"Ich wurde weit entfernt von dort geboren, wo ich hingehöre. Also machte ich mich auf den Heimweg", erzählt Bob Dylan zu Beginn des Film. Ein Stück weit hat ihn Martin Scorsese auf diesem Weg begleitet. Es sind die Anfänge, die entscheidenden Karrierejahre von Robert Zimmerman alias Bob Dylan bis zu seinem legendären Konzert 1966 in Manchester, wo ein Folksänger erwartet wurde und ein Rocksänger auf die Bühne kam. "Judas!" riefen seine Fans. Szenen wie diese kombiniert der Altmeister des US-Kinos mit Archivaufnahmen, anderen Konzertmitschnitten, Amateurfilmen und einem zehnstündigen Interviewdokument - allein dies eine kleine Sensation, gilt Dylan doch als pressescheu. Hinzu kommen die Erinnerungen von Zeitzeugen wie Joan Baez, Pete Seeger, Dave Van Ronk, Allen Ginsberg, D. A. Pennebaker und auch Dylans damaliger Lebensgefährtin Suze Rotolo.

Wie in all seinen Filmen hat sich Scorsese auch hier wieder auf die Suche nach den Wurzeln der amerikanischen Geschichte begeben. Er forscht nach den Quellen der populären Musik, sucht nach den Gründen des Geschichtenerzählens und zeigt, wie es geht. In einer Szene berichtet ein früherer Bekannter, wie Bob Dylan einmal über das Wochenende bei ihm gewohnt habe und danach zwei Dutzend alte Schallplatten fehlten. Dylan hatte sie geklaut. "Ich konnte einen Song lernen, indem ich ihn einmal hörte - oder zweimal", sagt er. Ideen hat er überall geklaut. "Love and Theft" hieß eines seiner Alben. Diebstahl aus Liebe. "Imitating and Assimilating" nennt Joan Baez diese Technik, die sie auch gut beherrscht. "No Direction Home" ist das Dokument einer musikalischen Reise, die sich zum Schluss derartig beschleunigt hatte, dass immer mehr Leute ins Schleudern kamen, absprangen. Am Ende Dylan selbst.