"Ruderprofessor", der Beiname kam durchaus nicht von ungefähr. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Karl Adam als Oberstudienrat für Mathematik, Physik sowie für Leibeserziehung in Ratzeburg tätig. Er befasste sich intensiv mit sporttheoretischen Fragen (von ihm stammt etwa das Konzept eines "mündigen Athleten", der selbst über den Einsatz von Hilfsmitteln wie Anabolika entscheiden solle) und verfasste Schriften wie "Leistungssport – Sinn und Unsinn". Sein Ruhm ging aber vor allem auf seine konkreten Verdienste für den deutschen Rudersport zurück.
Die Filmbiografie "Adams Acht" von Regisseur Hannu Salonen ("Die Toten vom Bodensee", "Oktoberfest 1900") konzentriert sich vor allem auf die Olympischen Spiele 1960 in Rom und den Weg dorthin. In Ratzeburg, nahe der Grenze zur DDR, formt Karl Adam (Oliver Masucci) ab den späten 50er-Jahren ein neues Team für den Ruderachter. Die jungen Sportler, Nachkommen einer schwer geschädigten Weltkriegsgeneration, bringen alle viel persönlichen Ballast mit. Zudem eckt Karl Adam mit seinen unkonventionellen Trainingsmethoden immer wieder an. Trotzdem gelingt die Qualifikation für Olympia – das alleine ist schon eine kleine Sensation ...
Das Drehbuch zu "Adams Acht" verfassten Domenik Pockberger und Stephan Falk. Neben Hauptdarsteller Oliver Masucci standen für das prominent besetzte Biopic-Projekt unter anderem Felix Kammerer, Svenja Jung, Heino Ferch und Axel Milberg vor der Kamera. Beim Festival des deutschen Films wurde "Adams Acht" zuletzt bereits mit dem Rheingold Publikumspreis ausgezeichnet.
Karl Adam starb 1976 im Alter von 64 Jahren. Dass seine Geschichte – zumindest in Teilen – gerade jetzt in einem Kinofilm erzählt wird, ist womöglich kein Zufall. Nachdem vor ein paar Jahren bereits Adams Aktivitäten im Dritten Reich öffentlich ausgeleuchtet worden waren (er arbeitete als Lehrer in der Nationalpolitischen Erziehungsanstalt Napola), beschäftigte sich zuletzt auch der Deutsche Ruderverband DRV konkret mit Karl Adam. Im Zuge der Aufarbeitung der eigenen NS-Vergangenheit beschloss der Verband 2025, den bis 2024 jährlich verliehenen "Karl-Adam-Preis" bei deutschen Meisterschaften nicht mehr zu vergeben.