Dakota Fanning, derzeit im Westernthriller "Brimstone" im Kino zu sehen, war einst die begehrteste Kinderdarstellerin Hollywoods. Im Gegensatz zu anderen Kollegen sie jedoch auch mit Anfang 20 noch gut im Geschäft.

"Warum?", fragt Liz (Dakota Fanning) den Reverend (Guy Pearce), nachdem der ihren Mann ermordet hat. "Weil Du ihn liebst", lautet die sinistre Antwort. Liz zu strafen durch Taten wie diese, ist die ultimative Lebensaufgabe des Reverend, die er gründlich erledigt. So hat der Pfarrer die Gedärme des Sterbenden um dessen Oberkörper drapiert, um seine Qual ins Unermessliche zu steigern. Kein Wunder, dass Liz vor diesem Priester des Bösen quer durch den Wilden Westen flieht und unvorstellbare persönliche Opfer bringt, um sich und ihre Lieben vor dem Mann zu schützen. Für seinen epischen Westernthriller "Brimstone" fand der niederländische Regisseur Martin Koolhoven eine illustre Darstellerriege. Neben den Hollywoodgrößen Fanning und Pearce, spielen auch "Game of Thrones"-Liebling Kit Harington und Koolhovens Landsfrau Carice van Houten. Ein Gespräch mit Hauptdarstellerin Dakota Fanning (23) über Amerika in der Lausitz, Berufserfahrung und Bodenständigkeit.

prisma: "Brimstone" ist nichts für schwache Nerven. Der eine oder andere Western-Fan wird geschockt sein.

Dakota Fanning: Das mag schon sein. Aber es ist auch ein Film, in dem Konflikte und persönliches Drama überlebensgroß sind. Die menschlichen Abgründe, die sich da beim Bösewicht von Guy Pearce auftun, haben ja biblisches Ausmaß. Er ist eine beinahe mystisch überhöhte Figur. Und Guy macht das so gut, dass ich beim Dreh manchmal echt Angst vor ihm hatte. Er hätte es verdient, mit dieser Rolle als einer der besten Bösewichte in die Filmgeschichte einzugehen.

prisma: "Brimstone" spielt in den Weiten Nordamerikas, inszeniert hat aber ein Holländer, gedreht wurde in Österreich, Ungarn und in der brandenburgischen Lausitz. Braucht man da als Schauspieler noch ein wenig mehr Vorstellungskraft als sonst, um sich in die Rolle einzufinden?

Fanning: Nein, ich könnte ja auch in einem Film mitspielen, dessen Handlung auf dem Mars spielt und der komplett im Studio gedreht wird. Eine Vorstellung von der eigenen Figur zu haben, egal in welcher Umgebung man sie darstellt, gehört zum Handwerkszeug. Immerhin bin ich ja schon 15 Jahre in diesem Geschäft. Allerdings war ich als typisches Großstadtkind von den ausgedehnten Wäldern in Europa, insbesondere in Österreich, schon sehr begeistert. Was beim Spielen tatsächlich hilft, sind hervorragende Kollegen wie Guy, die einen so überzeugend anspielen, dass es sehr leicht fällt, den Faden aufzunehmen. Außerdem war das Drehbuch von Martin Koolhoven so toll, dass mir die kalten Schauer schon bei der Lektüre den Rücken rauf und runter liefen. Das ganze Paket hat einfach gestimmt.

prisma: Nachdem Mia Wasikowska aus dem Projekt ausgeschieden war, sind Sie eingesprungen und hatten nur vier Wochen, um sich auf diese Rolle vorzubereiten. Haben Sie gezögert?

Fanning: Keine Sekunde. Ich hoffte inständig, dass Martin mich nimmt. Das Drehbuch war nicht nur großartig, sondern auch ganz anders als alles, was ich bis dato gedreht hatte. Es war die Gelegenheit, eine starke Frauenfigur zu spielen, die auch die Heldin des Films ist. Solche Gelegenheiten gibt es leider viel zu selten.

prisma: Sie sind erst 23 Jahre alt und schon seit 15 Jahren im Geschäft. Anders als bei manchen anderen Kinderstars verläuft Ihr Leben als junge Erwachsene unauffällig, abseits der Öffentlichkeit. Wie haben Sie das geschafft?

Fanning: Ich habe mich nie für einen Kinderstar gehalten. Das hat mir geholfen. Denn wenn man das tut, dann kann man echte Probleme bekommen. Die Schauspielerei hat ja auch ihre Schattenseiten. Man öffnet seine Seele in einer Rolle. Wir leben aber in einer Welt, in der man schnell wiedererkennbar ist für andere. Wenn das dann den Effekt hat, dass das eigene Leben Gegenstand der Beurteilung durch andere wird, kann das sehr stressig sein.

prisma: Wer hat Ihnen dabei geholfen?

Fanning: Meine Eltern! Ich glaube, dass ich derselbe Mensch bin, der ich geworden wäre, hätte ich nicht die Schauspielerei als Beruf gewählt. Natürlich bin ich nicht immun gegen Einflüsse von außen. Aber ich habe immer im Hinterkopf, dass das, was wirklich zählt, die Meinungen meiner Familie und meiner engen Freunde sind. Also die Ansichten derer, die mich wirklich kennen.

prisma: Also auch die Ihrer kleinen Schwester Elle?

Fanning: Natürlich, wobei wir Arbeit und Privates auseinanderhalten und uns gar nicht so viel über den Job unterhalten. Elle würde mich wohl nicht für eine Rolle um Rat fragen. Jede weiß, wo die andere ist und was sie gerade dreht. Aber wir legen auch Wert auf unsere eigenen Erfahrungen dabei.


Quelle: teleschau – der Mediendienst