Jeroen Willems

Jeroen Willens in einer seiner letzten Filmrollen
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Jeroen Willens in einer seiner letzten Filmrollen als Helmer in "Oben ist es still"
Fotoquelle: Salzgeber/Victor Arnolds
Jeroen Willems
Geboren: 15.11.1962 in Maastricht, Niederlande
Sternzeichen: Skorpion
Gestorben: 03.12.2012 in Amsterdam, Niederlande

Er galt als einer der ganz großen und vielseitigsten niederländischen Theater-, Film- und Fernsehdarsteller: Jeroen Willems. Als drittes Kind eines Dramadozenten (der Vater starb 52-jährig als Jeroen gerade 15 Jahre alt war) und einer Künstlerin wuchs Jeroen hauptsächlich in Heerlen auf. Nach seinem Studium an der Akademie der Darstellenden Künste in seiner Geburtsstadt Maastricht stieß er zunächst 1991 zu der Theatergroep Hollandia, wo er auch selbst inszenierte und der er Zeit seines Lebens verbunden blieb. Erste Erfolge erzielte er hier bereits 1991 mit "La Musica" gefolgt von dem vielfach preisgekrönten "Twee Stemmen" (1997 und 2004) und "La Musica 2" (2004), für das er zusammen mit seiner Rolle in "Brel, de zoete oorlog" 2004 mit dem Prix Louis d’Or ausgezeichnet wurde.

Eine enge künstlerische Partnerschaft verband ihn darüber hinaus mit Regisseur Johan Simons. Schon bald avancierte der 1,87 Meter große Schauspieler, der neben seiner Muttersprache auch Spanisch, Französisch, Englisch, Italienisch und Deutsch sprach, zum Publikumsliebling. Zu den weiteren Höhepunkten seiner beispiellosen Theaterkarriere zählen etwa die Marthaler-Inszenierung "Schutz vor der Zukunft" (Wiener Festwochen, 2005–2010), "Quartett", inszeniert von Barbara Frey für die Salzburger Festspiele (2007–2008), "Drei Farben Blau Weiß Rot" von Johan Simons in den Münchner Kammerspielen (2009–2010), "Papalap" von Marthaler (Avignon 2010), Hal Hartleys Inszenierung von Louis Andriessens Oper "La Commedia" mit Gastspiel in der Carnegie Hall, Ivo van Hoves "Ludwig II." für die Münchner Kammerspiele und vor allem sein Brel-Abend "Brel, de zoete oorlog", den er mit "Brel 2" einschließlich einer internationalen Tournee 2008 fortsetzte. Außerdem nahm er 2005 live die CD "Jeroen Willems zingt Jacques Brel" auf, worauf er niederländische Interpretationen von Brel-Lieder präsentierte.

Nachdem er 1994 bereits mit dem "Mary Dresselhuys Prijs" als bester Schauspieler ausgezeichnet worden war, gelang im nur ein Jahr später mit "De schaduwlopers" auch der Durchbruch im Kino. Für seine Rolle in dem Kurzfilm "Zaanse nachten" wurde er 1999 ebenso für das Goldene Kalb (der höchste niederländische Filmpreis) nominiert wie zwei Jahre später für den Kostümfilm "Nynke". Erst 2010 bekam er endlich sein erstes Kalb für seine Rolle als Prinz Claus in "Majesteit". 2012 bekam er ein weiteres Goldenes Kalb für seine Hauptrolle in "Cop vs Killer" und erhielt zudem 2011 den "European Award for Outstanding Talent". Große Popularität erreichte Jeroen Willems durch seine Auftritte in niederländischen TV-Serien, vor allem in "Stellenbosch" (2007), die teilweise in Südafrika spielt, in der Krimi-Reihe "Baantjer" (1996) und als Willem II. in dem Mehrteiler "De Troon" (2010).

Daneben wirkte er aber auch in zahlreichen Filmen mit, die hierzulande leider nicht zu sehen waren, so etwa "FL 19,99 - Route 2000" oder der Kurzfilm "Novellen: Een Hollandse held" (1996). Internationalen Ruhm erntete Willems schließlich 2004 an der Seite von Hollywood-Größen wie Brad Pitt, George Clooney und Julia Roberts in Steven Soderberghs gefeierter Thriller-Komödie "Ocean's Twelve". Dieser Erfolg öffnete Willems auch die Tür zum deutschen Fernsehen, denn noch 2004 stand er neben Iris Berben, Ulrich Noethen und dem späteren zweifachen Oscar-Gewinner Christoph Waltz für Carlo Rolas dreiteilige Familiensaga "Die Patriarchin" vor der Kamera.

Foto: Salzgeber/Victor Arnolds Nach weiteren niederländischen Filmauftritten wie etwa in der Tragikomödie "Leuk voor later" (2005), in dem Familiendrama "Im Labyrinth des Lebens" sowie in dem Drama "Nachtrit" (2006) sah man Willems in der Krimiserie "Der letzte Zeuge" (2006) neben Ulrich Mühe. Er spielte außerdem in "Tussenstand" (2007) und Regisseurin Monique Van De Ven besetzte ihn in dem Erotikthriller "Verführerisches Spiel" (2008) als skrupellosen Gangsterboss. Mit Veronika Ferres stand er in der Rolle des Max Almeda in dem dreiteiligen RTL-Krimidrama "Die Patin - Kein Weg zurück" vor der Kamera, bevor zwei Gastauftritte am "Tatort" folgten, zunächst mit Richy Müller und Felixe Klare in "Tatort - Hart an der Grenze" (2008) und im Jahr darauf in "Tatort - Vermisst" (2009) an der Seite von Ulrike Folgerst und Andreas Hoppe. Ein Gangsterdrama war hingegen "Schwerkraft" (2009), in dem Fabian Hinrichs und Jürgen Vogel seine Filmpartner waren. Ebenfalls 2009 spielte er den Regisseur Anatole Litvak in dem gefeierten Knef-Biopic "Hilde" mit der wunderbaren Heike Makatsch in der Rolle der berühmten Schauspielerin und Sängerin.

Darüber hinaus blieb Jeroen Willems Zeit seines Lebens dem Theater treu, so tourte er etwa seit 1997 europaweit mit seinem Soloprogramm "Zwei Stimmen", für das er den niederländischen "Theatre Festival Award" erhielt. Was für ein begnadeter Theater-Mime Willems war, zeigen auch die TV-Aufzeichnungen zweier seiner Stücke: Nach Luchino Viscontis "Die Verdammten" entstand etwa "Der Fall der Götter", ein Stück der oben bereits erwähnten der Gruppe ZT Hollandia um Machtgier und Leidenschaft, in der Willems in die Dreifachrolle von Krupp-Herrschern schlüpfte und sein Publikum der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Berlin 2005 zu Begeisterungsstürmen hinriss. Ebenso gefeiert wurde er für die Rolle des Comte de Valmont in "Quartett", das Dialogstück von Heiner Müller nach dem Roman "Gefährliche Liebschaften" von Choderlos de Laclos in einer Aufzeichnung aus dem Carabinieri-Saal der Residenz bei den Salzburger Festspielen im August 2007: Der Comte de Valmont und die Marquise de Merteuil (Barbara Sukowa), ehemals in leidenschaftlicher Liebe einander verbunden, verspüren ihre Ekstase nur noch in der intriganten Herabsetzung ihres Gegenübers, in einer Erotik der Vernichtung. An die Stelle des Göttlichen, des Magischen, ist eine Art methodische Wissenschaft getreten, mittels derer sie ihre Liebe in ein vernunftbeherrschtes Rollenspiel verwandeln.

Privat hatte Jeroen Willems eine langjährige Beziehung mit dem Schauspielkollegen Marcel Musters. Als hätten es die Ausrichter des Niederländischen Filmfests von Utrecht geahnt, war Jeroen Willems 2012 der "Gast des Jahres". Denn völlig überraschend verstarb Jeroen Willems am 3. Dezember 2012 nach einer Probe für eine Jubiläumsgala des Amsterdamer Theaters Carré an einem Herzanfall. Christine Dössel schrieb in der Süddeutschen Zeitung in ihrem Nachruf auf den Schauspieler: "Jeroen Willems war einer der besten, facettenreichsten Schauspieler Europas. Er hatte nicht nur das Handwerkszeug eines wunderwandelbaren Charakterdarstellers und eine außergewöhnliche Sprachgewandtheit – er hatte das, was man Ausstrahlung nennt. Etwas, was man nicht lernen, sondern nur als Geschenk empfangen und an andere Menschen weiterschenken, abstrahlen kann."

Weitere Filme und Serien mit Jeroen Willems: "Späte Einsichten" (TV-Mehrteiler, 1991), "Coverstory" (TV-Serie), "Bureau Kruislaan" (TV-Serie), "Bekentenissen" (Kurzfilm, alle 1993), "De baby huilt" (Kurzfilm, 1994), "De Wraak van de Schaduw" (Kurzfilm), "Consult" (TV-Serie), "Zwarte sneeuw" (TV-Serie), "Wintergasten" (alle 1996), "Windkracht 10" (TV-Serie), "Arends" (beide 1997), "Taxi Dancer" (Kurzfilm), "Tijd van leven" (TV-Serie), "Hertenkamp" (TV-Serie), "De keerzijde" (TV-Serie), "Wij Alexander" (TV-Serie), "Ongenade" (alle 1998), "Spangen" (TV-Serie, 1999), "Bij ons in de Jordaan" (TV-Serie), "Wildschut & De Vries" (TV-Serie), "De geheime dienst" (TV-Serie, alle 2000), "Soul Assassin - Spur in den Tod", "De grot", "Nynke" (alle 2001), "Ja zuster, nee zuster" (2002), "Russen" (TV-Serie), "Sale" (Kurzfilm), "De passievrucht" (alle 2003), "Sentimenti" (TV-Serie) "Simon", "Simon im Widerstand" (alle 2004), "Gezocht: Man" (2005), "Oorlogsrust" (2006), "Der Brief für den König" (2008), "Feine Freundinnen" (TV-Serie), "Love Life - Liebe trifft Leben" (beide 2009), "Bellicher" (TV-serie), als Prinz Claus in "Majesteit", "Countdown - Die Jagd beginnt" (TV-Serie), "Annie MG" (TV-Mehrteiler), "Songs of Love and Hate" (alle 2010), "Lena", "Nacht ohne Morgen" mit Götz George und Barbara Sukowa, "Quixote's Island" (alle 2011), "Lijn 32" (TV-Serie, 2012), als James Joyce in "De Wederopstanding van een Klootzak", "De ontmaskering van de Vastgoedfraude" (TV-Mehrteiler), "Oben ist es still" und "Tula: The Revolt" (alle 2013).

 


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