John Huston

John Huston
Geboren: 05.08.1906 in Nevada, Montana, USA
Gestorben: 28.08.1987 in Middletown, Rhode Island, USA

Er war einer der wunderbarsten Geschichtenerzähler, ein Autor und Regisseur von reicher Imagination. Den "erfindungsreichsten Regisseur seiner Generation" nennt ihn der amerikanische Filmhistoriker Andrew Sarris und tatsächlich gab es seit David Wark Griffith kaum einen US-Regisseur, der so viel zur Erfindung und Erneuerung des Kinos beigetragen hat wie John Huston. 1948 erhält er zwei Oscars für Buch und Regie von "Der Schatz der Sierra Madre" (1947), außerdem wird er zwölf Mal für den Oscar nominiert, in einem Jahr gleich für zwei Filme.

Der Sohn der Reporterin Rhea Gore und des Volksschauspielers Walter Huston hat keine leichte Jugend. Er leidet unter der frühen Trennung der Eltern. Er lebt mal bei der Mutter, mal beim Vater, und das ständig wechselnd, jeweils für ein halbes Jahr. Anfangs sieht es so aus, als wolle er ganz aus der Art schlagen: Mit 15 Jahren besucht er die Militärschule, die er bald wieder verlässt, mit 17 wird er kalifornischer Meister im Box-Leichtgewicht, dann holt ihn Dad nach New York, um ihn durch eine kleine Theaterrolle zu fesseln. Doch John flieht nach Mexiko, wo er sich 1925 in die amerikanische Armee aufnehmen lässt. Hier hält er es am längsten aus: Im Range eines Leutnants quittiert er zwei Jahre später den Dienst.

1929 beweist der junge Mann, dass der Vater doch das richtige Gespür hatte: Mit dem passablen Bühnenstück "Frankie und Johnny", in New York uraufgeführt, überrascht er die Öffentlichkeit. Doch es dauert noch drei Jahre, bis Huston zu seiner wirklichen Profession kommt. Er schreibt Kurzgeschichten, meist über Boxen und Reiten, und Kritiken. 1932 geht Walter Huston nach Hollywood. John folgt ihm und schreibt zunächst Dialoge für Spielfilme von William Wyler, bald folgt sein erstes eigenes Drehbuch, "Gesetz und Ordnung" (1932) nach einem Schlüsselroman über die Earp-Brüder: "Saint Johnson" von W. R. Burnett. Regie führte Edward L. Cahn, Vater Walter spielt die Hauptrolle. John hat damit großen Erfolg, aber dem quirligen jungen Mann passt das alles nicht. Er geht nach New York zurück und arbeitet als Grafiker, bestreitet Pferderennen und geht nach Paris, um Malerei zu studieren.

An die Pariser Zeit denkt er später zurück, als er seinen bahnbrechenden Farbfilm über Toulouse-Lautrec, "Moulin Rouge" (1952), dreht. In London schließt er sich einem Tournee-Theater an. Als er seinen Vater in Hollywood besucht, wird er von Warner Bros. unter Vertrag genommen. Es entstehen die ersten großen John-Huston-Drehbücher für "Jezebel - Die boshafte Lady" (1938), "Paul Ehrlich - Ein Leben für die Forschung" (1940), "Das Doppelleben des Dr. Clitterhouse" (1940), "Sergeant York" (1941) und "Entscheidung in der Sierra" (1940).

1941 dreht Huston in knapp acht Wochen seinen ersten Film als Regisseur: "Die Spur des Falken". Der Film wird ein riesiger Erfolg. Jetzt hat Huston einen Beruf, bei dem er bleibt. Mehrfach indes wird er im Laufe seines Lebens Hollywood den Rücken kehren; und immer kommt er zurück. Er wird einer der großen Stilisten der Filmgeschichte und trägt später - gemeinsam mit seinem Kameramann Oswald Morris - zur Revolutionierung des Technicolor-Verfahrens bei: "African Queen" (1951), "Moulin Rouge" (1952), "Moby Dick" (1956) und "Spiegelbild im goldenen Auge" (1967) heißen die Filme, jeder für sich ein Kleinod mit einer spezifischen Farbdramaturgie.

Bemerkungen zu ein paar außergewöhnlichen Filmen John Hustons:

"Gangster in Key Largo" (1948), mit Humphrey Bogart, Edward G. Robinson, Lauren Bacall, Lionel Barrymore und Claire Trevor erzählt von einem ehemaligen Major, der die Angehörigen eines gefallenen Kameraden in Florida besuchen will. Aber in Key Largo, einem Schlupfwinkel für lichtscheue Elemente, trifft er nicht nur auf den alten Temple und seine Tochter Nora, sondern auch auf den verweichlichten Gangsterkönig Rocco und seine Bande. John Huston hat das faszinierende Drehbuch gemeinsam mit Richard Brooks geschrieben. "Gangster in Key Largo" ist einer der besten Gangsterfilme der Vierzigerjahre.

