Stellen wir uns einen Film vor, in dem Scarlett Johansson beinahe völlig allein die Hauptrolle spielt. Stellen wir uns des Weiteren vor, dass man sie darin nackt sehen kann, dass sie als nicht-menschliches Wesen mit einem Transporter durch Schottland fährt, Rednecks verführt und diese auf bizarre Weise umbringt. Mancher würde das gern sehen wollen. Trotzdem trauten sich die Verleihe in Deutschland nicht, "Under The Skin" (2013) im Kino zu zeigen. Jetzt wagt sich ARTE und beschert dem Drama seine Free-TV-Premiere.

Die Figur, die Scarlett Johansson in dem experimentelle Arthouse-Stück "Under The Skin" verkörpert, besitzt keinen Namen. Das ist vor allem erstaunlich, weil der außergewöhnlich fotografierte Film diese unnahbare, pragmatische Gestalt mit ihren neugierig-unmenschlichen Blicken völlig ins Zentrum rückt. Sie fährt in einem alten Transporter durch ein raues und sozial heruntergekommenes Schottland, dessen Landschaften nichts Romantisches verheißen. Vielmehr betonen sie das prekäre Elend zwischen öder Provinzdisco, trinkenden Prollhorden und tristem Arbeitslosendasein nur stärker.

Grandios grotesk

Ihr Blick ist kalt, sie tastet die Menschen ab. Sie lädt Männer ohne Familie verführerisch lächelnd in ihren Wagen ein, gibt ihnen ein Gefühl von Nähe und Eroberung. In Wirklichkeit sind sie jedoch die Eroberten, Opfer eines Wesens, das fremd auf der Erde ist – und scheinbar motivlos, dafür aber umso stilvoller und sanfter tötet. Grandios grotesk, erzählerisch überragend und mit einer Ästhetik von absurder Schönheit und Gewalt, zeigt Regisseur Jonathan Glazers in einem brillanten psychedelischen Kunstwerk, wie Science Fiction, ja wie anspruchsvoller Film überhaupt funktionieren kann.

Hinzukommt die optisch gelungene Umsetzung, die es schafft, die triste landschaftliche Weite mit fast farblosen, kontrastarmen Bildern ebenso wundervoll einzufangen wie die dunkle Enge des städtischen Graus. Scarlett Johansson dient zusätzlich als Publikumsmagnet. Kaum eine andere Schauspielerin ist so gut im Geschäft wie die 32-Jährige. Seit 29. Juni ist der Film "Girls' Night Out" mit ihr in einer Hauptrolle in den deutschen Kinos zu sehen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst