Franco Nero

Grinsen macht Mut! Franco Nero als Django Vergrößern
Grinsen macht Mut! Franco Nero als Django
Franco Sparanero
Geboren: 23.11.1941 in San Prospero, bei Modena, Italien

"Django" (1966), der schweigsame Mann, der mit langem Mantel und Hut durch die matschige Landschaft stapft, einen Sarg hinter sich her zieht und zum Rächer wird, indem er zwei verbrecherische Banden gegeneinander aufhetzt, ist die meist zitierte Figur des Italowestern. Das Genre entsteht Mitte der Sechzigerjahre nach dem erfolgreichen Vorbild von Harald Reinls deutschen Karl May-Filmen und löst einen unvergleichlichen Boom aus.

Franco Nero ist der Hauptdarsteller Sergio Corbuccis "Django" und in den Folgejahren spielt er die Westernfigur in einem halben Dutzend Fortsetzungen. Zwei Jahre später ist er der polnische Söldner Sergej Kowalski, der mitten in der mexikanischen Revolution sein Herz für die Rebellen von Pancho Villa entdeckt: "Die gefürchteten Zwei" wurde von den Achtundsechzigern als ernstzunehmendes Revolutionsepos abgefeiert und machte Franco Nero fast zu einer Kultfigur des Genres.

Der Italiener, Sohn eines Landpolizisten, soll schon mit sieben Jahren auf der Laienbühne gestanden haben. Doch zunächst studiert er Wirtschaftswissenschaften und finanziert sein Studium als Nachtclubsänger. Später arbeitet er als Buchhalter in Mailand. Dann lernt er bei einem Besuch in den Ateliers der Cinecitta in Rom Carlo Lizzani, Antonio Pietrangeli und John Huston kennen. Der hat gerade mit De Laurentiis einen Vertrag für den Überrest des ursprünglich gigantischen Projekts der Bibelverfilmung abgeschlossen.

Die Filmregisseure ermuntern den Kinofan Nero, seinen Traum zu verwirklichen. Seine erste Rolle spielt er bei Alfredo Giannetti in "Das ausgeliehene Mädchen" (1963) mit Annie Girardot: Carlo Lizzani gibt ihm eine Rolle in "La Celestina" (1964), Antonio Pietrangeli in "Ich habe sie gut gekannt" (1965) mit Stefania Sandrelli und Mario Adorf, und bei John Huston darf er den Abel in "Die Bibel" (1965) spielen. Aber erst als "Django" wird er weit über Italiens Grenzen bekannt, er kann sich vor Angeboten nicht retten. Doch Franco Nero will ein ernsthafter Schauspieler werden. Da gibt ihm Damiano Damiani die Chance, in dem Mafia-Film "Don Mariano weiß von nichts" einen Hauptmann der Carabinieri zu spielen, der den Kampf gegen die Mafia trotz Drohungen nicht aufgibt.

Mit Joshua Logans Filmmusical "Camelot" (1967) gelingt ihm ein großer internationaler Erfolg (als Lancelot), und er trifft auf seine langjährige Lebensgefährtin Vanessa Redgrave, die sich gerade von Ehemann Tony Richardson getrennt hat. Franco Nero kann spielen, was er will. In den Folgejahren wird er zum Protagonisten von Politthrillern von Elio Petri, Damiano Damiani, Florestano Vancini, Carlo Lizzani und Giuliano Montaldo. Er ist aber ebenso ein psychopathischer Maler in Elio Petris "Un tranquillo posto di compagna" (1968) an der Seite von Vanessa Redgrave, und er spielt den Partner von Catherine Deneuve in Luis Buñuels "Tristana" (1970).

Man sieht ihn in Sergej Bondartschuks aufwendigen Zweiteiler "Zehn Jahre, die die Welt erschüttern"/ "Mexiko in Flammen" (1982), in Vatroslav Mimicas Historienfilm "Der Falke" (1982) und im gleichen Jahr an der Seite von Jeanne Moreau in der Hauptrolle von "Querelle - Ein Pakt mit dem Teufel", Rainer Werner Fassbinders letztem Film. In den Achtzigerahren spielt Nero fast nur noch im Fernsehen. Doch 1987 steht er für "Djangos Rückkehr" (Regie: Nello Rossati) noch einmal in seiner berühmtesten Rolle vor der Kamera. 1990 sieht man ihn in Renny Harlins "Stirb langsam II" als Gegenspieler von Bruce Willis. 1997 drehte Nero das zweiteilige Drama "Bella Mafia" und 1998 folgte die Verfilmung des Mordes an dem Modeschöpfer Versace ("The Versace Murder"), in dem er unter der Regie von Schundkönig Menahem Golan die Rolle des Opfers spielt.

Weitere Filme mit Franco Nero: "Maskenball bei Scotland Yard" (1963), "Die um Gnade winseln", "Ich heiße John Harris" (beide 1965), "Django, der Rächer" (1966), "Mit Django kam der Tod" (1967), "Das verfluchte Haus" (1968),"Die Schlacht an der Neretva" (1969), "Zwei Companeros" (1970), "Papst Johanna", "Das Verfahren ist eingestellt: Vergessen Sie 's", "Zwei wilde Companeros" (alle 1971), "Das Lied von Mord und Totschlag", "Der Mönch und die Frauen" (beide 1972), "Deaf Smith And Johnny Ears", "Jack Londons Wolfsblut" (beide 1973), "Teufelsschlucht der wilden Wölfe", "Warum musste Staatsanwalt Traini sterben?" (beide 1974), "Die Schuldigen mit den sauberen Händen", "Zwiebel-Jack räumt auf" (beide 1975), "Die 21 Stunden von München", "Keoma - Ein Mann wie ein Tornado" (beide 1976), "Der Pirat", "Der wilde Haufen von Navarone" (beide 1978), "Sam Marlowe, Privatdetektiv" (1979), "Der Tag der Cobra" (1980), "Ninja, die Killermaschine" (1981), "Kamikaze 1989", "Rainer Werner Fassbinder - Das letzte Jahr" (Porträt, beide 1982), "Kennwort Salamander" (1983), "André schafft sie alle", "Das Geheimnis des schwarzen Tankers", "Die Försterbuben" (alle 1984), "Der Denunziant", "Geliebtes Land" (beide 1985), "Entscheidung in Cartagena" (1986), "Das Geheimnis des Azteken-Berges", "Seine Rache kennt keine Grenzen" (beide 1988), "Bei Berührung Lebensgefahr" (1990), "Die junge Katharina" (1991), "Der Fall Lucona", "Die Rache des weißen Indianers" (beide 1993), "Der Ring des Drachen", "The Innocent Sleep" (beide 1994), "Der Augenzeuge - Gnadenlos gejagt", "Dolphin Girl" (beide 1995), "Cue Master", "Die Bibel - David", "Die Rückkehr des Sandokan" (alle 1996), "Prinzessin Amina - Das Geheimnis einer Liebe" (1997), "Die Bibel - Paulus" (2000), "Die Kreuzritter", "Megiddo - Das Ende der Welt" (beide 2001), "Die achte Todsünde - Toskana-Karussell", "Herz ohne Krone", "Liebe, Lügen, Leidenschaften II" (alle 2002), "Rosamunde Pilcher - Zauber der Liebe" (2005), "Mein Herz in Chile", "Mord ist mein Geschäft, Liebling" (beide 2008), "Augustinus" (2009), "Briefe an Julia", "Eine Nacht im Grandhotel" (beide 2010), "Django Unchained" (2012).

Zur Filmografie von Franco Sparanero
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