Der spanische Meisterregisseur Pedro Almodóvar verarbeitet das Thema Verlust in dem bewegenden Drama "Julieta" (2016).

Mit "Julieta" (2016, nun bei ARTE in einer Free-TV-Premiere zu sehen) kehrt Pedro Almodóvar zurück zu seinem Lieblingsthema "Frauen" und zu seiner Kunst, tiefe Gefühle eindrücklich zu erkunden. Auf emotionaler Ebene begeistert der Film, den der spanische Meisterregisseur ("Alles über meine Mutter", "Volver") als Drama und nicht als Melodram mit überhöhten Charakteren angelegt hat – ein Konglomerat aus seinen vergangenen Filmen mit weiblichen Hauptfiguren. Und doch wirkt Julieta im Vergleich zu früheren Heldinnen ausgezehrt und erschöpft vom Leben. Es herrscht ein neuer tieftrauriger Unterton, den man in Almodóvars Werken bislang so nicht kannte.

Welche besondere Bande zwischen Müttern und Kindern besteht und wie Eltern mit erwachsenem Nachwuchs umgehen – dieses Thema steht in "Julieta" im Mittelpunkt. Die titelgebende Hauptfigur lernt der Zuschauer als eine Frau um die 50 kennen, die mitten im Leben zu stehen scheint. Wir sehen sie beim Kistenpacken, denn sie will mit ihrem Lebensgefährten von Madrid nach Portugal ziehen. Eine Zufallsbegegnung auf der Straße erinnert sie jedoch an einen Schmerz, den sie tief in sich vergraben hatte und von dem auch ihr jetziger Partner nichts ahnt.

Sie bricht allen Kontakt ab, zieht sich zurück und beginnt ihre Erinnerungen aufzuschreiben, in der Hoffnung damit ihrer für sie verlorenen Tochter wieder näherzukommen. Als junge Erwachsene verließ diese sie ohne ein Wort und meldete sich nie wieder. Nach und nach enthüllt der Film, was geschah, zeigt die inneren Verletzungen, die Julieta zugefügt wurden, die aber auch sie zugefügt hat. Und doch bleibt das Verhalten der Tochter am Ende immer noch rätselhaft. Almodóvar erinnert uns, dass man nie davon ausgehen kann, einen Menschen wirklich zu kennen.

"Julieta" beschreibt emotional tief berührend die Verlorenheit einer Frau, die mit Verlust nicht umgehen kann. Almodovár ließ sich von den Erzählungen der kanadischen Nobelpreisträgerin Alice Munro inspirieren und interpretierte sie im Kontext Spaniens. Die Familie – so seine Erfahrung – könne in seinem Heimatland niemand einfach so hinter sich lassen und Mütter seien völlig überrumpelt, wenn Töchter sich lossagten. In "Julieta" spielt der Meister der Gefühlsdramen klar und kompromisslos durch, was passiert, wenn sie es doch tun.


Quelle: teleschau – der Mediendienst