Der mit Stars gespickte Journalistenfilm untersucht einen Medienskandal aus dem US-Präsidentschaftswahlkampf von 2004. Ein kluges, wenn auch ziemlich trockenes Stück.

Von "Citizen Kane" über "Die Unbestechlichen" bis zu "Spotlight", dem Oscar-Gewinner 2016, hat das US-Kino eine lange Tradition mit Filmen zu bieten, die Journalisten bei der Arbeit zusehen. Dass dieses Genre in Amerika ein ganz anderes Standing hat als hierzulande, ist dem besonderen amerikanischen Freiheitsbegriff geschuldet. Eine in den USA als "Rathergate-Affäre" bekannte Geschichte aus dem Präsidentschaftswahlkampf zwischen Bush und Kerry 2004 bildet die Grundlage einer klugen und für den Zuschauer durchaus anspruchsvollen Meditation über journalistische Ethik und Wahrheit. Das Erste zeigt "Der Moment der Wahrheit" (2015) im Spätabendprogramm zum ersten Mal im Free-TV.

Cate Blanchett und Robert Redford spielen jene Protagonisten, die damals im Zentrum eines Medienskandals standen. Der ist so trocken und komplex, dass er sich auf den ersten Blick nicht unbedingt zum klassischen Journalisten-Thriller eignet: Mary Mapes (Blanchet) wird als TV-Journalistin des traditionsreichen CBS-Polit-Magazins "60 Minutes" überaus respektiert. Ihrem väterlichen Freund, Anchorman Dan Rather (Redford), fühlt sie sich tief verbunden.

Die Journalistin bekommt Wind von Dokumenten, die zu belegen scheinen, dass sich der amtierende Präsident George W. Bush Anfang der 70er mit Hilfe seiner einflussreichen Familie vor dem Dienst in Vietnam drückte. Offenbar erschien er ab Mai 1972 ein Jahr lang gar nicht mehr auf seiner Inlands-Basis, was jedoch durch Vorgesetzte und andere einflussreiche "Entscheider" von damals gedeckt wurde.

Als sich die Beweise für den dreisten Freibrief Bushs verdichten, bereiten Mary und ihr Team unter großem Zeitdruck einen Filmbeitrag vor. Etwa in der Mitte von "Der Moment der Wahrheit" hat Regiedebütant James Vanderbilt, der die Bücher zu Filmen wie "The Amazing Spider-Man" oder "White House Down" schrieb, jenen Film im Film platziert. Man sieht, wie überall in Amerika Menschen das Ergebnis Marys investigativer Recherche verfolgen.

In einem simpler gestrickten Hollywood-Streifen wäre dies wohl auch das Ende der Veranstaltung. Bei Vanderbilt jedoch nimmt das Geschehen erst jetzt richtig Fahrt auf. Marys Beweise gegen Bush werden zerpflückt – von konservativen Kreisen, von konkurrierenden Medien, aber auch von Seiten des eigenen Senders CBS. Bis heute gibt es aber auch sehr gute Argumente dafür, dass alles, was damals recherchiert wurde, so stimmte. Auch wenn – oder vielleicht auch weil – man als Zuschauer ziemlich detailliert Mäuschen bei einer großen politischen Recherche spielen darf, kommt die durchaus faszinierende Geschichte mitunter etwas spröde daher. Dass die Figurentiefe dabei ein wenig auf der Strecke bleibt, ist eine leichte Schwäche des Films.


Quelle: teleschau – der Mediendienst