"Ich bin immer authentisch in allem, was ich mache", erklärt ein extrem selbstbewusster Kay One im Interview zu seinem neuen Album. Er bereut offenbar nichts – nur bei den "Frauengeschichten" sei er inzwischen etwas "entspannter" als früher.

Kay One ist ein Zielgruppenvereiniger: Unter Mallorca-Urlaubern, "DSDS"-Zuschauern und Rap-Fans ist man sich vermutlich gleichermaßen uneins, ob seine Musik doof ist oder ob sie super zum Partymachen taugt. Das letzte TV-Format, an dem er mitwirkte ("Kay One – Sängerin gesucht", RTL II), liegt nun aber zwei schon Jahre zurück. Ein guter Zeitpunkt, sich erneut als Musiker zu beweisen. Der Titel des neuen Albums "Makers Gonna Make" klingt programmatisch. Kay One (aka Prince Kay One, eigentlich Kenneth Glöckler) ist einer, der einfach mal macht und später nachdenkt. Das bringt dem 33-Jährigen viele Klicks und viele verkaufte Einheiten ein, wie er gerne betont. Weil das Interview leider nicht persönlich geführt werden kann, muss er am Telefon erst einmal das Bild vervollständigen.

prisma: Haben Sie gerade eine Sonnenbrille auf?

Kay One: Nein. Ich trage die inzwischen eigentlich nur noch bei Videodrehs und privat kaum noch.

prisma: Also eher ein Style-Merkmal als Schutz der Privatsphäre?

Kay One: Das ist eher unabsichtlich zu einem Markenzeichen geworden. Irgendwann hatte ich keinen Bock mehr, ständig Sonnenbrille zu tragen. Es wirkt auch ignorant und unpersönlich, wenn man sich unterhält.

prisma: Viele Rapper verspüren im Streaming-Zeitalter gar nicht mehr das Bedürfnis, ein klassisches Album zu produzieren. Auch Sie hatten im letzten Jahr erfolgreiche Singles wie "Louis Louis" und "Senorita". Wieso nun trotzdem ein Album?

Kay One: Mir ist es persönlich wichtig, eine Stange an Tracks zu produzieren, in denen ich den Fans meine ganze Bandbreite präsentieren kann. Wenn man ein ganzes Album hört, ob zu Hause oder im Auto, verbringt man mehr Zeit mit mir und beschäftigt sich mehr mit mir. Gerade einen modernen Rapper macht es meiner Meinung nach aus, dass er nicht nur Party-Tracks oder Battle-Tracks oder tiefgründige Tracks machen, sondern all das bedienen kann. Genau das ist mir mit diesem Album gut gelungen. Deshalb hat es auch so viel Zeit gekostet. Die erwähnten Singles sind schon ein Jahr alt, weil ich damals schon begonnen habe, an diesem Album zu arbeiten.

prisma: Das Erwähnen von Modemarken ist für Sie schon früh typisch gewesen und heute sehr gängig im deutschen Rap. Sind Sie ein Vorreiter?

Kay One: Man kann sagen, dass ich das patentiert habe. Ich habe schon damals auf meinen ersten Alben "Kenneth allein zu Haus" und "Prince Of Belvedair" von Gucci und Dior gerappt. Es ist cool zu sehen, dass sich das breitgemacht hat. Als Vorreiter würde ich mich trotzdem nicht bezeichnen, weil ich das ja auch nur von den Amis abgeguckt habe.

prisma: Für das neue Album haben Sie vorab "die brutalsten Club-Banger und die heftigsten Punchlines & Flows" angekündigt. Ihr letztes Album "Der Junge von damals" hatte dagegen viele introspektive Momente. Haben Sie bewusst entschieden, jetzt wieder eine andere Seite zu zeigen?

Kay One: Das passiert immer spontan. Ich überlege mir nicht, ob ein persönliches oder ein Party-Album entstehen soll, bevor ich ins Studio gehe. Diesmal war ich einfach überwiegend gut drauf und hatte Lust auf positive Vibes. Deshalb ist ein Album entstanden, das ich als motivierend beschreiben würde. Ich mache mir aber nie Gedanken über einen roten Faden, sondern mache einfach das, worauf ich Lust habe. Als "Der Junge von damals" entstanden ist, war ich vermutlich nachdenklicher drauf.

prisma: Es ist interessant, dass Sie stets diesen intuitiven Aspekt betonen, obwohl Ihre Singles so eingängig und kommerziell klingen. Pop-Musik, EDM und Schlager scheinen tatsächlich Ihrem persönlichen Musikgeschmack zu entsprechen.

