Der deutsche Torwart Bert (David Kross) baut sich ein neues Leben in England auf.
Das Biopic "Trautmann" erzählt das Leben der Torwartlegende Bert Trautmann als Geschichte über Liebe und Völkerverständigung.

Trautmann

KINOSTART: 14.03.2019 • Drama • DE / UK (2018) • 120 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Trautmann
Produktionsdatum
2018
Produktionsland
DE / UK
Laufzeit
120 Minuten
Music

Filmkritik

Vom Feind zum Helden
Von Peter Osteried

Die wahre Geschichte von Bert Trautmann, der in britische Kriegsgefangenschaft kam und nach seiner Entlassung für den Fußballclub Manchester City spielte, ist bewegendes Sportlerkino – mit wenig Tiefgang allerdings.

"Es war plötzlich Nebel vor meinen Augen, alles wirkte nur noch grau. Die Spieler erkannte ich nicht mehr, sie sahen aus wie Geister", erzählte Bert Trautmann später über jenen Moment, der ihn unsterblich machte in der Geschichte des Fußballs. Es war 1956, in der 75. Spielminute, als sich der Torwart von Manchester City im Spiel gegen Birmingham das Genick brach – und trotzdem noch eine Viertelstunde auf dem Platz ausharrte. Man solle seine Karriere nicht auf diesen einen Moment reduzieren, bat die Torhüter-Legende kurz vor seinem Tod im Jahr 2013 den Regisseur Marcus H. Rosenmüller, der da bereits sein Biopic "Trautmann" vorbereitete. Rosenmüller zeigt nun zwar auch diese Szene. Aber vor allem konzentriert er sich auf die ersten Jahre des Deutschen in England.

Der Film beginnt im Jahr 1944. Bert Trautmann (David Kross), 1923 in Bremen geboren, ist Fallschirmspringer und wird hinter den feindlichen Linien festgesetzt. Man bringt ihn zusammen mit vielen anderen deutschen Kriegsgefangenen in ein Lager in England, wo die Insassen Zwangsarbeit leisten müssen. Trautmann aber entkommt der Haft bald, als Jack Friar (John Henshaw), der die örtliche Fußballmannschaft trainiert, sieht, wie ein paar Gefangene Fußball spielen und der junge Deutsche im Tor jeden Ball hält. Friar rekrutiert Bert für seine Mannschaft, was bei den Bewohnern von St. Helens, aber auch bei Friars Tochter Margaret (Freya Mavor) nicht gut ankommt. Nach Ende des Krieges beschließt Trautmann, in England zu bleiben. Nicht nur, weil es gut läuft auf dem Platz – der junge Deutsche hat sich auch in Margaret verliebt. Eines ist beiden allerdings klar: So kurz nach Ende des Kriegs wird es für sie nicht leicht werden in England.

Für Regisseur Marcus H. Rosenmüller ist die deutsch-britische Produktion "Trautmann" ein Verlassen seiner üblichen Komfortzone, fühlt sich der in Tegernsee geborene Regisseur doch bei bayrischen Stoffen wohl – "Wer früher stirbt ist länger tot" oder "Räuber Kneißl" etwa. Mit der wahren Geschichte des Bert Trautmann, der für seine Verdienste um die Völkververständigung sowohl mit dem Order of the British Empire als auch mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, erzählt er nun eine universelle Geschichte, die nicht nur in Deutschland relevant ist.

Bei der Fiktionalisierung des wahren Lebens des Towarts hat sich Rosenmüller viele Freiheiten genommen. So war Trautmann vor Margaret schon mit einer anderen Frau verlobt und hatte mit ihr sogar eine gemeinsame Tochter. Der Film vereinfacht vieles, um so eine geradlinige, romantische Geschichte erzählen zu können. Man kann darüber streiten, ob man bei einem Film über das Leben eines Menschen derart verändernd eingreifen darf, nur um der Handlung Vorschub zu leisten. Begreift man "Trautmann" jedoch als ein Werk, das in Kernpunkten dem wahren Leben des Mannes nacheifert, ansonsten aber ein stringentes Drama sein will, funktioniert der Film.

"Trautmann" ist ein stimmig erzähltes Biopic, dessen interessantestes Element – die Wandlung des Helden vom Nazi zum Fußball-Helden – aber arg leicht vonstattengeht. Der Film verzichtet weitestgehend darauf zu zeigen, wie das Privatleben der Trautmanns angesichts der Widrigkeiten aussah, die ihnen entgegenschlugen. Die Geschichte schafft dafür etwas anderes: Sie zeigt, wie Menschen, die einst Feinde waren, zu Freunden werden können. Nötig war dafür nicht nur die Courage eines Mannes und seiner Frau, sondern auch etwas, worauf sich Sportfunktionäre heute gerne etwas einbilden: dass der Fußball Menschen zueinanderbringt und dort Wunden heilen kann, wo es ansonsten vielleicht nicht möglich wäre. Das ist, so kurz vor dem Brexit, vielleicht so nötig wie schon lange nicht mehr.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

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