Erfolgreiches Rezept scheint es bei deutschen Fernsehmachern derzeit zu sein, erfolgreiche Rezepte miteinander zu vermengen. So versteht es aktuell auch die ARD-Produktion "Familie Wöhler auf Mallorca", eine Geschichte vor hübscher Mittelmeerlandschaft mit ein bisschen Culture-Clash und einem klassischen Verwandtenzerwürfnis zur lockeren Familienkomödie zu mixen.

Doch nicht nur Stimmungen und Genres werden verknüpft in diesem fein konstruierten Film aus der Feder des Grimmepreis-nominierten Duos Jan Hinter und Stefan Cantz, die als Hauptautoren des "Tatorts" aus Münster bekannt wurden. In der konfliktreichen TV-Familie mit Harald Krassnitzer und Michael Gwisdek treffen auch zwei "Originale" aufeinander, die sich durch Berliner Schnauze und österreichisches Granteln zu übertreffen versuchen.

Der Wiener "Tatort"-Kommissar Krassnitzer gibt in in der heiteren Dramedy den Familienvater Klaus Wöhler, der sich samt Tochter Stefanie (Jennifer Ulrich) Richtung Mallorca begibt, um dort seinen Vater, den alten Patriarchen Helmut, zu treffen. Der von Michael Gwisdek gewohnt als mürrischer, doch letztlich wohlmeinender Pensionär verkörperte Großvater lädt die gesamte Sippe zu einer mehrtägigen Wanderung durchs herrliche Tramuntana-Gebirge.

Herrlich finden das Vorhaben nicht alle: Klaus mag weder körperliche Anstrengung noch hat er Lust, dem besserwisserischen Vater mitzuteilen, dass er die alte Familienfleischerei in Brandenburg abwickeln will, um seinen Traum von einem großen Restaurant zu verwirklichen. Als noch schlimmer stellt sich für den genervten Familienvater jedoch der Grund des Alten heraus, die Familie zur Wanderung zu zwingen: Helmut hat auch seinen Enkel und Klaus' Sohn Mark (Tino Mewes) eingeladen – einen Aussteiger, mit dem der Vater seit dem Tod der Mutter keinen Kontakt mehr hatte.

Doch nicht nur will Helmut die Zerstrittenen wieder versöhnen, sondern auch eine wichtige Ankündigung machen, die sein Liebesleben betrifft. Da ist er nicht der einzige: Tochter Stefanie präsentiert der Familienbande mit Noah (Elvis Clausen) ihren neuen Freund. Vor wirklich herausragend in Szene gesetzter mediterraner Bergkulisse schafft "Familie Wöhler auf Mallorca" in dieser chaotischen Konstellation eine harmlose, doch keineswegs schmonzettige Familiencomedy mit allerlei Wortwitz.

Ihren größten Reiz zieht die Geschichte unter Regie von David Gruschka dabei selbstredend aus der ungewohnten wie überaus passenden Dynamik zwischen der flapsig-berlinernden Ruppigkeit eines Michael Gwisdek und dem bodenständig-genervten Grantlertum des Österreichers Krassnitzer. Eine Kombination, die man gern öfter sähe.


Quelle: teleschau – der Mediendienst