Nur noch die Maschinen erhalten Simon (Gabin Verdet) am Leben. Seine Eltern Marianne (Emmanuelle Seigner) und Vincent (Kool Shen, links) sind verzweifelt.
"Die Lebenden reparieren" basiert auf dem gleichnamigen Roman von Maylis de Kerangal.

Die Lebenden reparieren

KINOSTART: 07.12.2017 • Drama • F / B (2016) • 104 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Réparer Les Vivants
Produktionsdatum
2016
Produktionsland
F / B
Filmstudio
Frakas Productions, Les Films Pelléas, Les films du Bélier
Budget
10.000.000 USD
Einspielergebnis
3.176 USD
Laufzeit
104 Minuten
Regie
Katell Quillévéré
Music
Alexandre Desplat
Kamera
Tom Harari

Filmkritik

Schicksalhaft verbunden
von Christopher Diekhaus

Stark ausbalanciertes Drama mit zahlreichen ehrlich berührenden Momenten, das auf dem gleichnamigen Roman von Maylis de Kerangal basiert.

Wie man eine mit starken Emotionen aufgeladene Geschichte inszeniert, ohne in Plattitüden und billig-rührselige Muster zu verfallen, zeigte die französische Filmemacherin Katell Quillévéré zuletzt 2013 in ihrem unkonventionellen Familiendrama "Die unerschütterliche Liebe der Suzanne". Ihre kluge, ungekünstelte Herangehensweise schlägt sich auch in "Die Lebenden reparieren" nieder: einer Adaption des gleichnamigen Romans von Maylis de Kerangal, der das Thema Organspende aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet und verschiedene Schicksale zu einer aufwühlenden Erzählung zusammenführt.

Dass schon am Anfang ein schreckliches Unglück auf den Zuschauer wartet, ahnt man zunächst nicht. In beschwingten, nach Abenteuerlust duftenden Bildern fängt die Regisseurin den morgendlichen Aufbruch des Teenagers Simon (Gabin Verdet) ein, der mit seinen Freunden in der Umgebung der Hafenstadt Le Havre surfen gehen will. Freiheit und Begeisterung liegen in der Luft, wenn sich die jungen Männer in die tosenden Wellen stürzen und dabei von der Kamera aus nächster Nähe begleitet werden. Aufregend gefilmte, betörend schöne Impressionen, die die anschließende Tragödie umso grausamer erscheinen lassen.

Zwischen Hoffnung und Trauer

Auf dem Heimweg haben die Jugendlichen einen Autounfall, den Simons Kumpel verhältnismäßig glimpflich überstehen, während er selbst mit einem Schädelhirntrauma im Koma landet. Wie seine Eltern Marianne (Emmanuelle Seigner) und Vincent (Kool Shen) erfahren, sind die Schäden so gravierend, dass der Junge nur noch von den Maschinen am Leben gehalten wird. Eine erschütternde Nachricht, die das seit Längerem getrennte Paar schon bald vor eine schwierige Entscheidung stellt. Im entfernten Paris begreift die herzkranke Claire (Anne Dorval) unterdessen, dass sie dringend ein Spenderorgan benötigt. Besonders dem jüngeren ihrer beiden Söhne verheimlicht sie den Ernst der Lage.

Zwei Familien mit jeweils eigenen Sorgen und Problemen stehen im Mittelpunkt dieses außergewöhnlichen Films, der behutsam davon erzählt, wie eng das Leben mit dem Tod verknüpft ist. Und wie nah Hoffnung und Trauer manchmal beieinanderliegen. In vielen Szenen gelingt es Quillévéré, mit kleinen Gesten und Blicken die turbulente Gefühlswelt ihrer Protagonisten aufzudecken und deren Beziehungen auf erstaunlich komplexe Weise zu ergründen. Große Reden braucht es dabei nicht, zumal die Darsteller den unaufdringlichen Ansatz der Regisseurin perfekt in ihr Zusammenspiel integrieren. Selten ging es in letzter Zeit auf der Kinoleinwand so natürlich und wahrhaftig menschlich zu wie in "Die Lebenden reparieren".

Zwei besondere Momente

Ihr Gespür für spannende Zwischentöne beweist Quillévéré auch dadurch, dass sie sich wiederholt der stressigen, komplizierten, kräftezehrenden Arbeit des medizinischen Personals widmet. An beiden Handlungsorten geraten diverse Figuren in den Blick. Und zuweilen beobachtet der Film ihre professionellen Handgriffe – etwa bei einer ausgedehnten Operation – mit beinahe dokumentarisch anmutender Genauigkeit. Eine Regie-Entscheidung, die ganz bestimmt auch als Verneigung vor den großen Leistungen von Ärztinnen und Ärzten, Pflegerinnen und Pflegern in einem immer brüchigeren Gesundheitssystem gedacht ist.

Will man die Qualität der Romanadaption auf den Punkt bringen, reicht es schon, sich zwei besondere Momente vor Augen zu halten: Kurz vor dem tragischen Unfall lehnt sich Simon an einen seiner Freunde an. Ein berührendes, friedliches Bild, das Quillévéré ganz am Ende noch einmal bei Claires Söhnen aufgreift. Prägnant und doch zurückhaltend bündelt sie so die ganze Bandbreite der im Film beschworenen Emotionen.

Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller

Emmanuelle Seigner spielte ihre bekanntesten Rollen bei ihrem Ehemann Polanski
Emmanuelle Seigner
Weitere Darsteller
Tahar Rahim Anne Dorval Bouli Lanners Kool Shen Monia Chokri Alice Taglioni Karim Leklou Finnegan Oldfield Théo Cholbi Alice de Lencquesaing Gabin Verdet Galatéa Bellugi Titouan Alda Andranic Manet Irina Muluile Steve Tientcheu Danielle Arbid Amandine Ji Kévin Mangovo Danny-Joe Fiani Neelesh Dhuny Séverine Veyrières Cristina Alegre Thelma Garcia Ginette Jurie Schemci Lauth Thierry Lanckriet Elisa Menez Tabaré Dutto Ash Goldeh Rébecca Dereims Shanon Tan Jacques Guedj Jean-Yves Ruf Jonas Dinal Dominique Blanc Anne Dorval Bouli Lanners Thierry Lanckriet Elisa Menez Tabaré Dutto Ash Goldeh

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