Die Presse verfolgt Gail (Michelle Williams) und Fletcher (Mark Wahlberg) auf Schritt und Tritt.
Altmeister Ridley Scott und sein ebenfalls betagter Hauptdarsteller Christopher Plummer laufen mit dem Entführungsthriller "Alles Geld der Welt" zur Höchstform auf.

Alles Geld der Welt

KINOSTART: 15.02.2018 • Drama • USA (2017) • 133 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
All The Money In The World
Produktionsdatum
2017
Produktionsland
USA
Filmstudio
Imperative Entertainment, Lotus Production, Redrum Films, Panorama Films, TriStar Pictures, Scott Free Productions
Budget
50.000.000 USD
Einspielergebnis
56.996.304 USD
Laufzeit
133 Minuten
Regie
Music
Daniel Pemberton
Kamera
Dariusz Wolski

Filmkritik

Ein zeitloses Meisterwerk
von Gabriele Summen

Ridley Scotts fesselnder Entführungsthriller "Alles Geld der Welt" ist ein spätes Meisterwerk. Auch dank eines Hauptdarstellers, der erst nachträglich verpflichtet wurde ...

In einer spätkapitalistischen Welt, in der einer der mächtigsten Männer der Gegenwart für seinen grenzenlosen Narzissmus, seine Empathieunfähigkeit und seine Glorifizierung von Geld und Reichtum bekannt ist, kommt Ridley Scotts Altersmeisterwerk "Alles Geld der Welt" gerade recht. Der 80-jährige Regisseur kreiert mit seinem auf Tatsachen beruhenden Film über den Milliardär J. Paul Getty ein zeitloses Lehrstück über Habgier und Geiz. Die Schlüsselrolle schultert der 88-jährige Christopher Plummer, der erst nachträglich verpflichtet wurde – und den geschassten Kevin Spacey glatt vergessen macht ...

Das auf John Pearsons Buch "Painfully Rich: The Outrageous Fortunes and Misfortunes of the Heirs of J. Paul Getty" beruhende Drama beginnt mit Dariusz Wolskis äußerst gelungener Kamerafahrt im Breitwandformat: Der 16-jährige Enkelsohn des reichsten Mannes der Welt, John Paul Getty III (Charlie Plummer – nicht mit Christopher Plummer verwandt) schlendert 1973 durch die nächtlichen Straßen Roms, vorbei an Nachtschwärmern und Nutten – und wird gekidnappt.

Die kalabrischen Entführer von der Roten Brigade verlangen von J. Paul Gettys mittelloser Ex-Schwiegertochter Gail (Michelle Williams) 17 Millionen Dollar Lösegeld. Den schweren Bittgang zu ihrem milliardenschweren Ex-Schwiegervater hätte sie sich sparen können, von der Entführung will er nichts hören, ist er doch gerade mit Wichtigerem – mit Börsengeschäften – beschäftigt.

In mit leichter Hand aneinander gereihten, kurzen Rückblicken, die von der Off-Stimme des entführten Enkels kommentiert werden, erfährt man, wie J. Paul Getty durch Ölerschließung im Mittleren Osten zu seinem immensen Reichtum gekommen ist. Der Zuschauer sieht, wie kaltherzig der Mann, der sich für eine Wiedergeburt Kaiser Hadrians hält, seinen Sohn vernachlässigt und welche extremen Auswüchse sein Geiz angenommen hat.

Man erlebt mit, wie die smarte Gail, als sie sich von ihrem schwer drogenabhängigen Mann endlich scheiden lässt, auf Unterhalt verzichtet, um dem alten Knauserich das Sorgerecht für die Kinder abzuringen. Aus dem Fernsehen muss die dreifache Mutter erfahren, dass der eiskalte Großvater nicht gewillt ist, den Entführern auch nur einen Cent zu zahlen. Stattdessen engagiert er den ehemaligen CIA-Agenten Fletcher Chase (Mark Wahlberg), um die Entführer möglichst kostengünstig aufzuspüren. Monate vergehen, in denen der alte Getty sich konsequent weigert, Geld für den Jungen lockerzumachen. Die verzweifelte Gail gemeinsam mit dem ihr wohlgesonnenen Chase versucht, alternative Strategien zu entwickeln.

Brillante Ad-hoc-Leistung von Christopher Plummer

An Ridley Scotts Thriller gibt es einfach nichts auszusetzen: Die Schauplätze, die Kameraarbeit, der Schnitt, die Kostüme und die Musik sind perfekt, doch die Leistung Christopher Plummers erst macht den Thriller zu einem zeitlosen Meisterwerk.

Ironie des Schicksals: Plummer war von Scott ursprünglich für die Rolle vorgesehen, jedoch drückte das Studio den populären Wohnzimmerpräsidenten Kevin Spacey ("House of Cards") durch. Dann kam der Missbrauchsskandal um den 58-Jährigen. 2,5 Millionen Dollar soll es gekostet haben, Spacey im Nachhinein durch Plummer zu ersetzen. Ein teurer Notbehelf, der sich im Nachhinein als Glücksfall erweist ...

Am Ende ist Plummers brillante Ad-hoc-Leistung nicht nur jeden Zusatz-Cent wert, sie transzendiert die Entführungsstory auf eine ganz neue Ebene. So vermengt sich Fiktion und Realität zu einer grandiosen Parabel über Dinge, die man mit Geld nicht kaufen kann.

Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller

Bekam einen Oscar für seine Rolle in der Tragikomödie "Beginners": Christopher Plummer.
Christopher Plummer
Schauspieler Mark Wahlberg startete als Marky Mark zunächst eine Musik-Karriere.
Mark Wahlberg
Längst etabliert: Michelle Williams.
Michelle Williams
Romain Duris
Unter anderem in der Serie "American Crime" zu sehen: Timothy Hutton.
Timothy Hutton
Weitere Darsteller
Charlie Plummer Charlie Shotwell Andrew Buchan Marco Leonardi Giuseppe Bonifati Nicolas Vaporidis Andrea Piedimonte Bodini Guglielmo Favilla Adele Tirante Stacy Martin Maya Kelly Anna Devlin Kit Cranston Stanley Treshansky Ginevra Migliore Josie Sayers Olivia Grant Charlotte Beckett Roy McCrerey Giulio Base Nicola Di Chio Alessandra Roca Francesca Inaudi Francesco Bomenuto Χρήστος Βουδούρης Clive Wood Jonathan Aris Oliver Ryan Cherise Silvestri Enzo Attanasio Monica Nappo Gino Nardella Chantal Ughi Riccardo De Torrebruna David Brooks Giannina Facio

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