Noredin (Fares Fares) ermittelt in einem angeblichen Selbstmord auf eigene Faust.
"Die Nile Hilton Affäre" feierte seine deutsche Premiere auf dem Filmfest München.

Die Nile Hilton Affäre

KINOSTART: 05.10.2017 • Thriller • D / S / DK (2017) • 111 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
The Nile Hilton Incident
Produktionsdatum
2017
Produktionsland
D / S / DK
Filmstudio
Atmo Production, Film i Väst, Ostlicht Filmproduktion, Final Cut for Real, Nordsvensk Filmunderhållning, SVT, Scanbox, Copenhagen Film Fund, Svenska Filminstitutet, Eurimages, Mitteldeutsche Medienförderung, Det Danske Filminstitut, Den Vestdanske Filmpul
Budget
4.250.000 USD
Einspielergebnis
81.089 USD
Laufzeit
111 Minuten
Regie
Tarik Saleh
Music
Krister Linder
Kamera
Pierre Aïm

Filmkritik

Im Sumpf von Kairo
von Christopher Diekhaus

In dem Noir-Thriller "Die Nile Hilton Affäre" ermittelt ein korrupter Polizist in einem Mordfall, der in höchste Kreise führt. Der Film mit politischer Note, der von Regisseur Tarik Saleh inszeniert wurde, trägt bisweilen jedoch etwas zu dick auf.

Dass die Verbindung eines fiktiven Kriminalfalls mit gesellschaftspolitischen Entwicklungen ergiebig sein kann, bewies 2014 der spanische Hinterland-Thriller "La isla mínima – Mörderland". Regisseur Alberto Rodríguez schickte darin zwei Polizisten in einer sumpfige Gegend Andalusiens auf die Suche nach einem brutalen Serienkiller. Entscheidend für die Atmosphäre des vielfach preisgekrönten Films war dabei, dass die Handlung Anfang der 80er-Jahre spielte. Zu einer Zeit also, in der die junge spanische Demokratie nach dem Schrecken der Franco-Diktatur noch keineswegs gefestigt war. Krimi und historische Befindlichkeiten treffen sich auch in Tarik Salehs ("Tommy", "Metropia") neuer Regiearbeit "Die Nile Hilton Affäre", deren Plot kurz vor Ausbruch des sogenannten Arabischen Frühlings im Januar 2011 einsetzt.

Hauptfigur ist der korrupte Polizeibeamte Noredin (präsent und engagiert: Fares Fares), der in das titelgebende Hotel in Kairo gerufen wird, als man in einer Luxussuite die übel zugerichtete Leiche der Sängerin Lalena findet. Noch bevor seine Nachforschungen richtig in Gang kommen können, deklarieren seine Chefs den Tod als Selbstmord. Trotz des Ermittlungsstopps stellt Noredin weiter Fragen und fühlt dem einflussreichen Geschäftsmann Hatem Shafiq (Ahmed Selim) auf den Zahn, mit dem die Tote ein Verhältnis pflegte. Eines Tages taucht auf dem Revier Lalenas Freundin Gina (Hania Amar) auf und liefert nach kurzem Zögern neue Hinweise.

Ein gebrochener, desillusionierter Mann

Inspirieren ließ sich Saleh für seinen größtenteils in Marokko gedrehten Cop-Thriller nicht nur vom Mord an der libanesischen Popsängerin Suzanne Tamim im Jahr 2008 und dessen brisanten Hintergründen. Großen Einfluss übte offenkundig auch die Stimmung des Film noir auf den in Schweden geborenen Regisseur und Drehbuchautor aus. Im Zentrum steht mit Noredin ein gebrochener, desillusionierter Mann, der seine Frau bei einem Unfall verloren hat, seinen Frust mit Alkohol und Tabletten betäubt und im Beruf täglich Grenzen überschreitet. Bei jeder Gelegenheit hält er die Hand auf, droht, wenn nötig, und lässt sich sogar dazu hinreißen, der Ermordeten Geld zu stehlen.

Ähnlich wie die düsteren amerikanischen Großstadtthriller der Nachkriegszeit zeichnet "Die Nile Hilton Affäre" den Handlungsort als eine fiebrige, abgründige Metropole, deren Straßenlärm omnipräsent ist. Noredin stapft durch dunkle Hinterhöfe, exklusive Nachtclubs, ärmliche Einwandererviertel und eine Gated Community, die die fatale Trennung von Arm und Reich greifbar macht. Ägypten wird als ein Land gezeigt, in dem sich Geldadel und Politik auf unheilvolle Weise vereinen und Bestechung zum guten Ton gehört.

Ansprechende Noir-Aufmachung

Ist der Protagonist anfangs ein bedenkenloser Nutznießer der bestehenden Verhältnisse, entwickelt er im Zuge seiner Ermittlungen langsam ein Unrechtsbewusstsein. Nicht zuletzt, weil er der hübschen Gina näherkommt. Sein Wandlungsprozess, der mit den immer stärker in das Geschehen einbrechenden Protesten der wütenden Bevölkerung einhergeht, hätte allerdings ein wenig differenzierter nachgezeichnet werden können. Überhaupt setzt Regisseur Saleh in der Beschreibung des korrupten Systems mitunter auf arg plakative Mittel. Exemplarisch ist die Darstellung von Noredins Onkel Kamal (Yasser Maher), dessen Bereicherungswille beinahe satirische Ausmaße erreicht. Ambivalenter und dadurch spannender präsentiert sich im Vergleich der eingangs erwähnte Serienkiller-Film "La isla mínima – Mörderland", dem "Die Nile Hilton Affäre" trotz ansprechender Noir-Aufmachung stimmungstechnisch etwas hinterherhechelt.

Quelle: teleschau – der Mediendienst

Weitere Darsteller
Fares Fares Mari Malek Χρήστος Βουδούρης Slimane Dazi Hania Amar Hichem Yacoubi Mohamed Yousry Mohamed Sanaaeldin Shafie Ahmed Abdelhamid Hefny Nael Ali Tareq Abdalla Ger Duany Ashraf Tolba Rebecca Simonsson Emad Ghoniem Ibrahim Salah Taher Badr Ahmed Khairi Ahmed Seleem Khaled Abdelhamed

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