"Asphaltdschungel" (1949) zeigt eine Handvoll Menschen unterschiedlicher Herkunft, die ein gemeinsames Ziel haben: Der größte Juwelenladen Chicagos soll ausgeraubt werden. Da ist der Killer Dix, der davon träumt, seiner verarmten Familie die Farm in Kentucky zurückzukaufen, da ist "Doc" Riedenschneider, der das Ganze ausgeheckt hat, und da ist der angesehene Rechtsanwalt Emmerich, der bereits den Verrat geplant hat. Betrug, Neid und Missgunst bringen schließlich das perfekt geplante Verbrechen zu Fall. In "Asphaltdschungel" erzählt Huston im Grunde die gleiche Geschichte wie in "Der Schatz der Sierra Madre": Menschliche Untugenden zerstören die Hoffnung auf Glück. "Verbrecher sind gar nicht so verschieden von uns, Verbrechen ist nur eine besondere Form des Lebenskampfes." Das sagt in "Asphaltdschungel" ein Polizist, - zu Zeiten von McCarthys antikommunistischer Hexenjagd ein mutiger Satz!

"African Queen" (1951) mit Humphrey Bogart, Katharine Hepburn und Robert Morley, ist einer der berühmtesten amerikanischen Abenteuerfarbfilme, fotografiert von Jack Cardiff. Deutsche Zuschauer mussten seinerzeit jahrelang auf dieses legendäre Meisterwerk warten; und dann hatte man dem Film, der 1914 in Deutsch-Ostafrika spielt, die deutschfeindlichen Tendenzen herausoperiert. Erzählt wird die heiter-triste Odyssee eines heruntergekommenen kanadischen Kapitäns und einer nicht mehr ganz taufrischen Methodistenschwester quer durch den afrikanischen Urwald auf einem alten klapprigen Kahn.

"Misfits - Nicht gesellschaftsfähig" (1960) schildert die Jagd auf Wildpferde, die zu Hundefutter verarbeitet werden sollen. Sie dient drei gescheiterten Männern, sogenannten Misfits, als Ersatzbefriedigung. Rosalyn Tabor ( Marilyn Monroe) die die Cowboys zufällig kennenlernt, ist von ihrer Rohheit entsetzt. Ihr Einfluss verändert allmählich das Verhalten der Männer. Autor Arthur Miller erweiterte für den Film eine seiner Kurzgeschichten, um seiner Frau Marilyn Monroe eine dankbare Rolle zu bescheren. John Huston machte daraus einem merkwürdig spröden und dennoch eindrucksvollen Film. "Misfits" entstand kurz vor Marilyn Monroes mysteriösem Tod, Clark Gable starb nach den Dreharbeiten und auch für Montgomery Clift war es einer der letzten Auftritte vor seinem frühen Tod.

"Freud" (1961) mit Montgomery Clift ist nicht die erste Annäherung Hustons an die Wissenschaft. William Dieterle hatte sich 1936 und 1940 Louis Pasteur und Paul Ehrlich (Drehbuch: John Huston!) auf populärwissenschaftliche Weise genähert. John Huston geht mit seinem Film über Sigmund Freud ähnliche Wege, hat aber Schwierigkeiten mit der Materialisierung des Traum-Erlebens. Wie in einem echten Gruselspuk taucht der geängstigte Forscher zu elektronischer Musik zum Urerlebnis hinab und kämpft mit dem Unterbewussten, erlebt Siege und Niederlagen. Im Grunde hat Huston seinen Freud nach dem gleichen Muster seiner Männerfilme wie "African Queen", "Moby Dick" und "Schatz der Sierra Madre" inszeniert. Der Film beginnt mit Freuds Reise nach Paris, erzählt von den Jahren mit Joseph Breuer in Wien und endet mit dem Universitätstumult, bei dem man Freud mit Schimpf und Hohn begegnet und sich sein Freund Breuer von ihm distanziert. Produzent Wolfgang Reinhardt hatte sich von Jean-Paul Sartre ein Drehbuch schreiben lassen, das ihm aber so sehr missfiel, dass er es nach eigenen Worten wesentlich bearbeitete. Hustons Film hat durchaus Qualitäten, leidet aber an der Inkonsequenz des Drehbuchs.

