Nach ihren Erfolgen im Theater ist Schauspielerin nun endgültig auch im TV angekommen. Sie ist das Gesicht der neuen ARD-Primetimereihe "Reiterhof Wildenstein".

Im Theater hat Klara Deutschmann schon lange Fuß gefasst, nun ist die 30-jährige Tochter von Schauspieler Heikko Deutschmann auf bestem Wege, in eine veritable TV-Karriere durchzustarten. Nach ihren Rollen in "Charité" oder "Hubert und Staller" ist die Frau mit der auffälligen Lockenmähne ohnehin keine Unbekannte mehr. Und nun folgt der ganz große Wurf. In der ARD-Degeto-Reihe "Reiterhof Wildenstein" (erster Teil: Freitag, 10. Mai, 20.15 Uhr; zweiter Teil: 17. Mai, 20.15 Uhr) spielt sie die Pferdeflüsterin Rike, die nach 13 Jahren im Ausland wieder zu ihrer Familie zurückkehrt. Auch privat verbringt die gerne ihre Zeit mit Tieren. Doch nicht nur bei diesem Thema kommt der sympathische Wirbelwind ins Plaudern ...

prisma: Sie waren schon in vielen deutschen Städten heimisch: Sie sind in Hamburg geboren, haben in Leipzig studiert, hatten Engagements in Düsseldorf und Hannover und wohnen aktuell in Berlin. Welche Stadt ist die schönste?

Klara Deutschmann: Schwierige Frage. Zum einen bemisst sich das sehr an den Menschen, mit denen man zusammen ist. Da im Moment der Großteil meiner Familie und Freunde in Berlin sind, ist Berlin ein schöner Ort für mich. Zum anderen finde ich, dass die unterschiedlichen Städte alle ihre Vorzüge haben. In München zum Beispiel ist es großartig, dass man die Berge vor der Tür hat und es im Winter richtig knackig kalt wird. In Hamburg wiederum regnet es einen Dauer-Niesel, der mir aber auch ans Herz gewachsen ist.

prisma: Könnten Sie sich vorstellen, woanders zu wohnen?

Deutschmann: Immer. Ich glaube, das geht mit dem Beruf einher. Ich bin ganz froh darum, dass ich mich relativ schnell in einer neuen Umgebung zurechtfinden kann und es für mich nicht so schlimm ist, wenn es mich mal woanders hin verschlägt.

prisma: Für "Hubert und Staller" waren Sie eine Zeit lang in München. Warum sind Sie aus der Serie ausgestiegen?

Deutschmann: Neben den intensiven und langen Dreharbeiten waren andere Projekte, wie Theaterproduktionen oder größere Filmrollen, schwierig umzusetzen. Ich habe 17 Fälle mitermittelt. Mit dem großen 90-Minüter am Schluss war die Sache schön rund.

prisma: Wie war die Reaktion der eingefleischten "Hubert und Staller"-Fangemeinde auf Ihren Ausstieg?

Deutschmann: Es wird ja viel in den sozialen Medien kommuniziert, allerdings bekomme ich das nicht so mit, weil ich da nicht viel unterwegs bin. Aber es wurde mir erzählt, dass die Fans ein bisschen traurig waren. Das ist ein großes Kompliment für mich. Für mich war es natürlich auch sehr schade, das Team zu verlassen.

prisma: Könnten Sie es sich vorstellen, zu "Hubert und Staller" zurückzukehren?

Deutschmann: Och, vielleicht komm' ich noch mal vorbei, das kann ich mir schon vorstellen. Ich finde es schön, dass auch "Hubert ohne Staller" so gut funktioniert und dass sie den Mut hatten, die ganze Struktur des Formats umzukrempeln.

prisma: Mit "Staller" Helmfried von Lüttichau haben Sie nun auch die "Reiterhof Wildenstein"-Filme in der Gegend am Starnberger See gedreht ...

Deutschmann: Ja, diese Gegend ist landschaftlich sehr bestechend. Wir haben auf mehreren Höfen gedreht, die jetzt im Film zu einem geworden sind, ich bin also viel in der ganzen Gegend rumgekommen. Diese Mischung aus Landschaft, Dorf und Stadt kannte ich noch nicht. Das hat mir wirklich sehr gut gefallen. Dann war der letzte Sommer auch noch so heiß, ich bin fast jeden Tag nach dem Drehen in den See gesprungen.

prisma: Sie arbeiten in den "Reiterhof Wildenstein"-Filmen mit Pferden. Welche Erfahrungen haben Sie persönlich mit den Tieren?

Deutschmann: Ich bin mit Pferden aufgewachsen. Mit etwa sechs Jahren habe ich angefangen zu voltigieren, dann hatte ich eine Reitbeteiligung und Unterricht bekommen. Vor unserem Umzug bin ich klassisch ausgebildet worden, danach hatte ich eine Reitlehrerin, die einen alternativen Reitstil hatte, so wie es Rike im Film erzählt. Daher kannte ich die Thematik schon ein wenig. Immer, wenn ich im Urlaub bin oder die Möglichkeit habe, zu reiten, steige ich wieder auf. Für den Film hatte ich bestimmt zwei Monate regelmäßig Unterricht und habe das Selbstverständnis im Umgang mit den Tieren aufgefrischt.

prisma: Wie war der Umgang mit den Pferden?

