Totgesagte leben offensichtlich länger: Zu viel Klischee, zu viel Friede, Freude, Eierkuchen im Ermittlerteam hatte es nach dem Fortgang mancher Darsteller im vergangenen Jahr geheißen. Doch der coole Berliner Kommissar mit der Strickmütze, der einst aus dem Osten kam, ist nach wie vor beliebt. Vor allem ihm, Florian Martens alias Otto Garber, dürfte es zu verdanken sein, dass die ZDF-Dauerbrennerreihe "Ein starkes Team" am Samstagabend zuletzt von fast acht Millionen Zuschauern gesehen wurde.

Im 74. Film, "Preis der Schönheit", stirbt ein Model beim Fotoshooting auf dem Rollfeld des aufgelassenen Flughafens Tempelhof. Vom Caterer bis zum fiesen Modefotografen und zur Agenturchefin sind mal wieder viele der Tat verdächtig. – Oder sollte es gar die Mutter einer im Geschäft zu kurz Gekommenen gewesen sein?

Viel Verhörholz für die braven Kommissare – neben Otto Garber noch Linett Wachow (Stefanie Stappenbeck) und der noch recht neue Kollege Sebastian Klöckner (Matthi Faust). Von der Atmosphäre eines "Großstadtkrimis" (ZDF) bleibt allerdings nicht viel, so beeindruckend denn auch die viermotorige Propellermachine auf dem Flugfeld sein mag. Meistens gibt's Berliner Postkarten-Totalen aus der Luft.

Das Drehbuch (Leo P. Ard, der bereits Dutzende "EST"-Episoden geschrieben hat) ist durchaus routiniert zusammengepuzzelt. Das ach so fragwürdige Modelgewerbe gibt Anlass für viele Moralismen, Kalauer inklusive. Merke: "Was isst ein Model, wenn es in Eile ist? – Ein Laufsteak!" Na, da haben wir wieder was dazu gelernt. Dass Drogenkonsum und Magersucht im Modelgewerbe eine Rolle spielen können, weiß man spätestens seit dem Hollywood-Streifen "Gia - Preis der Schönheit", für dessen Hauptrolle Angelina Jolie 1998 einen Golden Globe gewann.

Mitunter sieht die Folge aber auch aus wie eine böse Vorahnung der "MeToo"-Debatte. Harter Konkurrenzkampf hinter den Kulissen, Privates und der Job vermischen sich. Möglicherweise wurde die Tote von einer Konkurrentin oder deren Anhang mittels Designerdroge aus dem Weg geräumt. Ansonsten doziert erstmal eine Toxikologin, "die Profilierteste von Berlin", arg lang vor sich hin, bis sich dann der Fall mehrfach um die eigene Achse dreht. Fast eine Erlösung, wenn endlich Otto und Linett ihre letzte Blindspur legen. Übereinstimmend deuten sie an, es könne ja wohl nur die Mutter des zu kurz gekommenen Models gewesen sein.

Über all das und den eher fragwürdigen finalen Coup trösten Ottos coole Sprüche hinweg. Aber auch "Sputnik", Jaecki Schwarz, ist wieder mit von der Partie. Diesmal hat er sich selbst zum Losverkäufer einer Betriebslotterie degradiert, die Bruno, dem kranken Spürhund, zugute kommen soll. Otto, der denkt, es wäre "der Dicke von der Sitte" gemeint, ist zu knausrig, um ein Los aus dem Eimer zu ziehen. So entgeht ihm eine Reise nach Paris. Die bekommt am Ende dann Sebastian, der (noch) neue Assistent. Da gleicht Komik vieles von dem aus, was einem zuvor an Spannung vorenthalten wird.


Quelle: teleschau – der Mediendienst