Bin ich, vorzugsweise Frau, verrückt? Oder führt meine Umwelt, die mich ständig zu beruhigen versucht, tatsächlich Dunkles im Schilde? Es ist ein Topos so alt wie das Genre des Psychothrillers selbst, was einem "Kalt ist die Angst" (2017, jetzt erneut zu sehen) da serviert.

Claire Heller (Caroline Peters, "Mord mit Aussicht") wünschte sich immer ein Kind mit Ehemann David (Hans-Werner Meyer), doch es hat nicht sollen sein. Nun ist der Topmanager einem plötzlichen Herztod auf dem Bürostuhl erlegen. Claire, die in der Vergangenheit mit psychischen Erkrankungen zu kämpfen hatte, beginnt nach dem Tod ihres Mannes, die Merkwürdigkeiten seines Verschwindens zu untersuchen. Welches Spiel betreiben der väterliche Freund (Rudolf Kowalski), ein verdächtig schauender Sicherheitsmann (Christoph Maria Herbst) sowie die langsam sprechende Ärztin (Anke Sevenich)?

Grundsätzlich ist nichts dagegen einzuwenden, wenn oft gesehene Thriller-Themen geschickt neu aufgelegt oder variiert werden. Leider ist diese Finesse weder im Drehbuch Martin Douvens noch in der Regie Berno Kürtens ("Tiere bis unters Dach") zu spüren. Die krude Story wirkt in sämtlichen Szenen und Wendungen recycelt, die Figuren sind arg von der Stange. Und in der Ausführung? Da schauen selbst renommierte Mimen wie Christoph Maria Herbst ("Stromberg") oder Rudolf Kowalski ("Stolberg") in vielen Szenen so verdächtig, als wären sie Teil einer Edgar-Wallace-Parodie.

Wenn die Verdachtsmomente Claire Hellers im zweiten Teil des Films die Form von Suspense- und Action-Szenen annehmen, wirken diese so ungelenk, als würde eine Laienspiel-Truppe performen. Befeuert wird der ARD-Mumpitz von geradezu unerträglicher Spannungsmusik (Maurus Römer), die dem Zuschauer jede in einer Szene angedachte Emotion überlaut und mehr als deutlich aufs Brot schmiert.

Dass sich Martin Douven bessere Geschichten ausdenken kann, bewies der Autor mit dem Film "Bloch: Verfolgt". Es war die Geschichte einer Frau (Viktoria Trautmannsdorf), die zur Stalkerin ihres Psychotherapeuten wird – ein Höhepunkt der famosen Reihe mit dem schmerzlich vermissten Dieter Pfaff. Der "Bloch"-Film von 2010 hatte ganz nebenbei all das, was diesem Psychothriller nun fehlt: eine gruselige Ambivalenz zwischen Komik und Bedrohlichkeit, verführerisch-ambivalente Charaktere und überraschende Plot-Wendungen.

Zu bedauern ist in "Kalt ist die Angst" Hauptdarstellerin Caroline Peters, die ihre Sache noch vergleichsweise gut macht. Wie der C-Thriller 2017 – und nun erneut in der Wiederholung – auf dem exponierten Samstags-Sendeplatz der ARD landete, ist rätselhaft. Am Donnerstagabend beispielsweise, wo viel klischeehaftes Kriminalfernsehen läuft, wäre das Ganze immerhin nicht so aufgefallen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst