"Kannste Kanzleramt?"

SAT.1 schickt Baerbock, Laschet und Scholz zurück in die Schule

von Christopher Schmitt

Annalena Baerbock, Olaf Scholz und Armin Laschet müssen im Wahlkampf nochmal die Schulbank drücken: In einem Dokutainment-Format dürfen Schulkinder den Kanzlerkandidaten Fragen stellen.

SAT.1
Kannste Kanzleramt? Baerbock, Laschet und Scholz zurück in der Schule
Dokutainment • 09.09.2021 • 20:15 Uhr

Wenn Kinder – wie als Floskel zuhauf bemüht – wirklich die Zukunft sind, scheint es nur fair, wenn sie die Möglichkeit haben, diejenigen auf Herz und Nieren zu testen, welche die Zukunft an der Spitze dieses Landes mitgestalten wollen. Wahlkampfreden sind für Spitzenpolitiker und Spitzenpolitikerinnen wie Annalena Baerbock, Armin Laschet und Olaf Scholz reinste Routine, als erfahrene Polit-Profis wissen sie zudem, kritische Fragen der Presse souverän wegzumoderieren. Im neuen Polit-Dokutainment-Format "Kannste Kanzleramt? Baerbock, Laschet und Scholz zurück in der Schule" auf SAT.1 stellen sich die Kanzlerkandidaten von Union und SPD sowie die Kanzlerkandidatin der Grünen jedoch Fragestellerinnen und Fragestellern, die für entwaffnende Ehrlichkeit bekannt sind: Kinder im Alter von 8 bis 13 Jahren.

Aus ganz Deutschland wurden Kids für ein Kreuzverhör im Klassenzimmer zusammengetrommelt. Ganz recht: Scholz, Baerbock und Laschet treffen nicht irgendwo auf die Wählerinnen und Wähler von morgen, sondern SIE treten eine Reise zurück in die Schule an. Die große Frage lautet, wer kann den Wählerinnen und Wählern von morgen komplexe politische Fragen kindgerecht beantworten und die parteieigenen Ziele näherbringen? Egal, ob es um die Digitalisierung von Schulen, den drängenden Klimaschutz oder Fremdenfeindlichkeit geht: Die Kids wollen Antworten auf Fragen, die ihnen unter den Nägeln brennen – und stellen am Ende für alle ein Zeugnis aus. Erst mal klingt das nach einem Heimspiel und der perfekten Möglichkeit zur Selbstdarstellung für die Anwärterin sowie die Anwärter aufs Kanzleramt.

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Dabei geht es nicht nur um politische und gesellschaftliche Fragen, die größte Fallhöhe wartet woanders. Denn zusätzlich zu den genannten Fragen wird auch klassischer Schulstoff abgefragt. Wie schneidet Annalena Baerbock in Mathe ab, und wie ist es um die Geografie-Kenntnisse von Olaf Scholz bestellt? Vor allem dieser Teil bietet durchaus das Potenzial, sich bis auf die Knochen zu blamieren.

Die Idee mag zunächst ungewöhnlich klingen, doch international ist das Format unter dem Namen "Facing the Classroom" bereits erprobt. So stellten sich bereits namhafte Politikerinnen und Politiker wie Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron sowie die neuseeländische Regierungschefin Jacinda Ardern den Fragen im Klassenzimmer. Nun wagen also Armin Laschet, Olaf Scholz und Annalena Baerbock den Belastungstest. SAT.1-Senderchef Daniel Rosemann erhofft sich von "Kannste Kanzleramt", dass sich die beiden Anwärter sowie die Anwärterin aufs Kanzleramt von einer Seite zeigen, "die wir im normalen Wahlkampf eher selten sehen: nahbar, verständlich und direkt". Man verspricht sich also klare Ansagen statt Polit-Sprech – und im besten Fall kann man sogar noch den Menschen hinter dem Wahlplakat ein wenig besser kennenlernen.

So soll "Kannste Kanzleramt" nicht nur die Kleinen ansprechen, sondern auch die Erwachsenen, die wirklich mit ihrem Kreuz bestimmen, wer Nachfolger respektive Nachfolgerin von Angela Merkel wird. Auf diese Weise lässt sich das Dokutainment-Format durchaus als frisches Experiment verkaufen. Schließlich verlässt man ausgetrampelte Pfade, und vielleicht entlockt ein Kind ja wirklich Armin Laschet oder Olaf Scholz eine bemerkenswerte Aussage.

Nichtsdestotrotz darf man durchaus hinterfragen, ob es in diesem Wahlkampf, der möglicherweise so stark wie nie auf persönlicher Ebene ausgetragen wird, wirklich so ein Dokutainment-Format braucht. Selbstverständlich ist es immer die Frage, wie das Verhältnis zwischen Information und Unterhaltung letztlich ausfällt, zu viel Showcharakter könnte jedoch die Bedeutung der verhandelten Themen konterkarieren. Eine fortschreitende "Amerikanisierung", eine Eventisierung, bei der die Inszenierung die politischen Inhalte Überstrahlt, des Wahlkampfs wurde ohnehin bereits bemängelt. Inwiefern "Kannste Kanzleramt? Baerbock, Laschet und Scholz zurück in der Schule" dazu beiträgt, wird sich zeigen.

Grundsätzlich ist der Auftritt für Laschet, Baerbock und Scholz ein Triell der besonderen Art, wenngleich sie wohl nicht gleichzeitig vor den Kindern stehen werden. Die direkte Konfrontation findet in der Senderfamilie stattdessen am Sonntag, 19. September, um 20.15 Uhr, statt: ProSieben, SAT.1 und Kabel Eins übertragen allesamt das insgesamt dritte Triell im deutschen Fernsehen.

Kannste Kanzleramt? Baerbock, Laschet und Scholz zurück in der Schule – Do. 09.09. – SAT.1: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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