Das Paar Anne und Frank hat ein Pflegekind bei sich aufgenommen. Vor allem die Anfangszeit eines neuen Zusammenlebens gestaltete sich schwierig, wie eine Dokumentation im Rahmen von "37°" zeigt.

Einem fremden Kind ein neues Zuhause geben: Das war der Plan von Anne und Frank aus Köln. Das Paar hatte sich dazu entschieden, die Verantwortung einer Pflegeelternschaft zu übernehmen. Viele andere Menschen scheuen diesen Schritt. Zahlen belegen das: Allein in Deutschland sind mehr als 75.000 Kinder in Pflegeheimen untergebracht, weitere 95.000 in Heimen.

"Eltern verzweifelt gesucht" ist der Titel einer nach Ursachen forschenden ZDF-Dokumentation von Phillis Ferner. Sie taucht sogar hinab in Kinderseelen und zeigt, wie schwer es ist, gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. Anne und Frank sowie die gemeinsame Lönja haben länger gebraucht, ihrer Pflegetochter Nermina eine richtige Familie zu werden.

Nermina, die Pflegetochter von Anne und Frank, hatte es nicht leicht. Ihre eigenen Eltern haben sich früh getrennt, die Mutter ist psychisch schwer erkrankt. Da sich niemand in ihrer frühen Kindheit ausreichend um sie kümmern konnte, kam sie ins Kinderheim. Drei Jahre lang lebte sie dort, bis Anne und Frank sie aufnahmen.

Obwohl sich ihr Herzenswunsch nach einer Familie doch erfüllte, war der Anfang schwer – für alle Beteiligten. Nermina war so viel Harmonie nicht gewohnt. Auch bei ihren schulischen Leistungen hinkte sie weit hinterher. "Als Pflegefamilie musst du Geduld haben und Frust aushalten können", stellte Anne, eine Sozialpädagogin, schnell fest. Ihre leibliche Tochter, die 14-jährige Lönja, wurde direkter. "Manchmal, wenn Nermina so ausrastet, denke ich, es geht einfach nicht mehr", gibt sie zu.

In der Dokumentation reden alle Beteiligten, Pflegetochter wie Pflegefamilie, sehr offen darüber, wie schwer es wirklich ist, zueinander zu finden. Nermina hat einen anfangs steinigen Weg voller Vorbehalte inzwischen überwunden. Die nun vierköpfige Familie denkt noch einmal über "Nachwuchs" nach. Ein weiteres Pflegekind soll einziehen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst