Ben Verbong

Ein Niederländer in Deutschland: Ben Verbong Vergrößern
Ein Niederländer in Deutschland: Ben Verbong
Ben Verbong
Geboren: 02.07.1949 in Tegelen, Limburg, Niederlande

Ben Verbong studierte zunächst Pädagogik, bevor er 1970 an die Amsterdamer Film- und TV-Akademie wechselte, Hier studierte er das Regiefach bis 1974. Nach ersten TV-Erfahrungen schrieb er 1977 gemeinsam mit Regisseur Guido Pieters das Drehbuch zu der niederländisch-flämischen Co-Produktion "Tierarzt Dr. Vlimmen". Seine erste Regie-Arbeit "Das Mädchen mit den roten Haaren" von 1981 sorgte in seinem Heimatland für viel Aufsehen und wurde von der Kritik als bester niederländischer Film gekürt. Renée Soutendijk - für sie bedeutete der Film der Durchbruch - spielt in dieser kraftvollen Geschichte die Widerstandskämpferin Hannie Schaft. Unter Einsatz ihres Lebens ging sie während des Zweiten Weltkriegs gegen die Übermacht der Nazis vor.

Nach diesem Erfolg war Verbong als Continuity-Überwacher bei seiner Kolligen Marleen Gorris bei deren Debüt "Die Stille um Christine M." (1982) tätig. Auch Verbongs zweite Regie-Arbeit "Der Skorpion" von 1984 wirbelte in den Niederlanden einigen Staub auf. Denn dieser spannende Polit-Thriller erzählt die Geschichte eines Mannes, der 1956 eher zufällig in den Strudel einer Korruptionsaffäre gezogen wird: Am Ende des indonesischen Freiheitskampfes gegen die niederländische Kolonialmacht 1949 betätigten sich einige Angehörige des niederländischen Militärs als Waffenschieber und schreckten auch vor Morden an Mitwissern nicht zurück. Aus Angst die mittlerweile bessere gesellschaftliche Stellung zu verlieren, geht auch noch sieben Jahre nach den eigentlichen Taten das Morden weiter... Dieser auf wahren Begebenheiten beruhende Film überzeugt mit einer hervorragenden Besetzung (Peter Tuinman, Monique Van De Ven, Adrian Brine und Huub Stapel, grandioser Kamera (Theo Van De Sande) und brillanter Musik (Nicola Piovani).

Mit "Lily was here" folgte 1989 ein kühles Sozialdrama um einer schwangeren Kassiererin, dessen Freund - ein farbiger Soldat - Opfer rassistischer Angriffe wird. Auf sich allein gestellt droht die hübsche junge Frau das Objekt eines miesen Zuhälters zu werden. Der Clou des Films bestand in der Besetzung und der Musik. Denn die Hauptrolle spielt Marion Van Thijn, die Tochter des damaligen Bürgermeisters von Amsterdam, und die Musik schrieb "Eurythmics"-Mitbegründer David A. Stewart. Mit "Die unanständige Frau" folgte 1991 ein atmospärisch dichter Erotik-Streifen um die geheimen sexuellen Wünsche einer harmlosen Frau, die in den Bann eines Fremden gerät. Danach unternahm erneute Ausflüge in TV-Gefilde und fungierte erstmals als Regisseur einer TV-Serie. "Kats & Co" mi dem 1997 überraschend verstorbenen Coen van Vrijberghe de Coningh, der auch in "Die unanständige Frau" mitwirkte, war in den Niederlanden recht erfolgreich.

1994 drehte Ben Verbong dann wieder mit Renée Soutendijk: "In einer heißen Nacht" spielt während einer schwülen Sommernacht. Eine Ärtzin wird durch das Klingeln des Telefons geweckt. Doch anstatt einer Antwort hörtt sie nur ein Gestöhne. Als der vermeintlic obszöne Anrufer weiterhin klingelt, stellt unsere Frau den Anrufbeantworter an. Erst am nächsten Tag erfährt die Ärztin, dass eine Patientin von ihr ermordet wurde. Als sie ihren Anrufbeantworter abhört, erföhrt sie Schlimmes. Trotz Warnungen der Polizei versucht sie, auf eigene Faust zu "ermitteln"... Verbong hat hier zwar bewiesen, dass er in punkto Thriller durchaus mit den Amerikaner mithalten kann, doch leider ist die Geschichte über weite Strecken ebenso unglaubwürdig wie die meisten amerikanischen Vorbilder.

Das aufwändige historische Drama "Charlotte Sophie Bentinck" nach dem Roman von Hella S. Haase wurde 1996 gleichzeitig als Kinofilm und TV-Mehrteiler inszenierte. Danach folgte Verbong einer Einladung nach Deutschland um dort die 13-teilige Serie "Die Gang" mit Uwe Ochsenknecht und Moritz Bleibtreu zu realisieren. Danach kamen so viele weitere Angebote, dass Verbong entschied in Deutschland zu bleiben und dort weiter als Regisseur zu arbeiten. Seit 1997 hat Ben Verbong regelmäßig für diverse TV-Anstalten gearbeitet. Er inszenierte "Geliehenes Glück" (1997) für ProSieben, "Schock - Eine Frau in Angst" (1997) für das ZDF, "Tatort - Kinder der Gewalt" (1999) für die ARD, "Lieber böser Weihnachtsmann" (1999) für ProSieben, "Zerbrechliche Zeugin" (2000) für die ARD und "Hanna - wo bist du?" (2001) wiederum für das ZDF. Für das Kino verfilmte er das berühmte Kinderbuch "Das Sams" (2001) von Paul Maar sowie die Fortsetzung "Sams in Gefahr" (2003). 2005 entstand der Weihnachtsfilm "Es ist ein Elch entsprungen" und zwei Jahre später drehte Verbong den Fantasy-Kinderfilm "Herr Bello", der ebenfalls auf eine Vorlage von Paul Maar beruht.

Weitere Filme von Ben Verbong: "De vitusdans" (1977, Kurzfilm), "De verleiding" (1978, Kurzfilm), "This property is condemned" (1990) nach dem gleichnamigen Theaterstück von Tennessee Williams, "Swan Song" (1992) und "Brautpaar auf Probe" (2005), "Ob ihr wollt oder nicht!" (2009), "Takiye - Spur des Terrors" (2010), "Ein vorbildliches Ehepaar" (2012). Darüber hinaus arbeitet Verbong regelmäßig als Theaterregisseur.


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