Kochshows und -Dokumentationen zählen im Land von "Grill den Henssler" oder "The Taste" neben Sportgroßereignissen, Krimis und Quizsendungen zu den beliebtesten Zuschauermagneten im deutschen Fernsehen. Wer auch bittersüße Geschmacksnoten schätzt, wird allerdings auch an der fiktionalen dänischen Serie "Helden am Herd" über zwei echte Anti-Helden schnell Geschmack finden.

Die mehrfach für Fernsehauszeichnungen nominierte Produktion, die ARTE nun in einer Blockprogrammierung mit jeweils vier der acht Folgen an zwei Donnerstagabenden erstaufführt, erzählt von einem dieser ehrgeizigen, auf den ersten Blick eher hoffnungslosen Projekte, denen sich auch erfahrene Küchenhelfer wie Christian Rach (RTL) oder Frank Rosin (kabel eins) üblicherweise annehmen würden: Es geht darum, ein Restaurant zu eröffnen. Und das unter denkbar ungünstigen Startbedingungen.

Schmutz und unbezahlte Rechnungen

Einer der beiden künftigen Gastwirte ist nämlich mit dem vom Leben gezeichneten Witwer Thomas (Martin Buch) ein ehemaliger Sommelier, der sich mittlerweile ausschließlich aufs private schwere Trinken verlegt hat. Fast die ganzen Tage verbringt er als Alkoholiker antriebslos im Bett, seit seine geliebte Frau Rie bei einem Autounfall ums Leben kann. Sein junger Sohn Niklas (Viktor Lykke Clausen) musste damals den tragischen Todesfall als Augenzeuge miterleben – seitdem spricht der Junge kein Wort. Beide hausen in einem heruntergekommenen Haus, das Rie eigentlich mal in ein Restaurant verwandeln wollte. Nicht nur, dass sich Schmutz und unbezahlte Rechnungen auftürmen, auch das Schulamt bedrängt Thomas immer wieder: Er läuft Gefahr, das Sorgerecht für seinen Sohn zu verlieren, wenn er sich nicht endlich aufrafft.

In dieses Durcheinander platzt ein alter Jugendfreund von Thomas – der Ex-Knacki Dion (Esben Dalgaard), ursprünglich ein Koch, der eben erst aus dem Knast entlassen wurde. Auch Dion steht mächtig unter Druck: Er wird von dem skrupellosen Mafiaboss mit dem gleichermaßen verharmlosenden wie furchterregenden Decknamen "Zahnfee" gejagt. Um besser untertauchen zu können, versteckt sich der Freund im Chaos-Haushalt von Thomas – unbemerkt beschattet von einem suspendierten Kommissar namens Berggreen (Peter Gantzler), mit dem Dion eine ungewöhnliche Verbindung zusammengebracht hat: Berggreens Tochter war die Gefängniswächterin des Inhaftierten. Doch dann spucken Thomas, Dion und auch Niklas doch in die Hände: Sie wollen den alten Restaurant-Plan zum Leben erwecken – auch aus Tarnzwecken.

Kernige Darsteller, schwarzer Humor und tiefe Gefühle

Wie man es als Kenner von dänischen TV-Stoffen – herausragendes Musterbeispiele sind die Serien "Kommissarin Lund" oder die Politikintrigen von "Borgen" – schätzen gelernt hat, verbindet auch die serielle Tragikomödie "Helden am Herd" kernige Darstellerleistungen in einem Ensemble an skurrilen Charakteren, viel schwarzen Humor, tiefe Gefühle und den unbedingten Willen, sich auch in der Hoffnungslosigkeit gegen viele Widerstände zu behaupten. Der dichte Stoff (Drehbuchautor: Kim Fupz Aakeson), der sich über acht Serienepisoden erstreckt, imponierte schon früh auch dem Ausland: Unter dem Titel "Feed the Beast" spielten der frühere "Friends"-Star David Schwimmer und Jim Sturgess die zwei ungleichen Freunde in einem US-Serien-Remake.

Der zweite Block mit den abschließenden vier "Helden am Herd"-Folgen wird am Donnerstag, 7. September, ebenfalls ab 20.15 Uhr, bei ARTE ausgestrahlt.


Quelle: teleschau – der Mediendienst