Daniel Jones (Adam Driver) hält auf Tausenden Seiten die Methoden der CIA fest.
Die Wahrheit ist erschreckender als jede Fiktion: "The Report" erzählt von der Entstehung eines Senatsberichts über die Foltergefängnisse der CIA.

The Report

KINOSTART: 07.11.2019 • Drama • USA (2019) • 120 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
The Report
Produktionsdatum
2019
Produktionsland
USA
Filmstudio
Margin of Error, Vice Studios, Topic Studios, Unbranded Pictures
Budget
8.000.000 USD
Einspielergebnis
275.000 USD
Laufzeit
120 Minuten
Regie
Scott Z. Burns
Music
David Wingo
Kamera
Eigil Bryld, Atsushi Nishijima

Filmkritik

Eine Frage der Moral
von Peter Osteried

Nach den Anschlägen vom 11. September ließ die CIA Verdächtige foltern – angeblich, um Terroranschläge zu verhindern. Der Amazon-Film "The Report" zeigt, wie ein Senatsmitarbeiter die brutalen Methoden offenlegte.

Das, was Daniel Jones nach dem 11. September 2001 aufdeckte, trägt einen harmlosen Namen: erweiterte Verhörmethoden. Doch hinter diesem Euphemismus verbirgt sich eine perfide Strategie der CIA, um an Informationen zu kommen. Diese Methoden umfassten: einen Verdächtigen mehrmals gegen eine Wand schmeißen; ihn auf engem Raum einkerkern; ihm durch konstante Licht- und Tonbeschallung den Schlaf verweigern; und ihm mit Waterboarding das Gefühl geben, er würde ertrinken. Zahlreiche Terroranschläge hätten so verhindert werden können, behauptete die Agency. Der Film "The Report" erzählt nun, wie der Senatsmitarbeiter Jones diesem Folterskandal auf die Schliche kam. Als das Drama von Scott Z. Burns Ende Januar beim Sundance Film Festival gezeigt wurde, elektrisierte es die Zuschauer und war nur zwei Tage später an Amazon verkauft. Dort wird der Film ab 29. November abrufbar sein. Zuvor wertet der Internet-Riese "The Report" aber auch im Kino aus. Durchaus ein Platz, an den dieses wichtige Werk gehört.

Daniel Jones, im Film gespielt von Adam Driver ("Star Wars"), erstellt seinen titelgebenden Report im Auftrag von Senatorin Dianne Feinstein (Annette Bening). Auf mehreren Tausend Seiten legt er dar, dass die Behauptungen der CIA gelogen waren: Alle Anschläge, die verhindert worden waren, konnten aufgrund von Informationen vereitelt werden, die bereits vor dem Einsatz der "erweiterten Verhörmethoden" gewonnen wurden – durch konventionelle Ermittlungen.

Autor und Regisseur Scott Z. Burns verdichtet die Ereignisse, die zum Entstehen von Jones' Bericht führten und mehr als ein Jahrzehnt umspannten, gekonnt auf zwei Stunden. Burns hat Erfahrungen damit, Geschichten mit einem dokumentarischen Ansatz füs Kino zu schreiben – so verfasste er etwas das Drehbuch zu Steven Soderbergs Epidemie-Thriller "Contagion". Mit "The Report" gelingt es ihm nun nicht nur, alle notwendigen Fakten zu transportieren, sondern er schafft auch das Kunststück, einen eher nüchternen Film mit Emotion aufzuladen.

Das ist vor allem Hauptdarsteller Adam Driver zu verdanken. Zwar erfährt man nur wenig über die Hintergründe seiner Figur, aber man spürt sein Entsetzen sowie den gerechten Furor, der sich mit jeder weiteren Entdeckung noch steigert. Er ist das emotionale Zentrum, an das man sich als Zuschauer heftet, während der Film immer weiter auffächert, wie es möglich wurde, dass dieses unmenschliche Programm überhaupt zustande kam.

Das Erschreckende dabei ist die Beiläufigkeit, mit der das geschah. Während die CIA ihr Folter-Programm plante und die Maßnahmen schließlich umgesetzt wurde, lösten sich alle Beteiligten so weit von ihrer Menschlichkeit, dass das Leid anderer im Dienste einer größeren Sache keinerlei Bedeutung mehr für sie hatte. "The Report" zeigt sehr eindringlich auf, wie ein System korrumpiert werden kann, wie Angst, Furcht und Scham zu einer Politik führen, die mit den Werten, die die sogenannte freie Welt für sich beansprucht, nichts mehr zu tun hat.

Für Daniel Jones und Senatorin Feinstein war es ein langer Kampf, ihren Bericht schließlich zu veröffentlichen. Weil es ein nachvollziehbarer Impuls der Politik ist, der Schande, die mit dem Eingeständnis dieser Taten einhergeht, zu entkommen. Da wird es schon als großer Sieg verkauft, dass die USA ein Land sind, in dem ein solcher Report überhaupt entstehen kann. "Aber", so Annette Bening als Dianne Feinstein, "noch größer ist der Sieg, wenn ein solcher Report nicht nur entsteht, sondern auch veröffentlicht wird." Weil er nicht nur ein Mahnmal der Schande ist, sondern auch davor warnt, die Geschichte zu wiederholen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

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