ZDF-Krimi

"Nachtschicht – Ladies First": Jürgen Vogel als Mario-Barth-Verschnitt

von Sven Hauberg

Nach dem Mord am Kumpel eines Star-Comedians wühlt sich das "Nachtschicht"-Team sympathisch-dilettantisch durch den Fall, der immer komplizierter wird. Auch wenn die Handlung teilweise ziemlich hanebüchen ist, weiß der ZDF-Krimi von 2017 zu unterhalten.

ZDF
Nachtschicht – Ladies First
Kriminalfilm • 08.06.2020 • 20:15 Uhr

Wenn Lars Becker ruft, kommen sie alle: Für seine mitunter ziemlich bizarre Krimireihe "Nachtschicht" hat der Regisseur und Autor in den vergangenen Jahren eine erlesene Auswahl deutschsprachiger Schauspielprominenz vor der Kamera versammeln können – zuletzt Anfang Mai für den aktuellsten Teil der Reihe unter dem Titel "Cash & Carry". Das war auch 2017 in "Ladies First", Film Nummer 14 der 2003 gestarteten Reihe, nicht anders: Jürgen Vogel, Henry Hübchen und eine wie immer großartig aufspielende Nora von Waldstätten bevölkern diesen Film, dem man gerne verzeiht, dass er sich etwas zu sehr auf die Wirkung des Moments verlässt und den Zuschauer mit einer hanebüchenen Handlung überfährt. Das Zweite wiederholt den Film nun zur Montags-Primetime.

Es passiert einiges in diesen 90 Filmminuten, nur wirken die einzelnen Handlungsstränge, die am Ende mühsam vom Zuschauer zu einem großen Ganzen zusammengesetzt werden müssen, bisweilen arg an den Haaren herbeigezogen. Jürgen Vogel schlüpft in "Ladies First" in eine Rolle, in die er auf den ersten Blick so gar nicht passen mag, in die eines Star-Comedians nämlich. In Mario-Barth-Manier steht er als Jacky Herbst auf den Comedy-Bühnen der Republik und reißt zotige "Männer hören nicht zu, Frauen parken schlecht ein"-Witze. Hinter dem Grinsegesicht verbirgt sich allerdings ein abgebrannter Zyniker, der ums finanzielle Überleben kämpft.

HALLO WOCHENENDE!
Noch mehr TV- und Streaming-Tipps, Promi-Interviews und attraktive Gewinnspiele: Zum Start ins Wochenende schicken wir Ihnen jeden Freitag unseren Newsletter aus der Redaktion.

Zu Beginn des Films rast dieser Komiker für Arme mit seinem schicken Ferrari nachts in ein anderes Auto. Verletzt wird niemand, Jacky Herbst aber beteuert, auf seinen Wagen sei geschossen worden. Hauptkommissar Erichsen (Armin Rohde), der wie immer die Nachtschicht des Kriminaldauerdienstes schiebt, erscheint samt Kollegen am Unfallort. Selbstverständlich will er die seltsam anmutende Geschichte vom angeblichen Heckenschützen nicht glauben. Wie ernst die Lage aber wirklich ist, zeigt sich schon wenige Stunden später: Während Jackys Auftritts in einem Hamburger Club wird Holm Brülls (Anatole Taubman) erschossen, Kumpel des Komikers und sein Beifahrer im Unfallauto.

Dann wird's kompliziert, nicht nur für den Zuschauer, sondern auch für Erichsen und sein Team, das sich zu mittlerweile nachtschlafender Zeit sympathisch-dilettantisch durch einen komplexer werdenden Fall wühlen muss. Während Henry Hübchen als Herbsts Manager seinen Zögling aus dem ganzen Schlamassel raushalten will, betritt Nora von Waldstätten als Krankenschwester Emma die Bühne. Sie macht das wie immer, mit eiskalter Miene und gefrorenem Lächeln.

Und so gesellt sich plötzlich ein zweiter Fall zum ersten. Da es geht um eine Komapatientin auf Emmas Station, einen eifersüchtigen Noch-Ehemann (Sascha Alexander Gersak) und irgendwie auch um Jackys toten Kumpel Holms. Der Kriminaldauerdienst schafft es dann tatsächlich, diese seltsam verbandelten Geschichten zusammenzuführen und zwischendrin noch ausgiebig über die Reeperbahn zu spazieren und so für die nötige Portion Lokalkolorit zu sorgen. Das ist alles bisweilen nur schwer zu durchschauen, aber höchst unterhaltsam. Und das ist doch was, zumal für einen ZDF-Krimi.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
Das könnte Sie auch interessieren