"Wissen ist Macht!" – Immer wieder betont der kultige Wissenschaftsjournalist Harald Lesch diese Weisheit im Laufe der Dokumentation "Die Vermessung der Erde", die jetzt als TV-Premiere auf ARTE zu sehen ist. Wie ein Mantra wiederholt er diese Wahrheit, um damit unmissverständlich klarzustellen, dass Erkenntnisgewinn, wirtschaftliche und politische Macht oftmals eng miteinander verknüpft sind.

Im Kern liefert Regisseur Christopher Gerisch in seinem sehenswerten Film einen historischen Abriss: Wann hat die Menschheit begonnen, den Planeten zu vermessen – und warum? Doch daneben wirft der Filmemacher stets einen Blick auf die Gegenwart. Denn das Wissen um den derzeitigen Zustand des Planeten wird ausschlaggebend dafür sein, wie sich die Menschheit für den Klimawandel rüstet. So sollen die gewonnenen Informationen als Entscheidungsgrundlagen für eine nachhaltige Umweltpolitik dienen. Doch die Zeit drängt ...

Die Pharaonen Ägyptens, die griechischen Philosophen der Antike, die großen Seefahrer und Entdecker – sie alle wussten um die Notwendigkeit von Karten und Zahlen. Mittlerweile liefern Satelliten, Drohnen und Antennen die wichtigsten Daten zum Erfassen der Welt. Der Wissensdurst ist noch lange nicht gestillt, nur die Methoden haben sich geändert.

Mithilfe von Computernanimationen und Reenactments wird der Zuschauer in längst vergessene Epochen entführt und erlebt, wie geniale Kartografen die Darstellung von Größen und Entfernungen immer aufwendiger präzisierten, um beispielsweise die Navigation auf hoher See zu revolutionieren. Ganz offensichtlich ist der Titel der Doku an Daniel Kehlmanns Bestseller "Die Vermessung der Welt" angelehnt – dass auch Humboldts Exkursionen kurz angerissen werden, versteht sich von selbst.

Zwischendurch tut Harald Lesch das, was er am besten kann: Die Welt erklären – sympathisch und auch für Laien verständlich. Besonders spannend wird die Doku immer dann, wenn man einen Einblick in die aktuelle Forschung erhält. So wird gezeigt, wie in den unterschiedlichsten wissenschaftlichen Disziplinen versucht wird, der Erde ihre letzten Geheimnisse zu entlocken – insbesondere die Vermessung der Ozeane nimmt in Zukunft eine Schlüsselrolle ein.

Doch auch auf einem Gletscher in Patagonien, im Regenwald des Amazonas, in der Steppe Afrikas oder in der unwirtlichen Gegend Kamtschatkas werden Experten bei ihrer Arbeit präsentiert. Von Vulkanologen über Paläontologen ist hier nahezu jedes Themengebiet abgedeckt.

Mit einem packenden Mix aus Unterhaltung und Wissensvermittlung gelingt es der Doku von SPIEGEL TV, ZDF und ARTE leichtfüßig und doch mit großer Sachlichkeit ein wichtiges Signal in Richtung Publikum zu senden: Es gibt nur diesen einen Planeten und er sollte mit Respekt behandelt werden. Die Vermessung der Erde spielt dabei eine zentrale Rolle. Oder wie Lesch es formuliert: "Je mehr wir über die Erde lernen, umso größer wird unsere Verantwortung für diesen blauen Planeten."


Quelle: teleschau – der Mediendienst