Die britische Mini-Serie "Loch Ness" überzeugt mit tollen Aufnahmen der schottischen Landschaft und mit einem verzwickten Kriminalfall.

Eine Schrift aus dem Jahr 565 beschreibt zum ersten Mal ein Monster, das aus dem schottischen See Loch Ness kam und die Menschen bedrohte. Von da an häuften sich die Sichtungen des Seeungeheuers, und der Mythos lebt noch heute: Da wären nicht nur zahlreiche Verschwörungstheorien, sondern auch eine Webcam, die den See live ins Netz überträgt. Und natürlich sind da auch die Touristen, die immer noch nach in den Norden der Insel reisen, um möglichst selbst das sagenumwobene Tier zu entdecken.

Auch die britische Mini-Serie "Loch Ness" (ab Mittwoch, 6. September, 20.13 Uhr, 13th Street) ist an diesem Gewässer angelegt und bedient sich ab und an der schaurig-schönen Geschichte des Ungeheuers. Doch das einzige Monster weit und breit lebt hier nicht Unterwasser, sondern es ist inmitten der Gesellschaft verankert. Die spannende Suche nach einem Serienkiller beginnt.

Der Leiche fehlt ein Stück vom Gehirn

"Was glaubst du, was das Monster gerade macht?", fragt Annie (Laura Fraser) ihren Mann, während sie auf das ruhige Wasser blicken. "Naja, es ist nachtaktiv, es macht sich wahrscheinlich gerade bereit für die Jagd", erwidert der. Dann lachen sie. Loch Ness ist die Heimat der Polizistin und des Touristen-Boot-Fahrers, der Wahnsinn um das Monster ist für sie Alltag – und absolut nicht mehr als ein Witz.

Das ändert sich, als unglaubliche Morde in der kleinen Ortschaft am Rande des Sees geschehen: Es sieht so aus, als wäre ein Mann von einer Klippe gestürzt und verunglückt, doch der Leiche fehlt ein Stück vom Gehirn. Das taucht kurze Zeit später in einer Plastiktüte auf. Ein jugendlicher verschwindet wie vom Erdboden verschluckt. Und dann wäre da noch ein menschliches Herz, zu dem jede Spur eines Leichnams fehlt.

Annie ermittelt im Team von DCI Frank Smilie (John Sessions) und DCI Lauren Quigley (Siobhan Finneran), die zusammen versuchen, den Mörder mit allen erdenklichen Mitteln zu durchschauen. Das allerdings ist schwerer als gedacht, denn jeder in dem kleinen Dorf hat seine Geheimnisse, und ein dunkles Hinterzimmer im Haus scheint normal zu sein. Zunehmend häufen sich die Theorien und schließlich auch die Verdächtigen.

Raffiniert platzierte Cliffhanger

Anfangs schwimmt der Zuschauer in einem Meer aus Namen, Figuren und ihren Beziehungen zueinander, sodass er durchaus Schwierigkeiten hat, alles auf Anhieb zu verstehen. Die zahlreichen Handlungsstränge, deren Zusammenhang oft nicht gleich ersichtlich ist, tragen zur Verwirrung bei. Letztlich bleibt es aber eine Krimiserie, die ein klar formuliertes Ziel hat: Der Mörder muss gefunden werden. Schon während der ersten Folge baut sich reichlich Spannung auf, die auch im Weiteren durch raffiniert platzierte Cliffhanger und dauernd neue Entdeckungen erhalten bleibt. Sehnsüchtig wartet der Zuschauer darauf, dass sich die Puzzleteile immer weiter zusammenfügen, bis sie am Ende der sechsteiligen Serie ein logisches Bild ergeben.

Mit tollen Landschaftsaufnahmen, die meist einen stürmischen Himmel und den dunklen See zeigen, wird zwar jegliches Klischee über Schottland bedient, aber gleichzeitig reist die perfekt inszenierte unheilschwangere Stimmung das Publikum in seinen Bann. Die Atmosphäre wird von Kamerafahrten über oder auch in das dunkle Wasser des Sees raffiniert abgerundet.


Quelle: teleschau – der Mediendienst