In ihrem neuen Fall bekommen es die Münchner Kommissare aus dem Ettstraßen-Keller mit dem Mord an einem geldgierigen Entmieter zu tun. Haben da etwa Altschwabinger Rache geübt?

Man muss sie einfach mögen – die drei für die besonderen Fälle aus dem Ettstraßen-Keller im Münchner Polizeipräsidium und ihren kabarettistisch angehauchten Chef, der alles besser weiß und immer wieder damit droht, ihnen die Fälle zu entziehen. Diesmal bekommen es Ludwig Schaller (Alexander Held), Harald Neuhauser (Marcus Mittermeier) und Angelika Neuhauser (Bernadette Heerwagen) mit der Gentrifizierung des Münchner Stadtteils Schwabing zu tun, vormals berühmt als Wohnort von Dichtern und Denkern. Eine andere Zeit. Heute schwelgen manche vom Rock'n'Roll in den 70er-Jahren, und plötzlich lehnt eine Leiche am Laternenpfahl. Der eigentliche Tatort muss – der schlaue Schaller weiß es sofort – irgendwo anders gewesen sein. Der schöne Titel aus dem mittlerweile achten Film der ZDF-Krimireihe "München Mord": "Leben und sterben in Schwabing".

Bald wird der Tote als übler Gentrifizierer ausgemacht – erst gestern wurde er aus dem Lokal geworfen, in dem die Jungkommissarin Angelika, der ewige Lehrling, zur Ukulele sang. Armin Riester, wie die Rente, so heißt der Tote nach dem immer etwas schrägen Willen des Drehbuchautors Friedrich Ani (es ist sein dritter "München Mord"), hat in Schwabing ein übles Spiel betrieben. Der reiche Erbe hat alte Mieter aus ihren Wohnungen getrieben und die Räume dann an wiederum andere Erben weiterverkauft. Wütend dürften auf Riester viele gewesen sein: der Sohn eines älteren entmieteten Ehepaars, ein zwielichtiger Antiquar, der eigentlich einen ganz soliden Eindruck macht – ein alter Bekannter Schallers, der diesen immer nur den "G'schwanzten" nennt, den "Gehörnten", den Belzebub, wie er gelegentlich interpretiert.

Der Schwabinger Pate

Vor allem aber ist da der "Türken-Rudi" aus der Türkenstraße, der wie einst Zorro mit schwarzem Borsalino und dem Gitarrenkoffer unter dem Arm über Schwabings Straßen und Plätze zieht. Michael Fitz, einstmals Dritter der Münchner "Tatort"-Kommissare, macht den Gitarrero derart Respekt gebietend, dass sogar die Tauben auf dem Elisabethmarkt Angst vor ihm kriegen. Immer wieder bittet Schaller im Verlauf des Films den Türken-Rudi zum Verbalduell. Nostalgische Wortgefechte über gestern und heute liefern sie sich. Während Schaller die Reste der alten Schwabinger durchschaut, die den Fortgang der Welt nicht wahrhaben wollen und sich im Glanz ihrer Vergangenheit sonnen, weil sie ihrer "eigenen PR" verfallen sind, durchschaut Schaller den Türken-Rudi als nicht ungefährlichen "Schwabinger Paten" – ein Dunkelmann, der im Hintergrund heimlich die Fäden zieht.

Kein Platz, keine Straße und keine Kneipe, zumindest in West-Schwabing, hat Sascha Bigler, der Regisseur, als Location ausgelassen. Der Wiedererkennungseffekt ist groß: Noch geben Cafés und Kneipen samt schaurigen Antiquitätenläden illustre Schauplätze ab. Die vielen Tatverdächtigen und die Zeugen bewegen sich darin geradezu wie in einem Wimmelbild.

Wenn aber alles wieder mal gar zu traurig wird, helfen kabarettistische Momente. Dann greift der Oberaufseher Zangel (Christoph Süß) mal wieder ein und droht mit dem Fall-Entzug. Derweil reißen im wirklichen Leben die Bagger in Schwabing weiter ihre Lücken in die Straßen hinein. Fast scheint es, als sei der Film um Monate oder Jahre zu spät gekommen. Aber am Ende greifen dann Angie, die ewige Polizeielevin, und Nick Woodland, der Angelsachse mit dem Zylinderhut und lebendiges Symbol für alle Schwabinger Exilanten, erstaunlich gekonnt und stimmfest in die Klampfensaiten. Soll heißen: Die Hoffnung auf bessere Zeiten stirbt zuletzt.


Quelle: teleschau – der Mediendienst