"Die Totenliste" (1962) nimmt unter den vielen Filmen, die der wandlungsfähige und abwechslungsreiche Regisseur John Huston im Laufe seines Lebens geschaffen hat, eine besondere Stellung ein. Kirk Douglas und Robert Mitchum, Burt Lancaster und Tony Curtis sind hier in kleinen Rollen neben George C. Scott zu sehen. Es geht um einen Geheimdienstler und um eine Liste mit elf Namen, deren Träger alle todgeweiht sind.

"Die Nacht des Leguan" (1963) mit Richard Burton, Ava Gardner, Deborah Kerr und Sue Lyon schildert, wie schlimm Pastor Shannon dran ist: Ihn plagen schreckliche Albträume, schon lange kann er nicht mehr sein Amt als Seelsorger ausüben. Er quält sich damit ab, Reisegruppen an der Küste von Puerto Rico entlangzuschleppen. Kurz vor einem erneuten Zusammenbruch schafft er es gerade noch ins Hotel seines Freundes. Doch der ist gerade dahingeschieden, so dass Shannon sich mit der attraktiven Witwe (Ava Gardner) trösten muss. Zwar buhlt da auch noch die welke Künstlerin Hannah um seine Gunst, doch Shannon/Burton steht mehr auf Ava Gardner. John Huston hat die verquaste Psychologie von Tennessee Williams eher herauskehrt als vertuscht. Man kann dem Schalk von Regisseur zutrauen, dass er das Ganze - wie Joseph Losey in "Brandung" - bewusst so angelegt hat.

"Die Bibel" (1965) mit Michael Parks, Richard Harris und Stephen Boyd ist ein untypischer Huston-Film. Lange bevor er als Regisseur feststand, hatte Dino de Laurentis den ehrgeizigen Plan, die biblische Geschichte als 12-Stunden-Opus in mehreren Teilen zu servieren, doch es blieb bei der dreistündigen "Spar-Bibel", die dann statt von mehreren Regisseuren von John Huston alleine realisiert wurde. Huston kann dem Anspruch der Superlative gerecht werden, zumindest, was die große Schau anbelangt: er hat nicht an Effekten und Aufwand gespart. Das Drehbuch des britischen Dramatikers Christopher Frey bringt Würde und Langeweile gleichermaßen zur Geltung, doch Huston hat sich seiner Aufgabe mit sehr viel Ironie entledigt und offensichlich hat ihm die Arche-Episode am meisten Spaß gemacht: Er spielt den Noah.

"Die Toten" (1987) ist John Hustons letzter Film, ein kraftvolles Vermächtnis eines großen Filmmeisters. Nach James Joyces Erzählungen "The Dubliners" wird hier eine Offenbarung visualisiert: Durch eine Einladung bei Verwandten herausgefordert, beginnt der Protagonist über sein eigenes Leben, seine Fehler und Vorzüge nachzudenken. Der Film versteht sich zugleich als eine Hommage an Irland und James Joyce.

Weitere Filme von John Huston: "Abenteuer in Panama" (1941), "Is This Our Life?" (1942), "Die Schlacht um San Pietro" (1945, Dokumentarfilm), "Es werde Licht" (1946), "Die rote Tapferkeitsmedaille" (1951), "Der Seemann und die Nonne" (1956), "Der Barbar und die Geisha", "Die Wurzeln des Himmels" (beide 1958), "Denen man nicht vergibt" (1959), "Casino Royale" (1966), "Dave - Zuhaus in allen Betten" (1967), "Der Brief an den Kreml", "Die Reise mit der Liebe und dem Tod" (beide 1969), "Das war Roy Bean", "Fat City" (beide 1972), "Der Mackintosh-Mann" (1973), "Der Mann, der König sein wollte" (1975), "Die Weisheit des Blutes" (1979), "Flucht oder Sieg" (1981), "Annie" (1982), "Unter dem Vulkan" (1984) und "Die Ehre der Prizzis" (1985).

John Huston ist der Vater der erfolgreichen Schauspielerin und Oscarpreisträgerin Anjelica Huston. Er hatte neben einigen Rollen in seinen eigenen Filmen auch zahlreiche Auftritte in Filmen anderer. Darunter sind Werke wie: "Der Kardinal" (1963), "Das ausschweifende Leben des Marquis de Sade" (1969), "Ein Mann in der Wildnis" (1971), "Die Brücke im Dschungel", "Die Schlacht um den Planet der Affen" (beide 1973), "Chinatown", "Der Mann ohne Nerven", "Der Wind und der Löwe" (alle 1974), "Sherlock Holmes in New York" (1976), "Angriff aus der Tiefe", "SOS, SOS, SOS Bermuda Dreieck" (beide 1977), "Die Außerirdischen" (1979), "Head On" (1980), "Straße der Ölsardinen" (1982), "Lovesick - Der liebeskranke Psychiater" (1983) und "Momo" (1985).

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