Richard Gere

Schauspieler Richard Gere. Vergrößern
Schauspieler Richard Gere.
Fotoquelle: cinemafestival/shutterstock.com
Richard Gere
Geboren: 31.08.1949 in Philadelphia, USA

Er ist der typische Jungmädchenschwarm, der Traummann von Hollywood. Aber gerade dieses Image hat seine Karriere immer überschattet. Zu oft legt man ihn auf Rollenklischees fest. Mit Paul Schraders "Ein Mann für gewisse Stunden" beginnt das, obwohl Gere hier als Partner von Lauren Hutton außer Charme auch Spielvergnügen an den Tag legt.

Der hübsche junge Fabrikarbeiter, der seinen Boss im Handgemenge erschlagen hat, findet im Süden der Staaten Arbeit und Brot. Doch sein Chef, der freundliche Farmer, verliebt sich in die Freundin, die der junge Mann als Schwester ausgegeben hat. So gerät er wieder in Konflikt ... Eiskalte Chiffren statt Charaktere, gefrorene Leidenschaften: Terence Maliks "In der Glut des Südens" ist Richard Geres fünfter Film, aber der erste, in dem der junge Schauspieler Talent zeigen kann. Trotz John Schlesingers umsichtiger Regie gelingt ihm das ein Jahr später in "Yanks - Gestern waren wir noch Fremde" nicht. In der Rolle des amerikanischen Truppenkochs, in den sich in einem Yorkshire-Nest Lisa Eichhorn, die Dorftochter aus dem Gemischtwarenladen, verliebt, ist zu eindimensional geraten. Das wird überdeutlich, weil seine Gegenspielerinnen, Rachel Roberts als englische Mutter und Vanessa Redgrave als Offiziersfrau ihn in die Etappe verweisen. Allerdings hat diese hier kreierte Figur auch etwas Sympathisches: Im Gegensatz zu den smarten Schönlingen, die sich oft als Machos gebärden, geht von ihm etwas Zartes, Rücksichtsvolles, ja sogar Unsicheres aus.

Gere ist ein Männertyp, bei dem die Frauen etwas zu sagen haben, auf den sie Einfluss nehmen können. Obwohl "Ein Offizier und Gentleman" das Militär als das Erziehungsinstrument für angehende 'richtige Männer' preist, stimmt Richard Geres Figur hier und der Schauspieler bekommt sogar die Möglichkeit, sich von einer unsympathischen zu einer angenehmen Figur zu wandeln. Dabei ist der Schauspieler immer nur so gut wie die Rolle auf ihn angelegt ist. Gere ist kein wandlungsfähiger Darsteller wie Robert De Niro oder Al Pacino, Sean Connery oder Dustin Hoffman, auch kein Kraftpaket wie Sylvester Stallone oder Arnold Schwarzenegger.

So macht Richard Gere dem unglücklichen Remake "Atemlos" von Jean-Luc Godards "Außer Atem" vollends den Garaus. Er wirkt wie ein hektisch verzackertes Bürschchen, dem man weder glaubt, dass er ein Auto knacken kann, noch dass er so geschickt ist, sich immer wieder die Polizei vom Hals zu halten. Gere ist ständig in Bewegung, kann keine Sekunde ruhig sein und verzappelt die Figur vollends. Sicher ist das nicht zuletzt auch die Schuld einer Regie, die mehr mit der sehr viel schwächeren Valerie Kaprisky zurechtkommt, als mit dem Schauspieler Richard Gere.

Der aber findet in "Pretty Woman" an der Seite von Julia Roberts auf dem Hollywood-Boulevard als stinkreicher, knallharter Businessman Edward Lewis zu seiner Traumrolle. Er engagiert das Schmollmündchen mit Charme für 3000 Dollar Wochenlohn als Gesellschafterin für Bett und Parties, und verlangt nur, dass sie sich salonfähig macht. Doch diese Vivian schafft es, dass ihr Gespiele auf Zeit echte Gefühle für das kluge schöne Mädchen empfindet und den getrübten Blick auf die Umwelt verliert. Und am Ende schwingt er sich noch wie einst Romeo zu seiner Julia am Haus der Liebsten empor, doch zum strahlenden Ende lässt der Film keinen Zweifel: Das ist Hollywood murmelt der schwarze Pennbruder unten auf der Straße. Shaws "Pygmalion" in einer neuen Variante.

In "Sommersby", dem Remake des französischen Films "Die Wiederkehr des Martin Guerre", kann er zwar nicht ganz neben der brillanten Jodie Foster bestehen, macht jedoch gute Figur. Es gibt allerdings ernst zu nehmende Kritiker, die an dem frühen Gere kein gutes Haar lassen - und das auch noch begründen, wie Helmut W. Banz: "Eklektizismus scheint seine Devise zu sein. Selten konnte man einen Schauspieler sehen, der die Manirismen von James Dean, Marlon Brando und Robert De Niro so unpersönlich perfekt ausschlachtete."

Weitere Filme mit Richard Gere: "Der einsame Job" (1974), "Auf der Suche nach Mr. Goodbar" (1976), "Heißes Blut" (1977), "Der Honorarkonsul" (1983), "Cotton Club", "König David" (beide 1984), "Power - Weg zur Macht" (1985), "Gnadenlos" (1986), "Der letzte Outlaw" (1988), "Internal Affairs - Trau' ihm, er ist ein Cop" (1990), "Rhapsodie im August" (1991), "Eiskalte Leidenschaft" (1992), "Mr. Jones", "Und das Leben geht weiter" (beide 1993), "Begegnungen" (1994), "Der 1. Ritter" (1995), "Zwielicht" (1996), "Der Schakal", "Red Corner - Labyrinth ohne Ausweg" (beide 1997), "Die Braut, die sich nicht traut" (1999), "Dr. T and the Women", "Es begann im September" (beide 2000), "Die Mothman Prophezeiungen" (2001), "Untreu" (2002), "Chicago" (2002, Golden Globe für die beste Darstellung in einem Muscial), "Darf ich bitten?", "Die Buchstabenprinzessin" (2004), "The Flock", "The Hoax" (beide 2006), "Hunting Party - Wenn der Jäger zum Gejagten wird", "I'm Not There", "Das Lächeln der Sterne" (alle 2007), "Hachiko - Eine wunderbare Freundschaft", "Gesetz der Straße - Brooklyn's Finest", "Amelia" (beide 2009), "Movie 43", "Arbitrage" (beide 2012).


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