Paul Schrader

Ein versierter Kenner der Branche: Paul Schrader. Vergrößern
Ein versierter Kenner der Branche: Paul Schrader.
Fotoquelle: 360b/Shutterstock.com
Paul Schrader
Geboren: 22.07.1946 in Grand Rapids, Missouri, USA

Der Sohn aus einer streng calvinistischen Familie studiert Theologie und Philosophie am Calvin College, Grand Rapids, an der Columbia Universität sucht er herum, studiert hier ein bisschen, da ein bisschen; später wendet er sich dem Filmstudium an der University of California Los Angeles zu. Während dieses Studiums nimmt er einen Job bei der L. A. free Press an und beginnt Filmkritiken zu schreiben.

Der junge Mann, der nie Filme sah, wird in kürzester Zeit zu einem versierten Kenner der Branche. Überall, wo man als freier Filmkritiker unterkommen kann, ist Schrader zur Stelle. 1972 entsteht sein Buch "Transcendental Style in Film: Ozu, Bresson, Dreyer". Er habe es sich im wahrsten Sinne des Wortes von der Seele geschrieben, sagt Schrader und sein Buch zeichnet sich aus durch eine sehr differenzierte Auseinandersetzung mit der Filmgeschichte unter Berücksichtigung der Theologie aus. "Ich bin als Kind nie ins Kino gegangen, habe mich einfach dafür nicht interessiert. Den ersten Film sah ich mit 17 Jahren. Ich komme also aus einer ganz anderen geistigen Umgebung als die Kollegen und Freunde um mich herum wie Steven Spielberg, Martin Scorsese. Mein Bewusstsein ist geprägt durch die Kirche und den Familienverband", erzählt er.

Schrader ist ein ebenso fleißiger wie genauer Handwerker, gleichzeitig Intellektueller und Philosoph. Er hat sich immer wieder mit Zeitgeschichte und historischen Abläufen beschäftigt und seine Drehbücher zeugen von einer sehr genauen Detailkenntnis, die häufig auf ausführliche Recherchen zurückzuführen sind. Das gilt ganz besonders für das Drehbuch "Taxi Driver", das Martin Scorsese 1976 realisiert, wie für das mit seinem Bruder Leonard Schrader entstandene Buch für Sydney Pollacks "Yakuza". Leonard Schrader lebt in Japan und hat sich mit der Kultur und den sozialen Verhältnissen des Landes genau auseinandergesetzt. Paul Schraders Drehbuch "Deja vu" verfilmt Brian De Palma 1973 unter dem Titel "Schwarzer Engel".

Eine ganz andere, sehr eigenwillige Komponente in Paul Schraders künstlerischer Entwicklung beginnt in dem Moment, wo er selbst als Regisseur in Erscheinung tritt. Beeindruckend schon sein Debüt, der Arbeiter- und Gewerkschafterfilm "Blue Collar - Kampf am Fließband" (1978), so erstaunt die unterschiedliche Spielweise und stilistische Vielfalt immer mehr: Es gibt kaum unterschiedlichere Filme eines Regisseurs wie "Hardcore - Ein Vater sieht rot" (1978), "Ein Mann für gewisse Stunden" (1979), das Horror-Remake "Katzenmenschen" (1982) und die gemeinsame Arbeit von Paul und Leonard Schrader über den japanischen Extremisten und Schriftsteller "Mishima" (1985). Im gleichen Jahr entstand auch eine weitere Gemeinschaftsarbeit der Brüder, das ungewöhnliche Drehbuch zu "Kuss der Spinnenfrau", inszeniert von Hector Babenco.

Schraders kraftvolles, schweres und düsteres Drama "Der Gejagte" (1997) beruht auf einem Roman von Russell Banks. Das Ungewöhnliche ist nicht so sehr die Handlung, das genaue Porträt dieses Menschen, der immer mehr ins Abseits seiner Umgebung gerät, als das Klima, die Stimmung, der Druck, unter dem die Bewohner dieser Landschaft leben. Zwar gibt es einen dramatischen Spannungsbogen, einen tödlichen Unfall, der auch ein Mord sein könnte, aber spannender sind noch die Irritationen, die Unabwägbarkeiten und die tiefen Depressionen, in die hier Menschen immer wieder fallen. Paul Schraders dramaturgischer Trick, die Geschichte von Wades Bruder Rolfe erzählen zu lassen, erweist sich für die Dramaturgie als sehr glücklich - Rolfe hat schon früh den beengenden Heimatort verlassen und sich als Collegeprofessor in guten Verhältnissen von der Familie, den schrecklichen Kindheitserinnerungen und dem deprimierenden Ort abgesetzt. Hervorragend, wie die Kamera (Paul Sarossy) diese unwirtliche Landschaft einfängt und in ihr die Figuren verteilt, und wie die Musik von Michael Brook diese Stimmung verstärkt. Wenn sich Nick Nolte und James Coburn als Sohn und Vater gegenüberstehen und in ihren Gesichtern die ganze Verzweiflung ihres unwirtlichen Lebens zum Ausdruck kommt, da erinnert das an die großen amerikanischen Familiengeschichten, ohne dass man das Gefühl hat, das alles sei veraltet.

Weitere Arbeiten von Paul Schrader: "Der Mann mit der Stahlkralle" (1977, Buch), "Old Boyfriends" (1979, Buch), "Wie ein wilder Stier" (1980, Buch), "Mosquito Coast" (1986, Buch), "Light Of Day - Im Lichte des Tages" (1987, Buch und Regie), "Patty Hearst - Schreie im Dunkel" (1988, Regie),"Die letzte Versuchung Christi" (1988, Buch), "Der Trost von Fremden" (1989, Regie), "Light Sleeper" (1991, Buch und Regie), "Witchhunt" (1994, Regie), "City Hall" (1995, Vorlage), "Touch - Der Typ mit den magischen Händen" (1996, Regie und Buch), "Forever Mine - Eine verhängnisvolle Liebe" (1999, Buch und Regie), "Bringing Out The Dead - Nächte der Erinnerung" (1999, Buch), "Auto Focus" (2002), "Dominion: Exorzist - Der Anfang des Bösen" (2005), "Ein Freund gewisser Damen - The Walker" (2007), "Ein Leben für ein Leben - Adam Resurrected" (2008).


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