Kay One: Klar sind "Louis Louis" oder "Senorita" kommerziellere Titel. Die bin ich aber auch nicht mit dem Ziel angegangen, erfolgreiche Singles zu produzieren. Ich bin im Studio und höre spanische Gitarrenakkorde. Oder ich telefoniere mit Dieter Bohlen, und er schlägt vor, einen seiner Songs neu zu bearbeiten. Dann setze ich mich mit meinem Produzenten Stard Ova hin, und wir legen los. Wenn ich aber schlecht drauf bin, suche ich mir Akkorde raus, die traurig klingen, und fange an zu schreiben – dann entsteht ein tiefsinniger Song. Es entsteht immer aus der Laune heraus und nicht mit dem Grundgedanken, einen Hit zu landen.

prisma: In einem Video-Blog zum Album auf Ihrem YouTube-Kanal sieht man Sie mit Produzent Stard Ova auf Mallorca am Pool sitzen. Ist das die Atmosphäre, in der Sie gut arbeiten können?

Kay One: Bei mir ist es so: Ob ich im Pool chille oder im Hotelzimmer oder gerade in die Stadt fahre, mir kommen ständig Melodien in den Kopf. Wenn Stard Ova dann gerade nicht bei mir ist, fahre ich rechts ran, schicke ihm eine Voice-Message, und er beginnt zu basteln. Der kreative Prozess ist wirklich ununterbrochen im Gange.

prisma: Stört es Sie, dass Sie seit der TV-Karriere eher in Boulevard-Medien stattfinden als in Musikmagazinen?

Kay One: Das ist normal. Die Yellow Press interessiert sich natürlich mehr für irgendwelche Skandale als für den, der ich wirklich bin. Das ist aber deren Job, so wie es mein Job ist, auch Musik abzuliefern. Nach fünf Top-10-Alben und über 300 Millionen YouTube-Views und Gold und Platin habe ich es nicht mehr nötig, für Skandale zu sorgen, nur damit die über mich schreiben. Ich habe Fans, die mich supporten. Ich kann es denen aber auch nicht übel nehmen, wenn sie sich dann Schlagzeilen ausdenken.

prisma: Bemerken Sie denn, dass unter Ihren Fans viele Menschen sind, die Sie als "DSDS"-Juror kennengelernt haben und mit Deutschrap wenig am Hut haben?

Kay One: Klar. Fans müssen ja nicht aus der HipHop-Kultur kommen. Die sollen aus allen Richtungen kommen. Deshalb finde ich es auch nicht verwerflich, dass ich bei "DSDS" war. Im Gegenteil: Das hat mir neue Hörer gebracht, und wenn sich noch mehr Leute an der Musik erfreuen, dann ist das immer gut. Das ist es doch, was jeder Musiker will. Ich habe einfach nur neue Kanäle genutzt, um Menschen zu erreichen und meine Musik teilen zu können.

prisma: Lassen Sie uns über das Altern im Rap-Geschäft sprechen. Sie haben mehrfach gesagt, dass der Charakter Kay One vielleicht mit 35 nicht mehr funktioniert. Von diesem Alter sind Sie nun nicht mehr weit entfernt. Hat sich Ihre Einstellung geändert?

Kay One: Es macht mir halt noch Spaß. Ich sage aber immer noch, ich werde das nicht ewig machen. Mit 40 noch den volltätowierten Rapper zu geben, das geht dann einfach nicht mehr. Irgendwann hat man auch das Gefühl, dass man genug gemacht hat.

prisma: Gerade im Rap-Geschäft scheint es schwer, gut zu altern, weil der Begriff der Authentizität so hoch gehängt wird. Mit der Zeit zu gehen und gleichzeitig authentisch zu bleiben, gelingt nicht vielen deutschen Rappern.

Kay One: Ich bin immer authentisch in allem, was ich mache. Ich bin aber natürlich auch reifer geworden. Ich bin nicht mehr der wilde Playboy. Aber egal, ob ich in Kitzbühel bin oder auf Ibiza und auf dem Album gerade diesen oder jenen Style fahre: Das bin alles ich, und das lebe ich auch. Nur was die Frauengeschichten betrifft, bin ich etwas entspannter geworden. Ich bin nicht mehr der junge Typ, der sich etwas beweisen muss.


Quelle: teleschau – der Mediendienst