Nicht auszudenken, hätte Joachim Król damals nicht die Lust verloren. 1995, nach nur einem recht vielversprechenden Auftritt als Detektiv Georg Wilsberg aus Münster. Wie hätte sich die Reihe mit dem seinerzeit aufstrebenden Kinostar wohl weiterentwickelt? Und vor allem: Was wäre derweil aus Leonard Lansink geworden, der drei Jahre nach Króls erstem und einzigem "Wilsberg" den Part übernahm und ihn seither nicht mehr losgeworden ist? Wie könnte er auch? Lansink und Wilsberg – das ist eine glückliche Symbiose, wie es sie zwischen Darsteller und Figur nur noch ganz selten im deutschen Fernsehen gibt. 58 Folgen lang hat diese künstlerische Ehe nun schon Bestand. Ein kleines Jubiläum gab es 2016 zu feiern: den – zählt man den Auftakt mit Joachim Król mit – 50. "Wilsberg". Jetzt wiederholt das ZDF den Fall.

Gewiss, nicht alles war pures Unterhaltungsgold, was in all den Jahren in der Humorkrimireihe gesendet wurde. Manches war glorioser Unfug, anderes einfach nur Unfug. Aber die ungebrochene Liebe zum skurrilen Detail ist über die lange Wegstrecke schon ziemlich einzigartig im stetig expandierenden deutschen TV-Krimi-Universum. So einzigartig wie der griesgrämige Titelheld, der auf einer Romanfigur des Autors Jürgen Kehrer beruht.

Leonard Lansink hat diesem schrulligen Antiquar und Chaosdetektiv ein Gesicht gegeben, das einem nach all der Zeit so lieb und vertraut ist, weil es sich im Grunde nie verändert. Ein skeptisches Stirnrunzeln, ein matter Blick über schwere Tränensäcke hinweg, ein genervt gelupfter Mundwinkel – mehr Regung ist bei diesem Gefühlsminimalisten selten. Wenn es einen deutschen Schauspieler gibt, der eine so selige Misanthropie ausstrahlen kann wie der US-Komiker Bill Murray, dann ist es Leonard Lansink als Georg Wilsberg – und das ist nur ein bisschen übertrieben.

Den 50. Film hat der "Wilsberg"-erpobte Autor Eckehard Ziedrich wieder mit den für die Reihe typischen Abstrusitäten vollgepackt, die man alle klaglos schluckt, weil sie so unschlagbar selbstverständlich verhandelt werden. Da Ekki (Oliver Korittke) verdächtigt wird, einen Supermarktfilialleiter umgebracht zu haben, mischt sich sein Kumpel Wilsberg als Regalauffüller unter die Belegschaft. Es ist wie immer: Man kommt vom Hölzchen aufs Stöckchen. Es geht um gesundheitlich bedenkliche Biobrathähnchen, Abschreibungsbetrug und Steuerdelikte von gehörigem Ausmaß. Und natürlich geht es auch wieder um die Befindlichkeiten der wundervollen Knallcharge Overbeck (Roland Jankowsky). Der lässt abermals nichts unversucht, seiner Chefin Kommissarin Springer (Rita Russek) das Wasser abzugraben. Ein "Wilsberg" wie jeder andere auch also – gut so!

Im Herbst zeigt das ZDF übrigens den 60. Film rund um den Münsteraner Detektiv. Geplant sei, so heißt es vonseiten der Produktion, auch diesmal nichts Besonderes. Ist auch gar nicht nötig – "Wilsberg" geht immer.


Quelle: teleschau – der Mediendienst