Leonard Zelig hält das Amerika der 1920er und 1930er Jahre in Atem, denn er ist ein menschliches Chamäleon. Sein übergroßes Anpassungsbedürfnis lässt den kleinen jüdischen Büroangestellten buchstäblich aus der Haut schlüpfen und sich seinem jeweiligen Umfeld angleichen. In Gegenwart wichtiger Politiker legt er staatstragende Würde an den Tag, in Gesellschaft einer schwarzen Jazzband wird er zum dunkelhäutigen Trompeter, und unter den Bewohnern Chinatowns nimmt er in kürzester Zeit deren charakteristische Merkmale an. Selbst seine Psychiaterin Dr. Eudora Fletcher, die diesen merkwürdigen Mann unbedingt heilen will, hat es nicht leicht: Ihr Patient versucht hartnäckig, sie zu analysieren. Die sensationshungrige Presse macht Zelig zur Jahrmarktsattraktion. Doch die öffentliche Stimmung schlägt um, als Zelig eine Unzahl von Verbrechen angelastet werden ...

Regisseur und Hauptdarsteller Woody Allen stellt hier auf perfekte Weise hier mit dokumentarischen Mitteln die fiktive Biografie seines Titelhelden nach, fälscht sich in Fotos und Wochenschauberichte hinein und erscheint dem Zuschauer als Zeitgenosse von Scott F. Fitzgerald, Präsident Coolidge, Box-Star Dempsey und Adolf Hitler. Eine brillante Satire auf die Authentizitätsvorgabe und Sensationsgier der Medien ebenso wie eine intelligente Persiflage auf das Anpassungsbedürfnis des Menschen in der modernen Welt. Oscar-Nominierungen gab's für Gordon Willis (beste Kamera) und Santo Loquasto (beste Kostüme).

Foto: ZDF/Kerry Hayes