacher, unauffälliger Typ. Ein Kellner auf einem Fahrgastschiff bei Rostock, der eigentlich keinen Ärger macht und es genießt, mit seiner Frau Anne (Lina Beckmann) gemütliche Datsche-Abende zu verbringen. Aber er hat doch seinen eigenen Kopf, und dieser Traum von Syrakus lässt ihm keine Ruhe. Einmal nur dorthin laufen, weiter nichts, er möchte danach auch gerne wieder zurück nach Hause kommen. Er stellt Anträge für Bildungsreisen, versucht es mit einem möglichen Besuch bei seiner Cousine im Westen. Die Antwort der Behörden ist immer die gleiche: abgelehnt! Paul muss sich also etwas anderes überlegen und kauft ein kleines Boot.
"Eine Geschichte über Sehnsucht, Freiheit und den Mut, zu weit zu gehen. Fast glaubt man, sie sei erfunden", heißt es auf dem Kinoplakat zu "Spaziergang nach Syrakus". Erfunden ist die Geschichte aber eben nur teilweise. Heide und Andreas R. Kersten entwickelten das Drehbuch zum Film auf Basis eines Romans von Friedrich Christian Delius. Der wiederum ließ sich zu seinem Buch von der wahren Fluchtgeschichte von Klaus Müller im Jahr 1988 inspirieren.