Frank Underwood und Kevin Spacey sind Geschichte, es lebe die US-Präsidentin! Ab 2. November sind bei Sky alle Folgen der finalen Staffel der Netflix-Serie "House of Cards" abrufbar.

Der Fall Kevin Spacey ist eine klassische Tragödie. Nicht nur, weil er vom moralischen Scheitern eines vorgeblich integeren Prominenten berichtet. Sondern auch, weil er den künstlerischen Niedergang eines gefeierten US-Schauspielers dokumentiert. Nun, wo Spacey für die Branche nicht mehr existent scheint, kommt die Erinnerung an seine größte Rolle, trotz aller Tilgungsversuche, noch einmal hoch. Denn die vielfach prämierte Netflix-Serie "House of Cards", die nun in die sechste und finale Staffel geht (hierzulande ab Freitag, 2. November, bei Sky), war lange Zeit mit Spacey gleichzusetzen. Wie man es mit ihm tat, entledigte man sich auch seiner polarisierenden US-Präsidentenrolle schmerzlos. Frank Underwood ist nicht mehr. Mit Robin Wright als neuer Hauptdarstellerin versucht sich der brillante Politthriller aus den Scherben des Skandals zu retten.

Durch Hauptdarsteller Spacey hatte die Erfolgsproduktion in den vergangenen Monaten erheblichen Schaden genommen: Nachdem gegen ihn Ende letzten Jahres verschiedene Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs laut geworden waren, hatte Netflix die Zusammenarbeit mit dem Hollywoodstar abgebrochen und die Serie zunächst einstellen wollen. Ein umgeschriebenes Drehbuch der bereits geplanten sechsten Staffel brachte schließlich die Lösung. Underwood musste sterben.

Wie genau der machtbesessene Narzisst das Zeitliche gesegnet hat, können ab Freitag, 2. November, auch die deutschen Zuschauer herausfinden. Im Mittelpunkt des Serienfinales steht nun Frank Underwoods Gattin Claire als, selbstverständlich ebenso skrupellose, neue US-Präsidentin. Die von Robin Wright verkörperte Figur hatte am Ende der fünften Staffel bereits die Präsidentschaft von ihrem Mann übernommen – und regiert auch in der neuen Staffel: "Wir haben gerade erst begonnen", sagt sie im Trailer aus ihrem Stuhl im Oval Office heraus.

Zum Abschluss der Serie, die in den vergangenen Staffeln von Mord und Machtmissbrauch, von Korruption und Klüngeleien erzählte, muss sich Claire Underwood den mächtigen Gegenspielern Annette (Diane Lane) und Bill Shepherd (Greg Kinnear) stellen. Das Geschwisterpaar aus einer elitären Washingtoner Dynastie besitzt enormen Einfluss – und räumt gern alles Unliebsame aus dem Weg, der für Annettes Sohn Duncan (Cody Fern) als aufstrebenden Politnachwuchs geebnet werden soll. Dass Claire Underwood und die Shepherds eine miteinander verwobene Vergangenheit teilen, macht die Sache nicht einfacher.

Spacey alias Frank hingegen ist nurmehr als Foto am Grab zu sehen. Dass er nicht mehr zum Cast des Politthrillers gehört, kommt nicht von ungefähr. Im Oktober 2017 erklärte Darsteller Anthony Rapp ("Star Trek: Discovery"), dass Spacey ihn vor mehreren Jahren sexuell belästigt habe – zum Zeitpunkt der vermeintlichen Tat war Rapp erst 14 Jahre alt. Weitere Anschuldigungen von anderen Männern folgten.

Dies führte dazu, dass Netflix die Zusammenarbeit mit dem Schauspieler sofort beendete – und das mit sechs Emmys und zwei Golden Globes ausgezeichnete einstige Vorzeigeprojekt des Streamingdienstes nun vorzeitig in Staffel sechs enden lässt. Der Skandal, man kann es nicht anders sagen, mündete für alle Beteiligten, von Spacey über Netflix bis zum Zuschauer, in einem veritablen Desaster. Trösten kann man sich aber damit, dass in kreativer Hinsicht aus Notlagen bekanntermaßen bisweilen Wunder vollbracht werden.

Parallel zum US-Netflix-Starttermin werden neuen Episoden von "House of Cards" auch beim hiesigen Rechteinhaber Sky zu sehen sein. Voraussichtlich ab 10 Uhr morgens sind alle acht neuen Folgen auf Sky Ticket und auf Sky Go abrufbar. Zudem zeigt Sky Atlantic HD die ersten beiden Episoden der neue Staffel am selben Abend ab 22 Uhr – und danach immer freitags zur selben Zeit.


Quelle: teleschau – der Mediendienst