Deutschmann: Unterschiedlich. Sie sind natürlich toll, weil sie ihren eigenen Kopf haben. Sie können noch so gut trainiert sein, es sind einfach Flucht- und Herdentiere und machen für uns manchmal sehr unnachvollziehbare Dinge. Man hat beim Dreh also immer etwas zu tun, fernab von dem, was gerade in der Szene verhandelt wird. Dadurch entsteht aber auch eine ganz andere Natürlichkeit und Spontaneität in den Szenen. Es war aber auch nicht immer einfach. Manche Szenen dauern dreimal so lang wie sonst, bis sie richtig abgedreht sind.

prisma: Würden Sie sich generell als Tiermensch bezeichnen?

Deutschmann: Ja, ich glaube schon. Wir hatten zwei Hunde und eine Katze. Tiere können mich auf eine sehr besondere Art und Weise erden. Man kann auf Tiere nicht die üblichen Kommunikationsformen anwenden. Das finde ich gerade für Kinder eine wichtige Erfahrung. Ich bin froh, dass ich mit den Tieren so aufgewachsen bin. Ich glaube, dass es das Soziale sehr stärken kann.

prisma: Rike ist extrem selbstbewusst, sie weiß genau was sie will. Sind Sie ihr ähnlich?

Deutschmann: Ja. Die größte Schnittmenge ist die Leidenschaft, für etwas zu brennen. Etwas umsetzen zu können, weil es einem so sehr am Herzen liegt. Ich mag an Rike, dass sie mit den Hörnern durch die Wand läuft und manchmal ein bisschen über das Ziel hinausschießt. Ich finde das durchaus charmant.

prisma: Rike sieht nach 13 Jahren ihre Jugendliebe wieder, und es dauert nicht lange, bis es wieder kribbelt bei den beiden. Können Sie das nachvollziehen?

Deutschmann: Es ist mir zwar selbst nicht passiert, aber ich kann es nachvollziehen, dass der Kopf etwas anderes sagt als das Herz, oder dass man pragmatisch sagt, bestimmte Dinge gehen nicht und dann doch alles über den Haufen wirft.

prisma: Rike setzt sich für sanfte Reitmethoden ein. Was geht da in Ihnen vor, wenn Sie jemanden sehen, der schlecht mit Tieren umgeht?

Deutschmann: Es ist wichtig zu differenzieren. Oft herrscht das Missverständnis, dass Sporen und Gerte per se etwas mit Gewalt zu tun haben. Das ist nicht der Fall. Es wird auch in der sanften Reitmethode viel mit Peitschen und Gerten gearbeitet. Da geht es darum, die Richtung anzuweisen und zu sensibilisieren. Da wird natürlich nicht geschlagen. Auch Sporen sind nicht dazu da, dem Pferd wehzutun, sondern eigentlich im Gegenteil ganz präzise Punkte zu treffen, die man mit dem ganzen Bein nicht treffen würde. Das ist legitim und auch richtig. Aber alles was mit Tierquälerei zu tun hat, finde ich ganz schrecklich und verurteile ich vollkommen. Da zieht sich mir der Magen zusammen.

prisma: Warum, glauben Sie, werden manche Tiere so gequält?

Deutschmann: Zum einen herrscht oft großer Druck bei den Menschen, vor allem wenn viel Geld im Spiel ist und eine hohe Klasse an Spitzensport erreicht ist. Das ist auch in anderen Sportarten so, da hängen Existenzen dran. Aber deswegen ist es noch lange nicht legitim, Tiere zu quälen. Zum anderen glaube ich, dass manche Menschen, die nicht mit sich im Reinen sind, ihre Wut lieber auf etwas anderes übertragen und einen Sündenbock suchen, als sich einzugestehen, dass sie selbst falsch liegen.

prisma: Sie sind in einer Schauspielerfamilie aufgewachsen. War es schon immer klar, dass Sie Schauspielerin werden wollen?

Deutschmann: Nein, überhaupt nicht. Aber das Thema war natürlich präsent. Ich bin mit Gesprächen über Theater, Filme, Inhalte, Figuren und Menschen aufgewachsen, aber das hat nicht dazu geführt, dass für mich klar war, das muss es auch für mich werden. Es war immer ein möglicher Weg, aber es gab auch andere.

prisma: Zum Beispiel?

Deutschmann: Ich habe mich, nachdem ich im Ausland war, neben den Schauspielschulen auch für Psychologie beworben.

prisma: Haben Ihre Eltern Sie bei der Schauspielerei unterstützt?

Deutschmann: Diese Gespräche haben wir auf jeden Fall offen geführt. Ich weiß, welche Höhen und Tiefen dieser Beruf hat. Meine Eltern haben mich immer in alle Richtungen unterstützt.

prisma: Haben Ihre Eltern versucht, Ihnen etwas mitzugeben hinsichtlich der Schauspielerei?

Deutschmann: Nein, ich glaube in der Schauspielerei tatsächlich nicht, da macht jeder seins. Sie haben mir viel mitgegeben, aber da geht es mehr um eine Art zu denken und zu kommunizieren.

prisma: Rike hat im Film Nägel mit Köpfen gemacht, ist ausgewandert und hat sich woanders ein neues Leben aufgebaut. Könnten Sie sich das auch vorstellen?

Deutschmann: Naja, ihr Beweggrund war ja, dass sie mit ihrer Familie gebrochen hat. Diese Entscheidung würde ich so nicht treffen. Aber ins Ausland zu gehen, weil mich zum Beispiel der Beruf dahin verschlägt, das kann ich mir durchaus vorstellen.

prisma: Sie lebten schon ein Jahr in Australien und haben dort "Work and Travel" gemacht ...

Deutschmann: Ja, das hat viel mit meinem Selbstbewusstsein gemacht, weil man auf sich alleine gestellt und ein bisschen seines eigenen Glückes Schmied war. Es war bereichernd, nach der langen Schulzeit, wo man am Schreibtisch sitzt und lernt, zu merken, welches Wissen man jetzt im Gepäck hat. Außerdem war es toll, den ganzen Tag auf dem Feld zu sein, Gemüse zu ernten und am Abend so viel Geld zu bekommen, wie die Tagesarbeit wert war.

prisma: Sie feierten vor kurzem Ihren 30. Geburtstag. Ist das ein neuer Lebensabschnitt für Sie?

Deutschmann: Nö. Ich habe überhaupt kein Problem mit dieser 30. Ich kann ehrlich gesagt jeder Lebensphase etwas abgewinnen, die ich bis jetzt erlebt habe. Mit 30 ist man einfach noch mal erwachsener als in den 20ern. Man ist mit anderen Themen konfrontiert und wird anders ernst genommen. Ich bin gerade in einem super Alter. Ich kann schon auf etwas zurückgucken und ich weiß, dass noch was kommen wird. Ich bin so mittendrin, das finde ich ganz toll. Ich bin froh, dass ich nicht mehr 19 bin.

prisma: Als Schauspielerin sind Sie nun in der Primetime angekommen. War "Charité" 2017 eine Art Sprungbrett für Ihre Karriere?

Deutschmann: Ich glaube, ja. Es ist natürlich schwer, rückblickend zu sagen, wo der Punkt war. Bis zu "Charité" war ich fest am Theater, ja. Ich bin sehr dankbar, dass Sönke Wortmann mich dort für "Charité" entdeckt hat.

prisma: Beim Bundesverband Schauspiel sind Sie Repräsentantin für das Ressort Gleichstellung und Bühne. Wie sind Sie zu dieser Aufgabe gekommen?

Deutschmann: Schon in meinem Erst-Engagement in Düsseldorf habe ich mich viel mit Gerechtigkeit und Gleichstellung am Theater beschäftigt. Aber alleine hat man wenig Hebel in der Hand. Die weiten Wege und auch die Machtstrukturen machen es nicht leicht, etwas zu verändern. Die Hierarchien sind schwer zu durchdringen. Dann habe ich Michael Brandner bei "Hubert und Staller" kennengelernt, er war damals Vorsitzender vom Bundesverband Schauspiel. Wir haben viel gesprochen über Themen, die uns im Beruf umtreiben, aber auch über die Stellung der Frau in unserer Gesellschaft oder über politische Veränderungen in Europa. Als es Neuwahlen beim BFFS gab, habe ich entschieden, mich zur Wahl aufstellen zu lassen.

prisma: Was ist Ihre Hauptaufgabe?

Deutschmann: Im letzten Jahr ist zum Beispiel die Vertrauensstelle Themis eingerichtet worden. An diese können sich Menschen wenden, die im Beruf Belästigung oder Übergriffigkeit erfahren haben. Dort gibt es die Möglichkeit, sich Hilfe zu holen, Gespräche zu führen und Unterstützung zu bekommen, auch bezüglich des Rechtsschutzes. Das war ein Riesenerfolg. Außerdem versuche ich, mich mit Theaterschaffenden zu treffen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Wo wollen wir hin? Womit geht es euch gut? Womit nicht? Wie können wir konstruktiv damit umgehen? Es liegt mir auch sehr die Vereinbarkeit von Beruf und Familie am Herzen. Wie geht das, wenn man alleinerziehend ist? Wie kommt man über die Runden? Wer kann die Kinder nehmen, wenn man dreht? Können wir uns miteinander vernetzen, um stärker zu werden? Es sind viele Themen, die da zusammenkommen und die ich sehr spannend finde.


Quelle: teleschau – der Mediendienst