Éric Cantona

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Hat immer einen guten Rat parat: Éric Cantona
Fotoquelle: cinemafestival/shutterstock.com
Éric Daniel Pierre Cantona
Geboren: 24.05.1966 in Marseille, Frankreich

"Ich bin kein Mensch, ich bin Cantona" - sagt der Mann mit den zwei Karrieren: als ehemaliger Fußballspieler schon zu seinen aktiven Zeiten eine lebende Legende, als Schauspieler auf dem Weg an die Spitze. Éric Cantona, eine der schillerndsten Persönlichkeiten und das enfant terrible des europäischen Fußballs, lange bevor Zinédine Zidane wegen seines Kopfstoßes Sportgeschichte schrieb und viele Jahre nach Frank Rijkaards Spuk-Attacke gegen Rudi Völler. Der Marseillaise legte sich in seinem Heimatland mit jedem an, der etwas mit Fußball zu tun hatte, und nahm schon bald die Rolle des unangepassten Fußballhelden ein. Von den französischen Offiziellen verschmäht, zog der ehemalige Spieler von AJ Auxerre und Olympique Marseille 1992 über den Kanal nach England zu Leeds United. Ein kurzes Gastspiel, das nur eine Saison dauerte und mit dem Gewinn der englischen Meisterschaft gekrönt wurde. Im gleichen Jahr unterschrieb er einen Vertrag bei Manchester United, wo er sich innerhalb kürzester Zeit zum unangefochtenen Superstar und Publikumsliebling entwickelte.

Ein verschrobener Star, der die Zuschauer durch sein grandioses Fußballspiel begeistern und durch seine unkonventionelle, durchaus aggressiv-ruppige Art unterhalten konnte. Ein aufrührerisches Raubein, ein arroganter Einzelkämpfer und doch ein Gott in der Mitte des Spielfelds. Das Bild des rebellierenden Jünglings hat sich durch seine gesamte Karriere wie ein roter Faden gezogen und Éric Cantona hat es erfolgreich geschafft, die Imagebildung weit über das Ende seiner Fußballkarriere hinweg aufrecht zu erhalten. Der ManU-Fußballerlegende ist es immer wieder gelungen, sich publikumswirksam zu inszenieren und hat - trotz seiner Ecken und Kanten - auf die Treue seiner Fans zählen können. Als er am 25. Januar 1995 beim Spiel gegen Crystal Palace einen Zuschauer trat, der ihn vorher beleidigt hatte, entkam er nur knapp einer zweiwöchigen Gefängnisstrafe und wurde von der Football Association und der FIFA weltweit für ein halbes Jahr gesperrt. Für viele Spieler hätte so ein Verhalten das Ende der Laufbahn bedeutet, Cantona wurde dadurch zum Mythos. Trotz der Attacke krönte ihn die FWA (Football Writers Association) 1996 zum Fußballer des Jahres. 1997 gab er völlig überraschend seinen Rücktritt als Spieler bekannt. Drei Jahre später ernannten ihn die ManU-Anhänger zu ihrem wichtigsten Spieler des 20. Jahrhunderts, außerdem wurde er 2005 zum besten Premier League-Spieler aller Zeiten gewählt.

Der Abschied vom Fußball war für ihn zunächst endgültig. In einem Interview erzählte er, dass er sich noch nicht einmal die Spiele angesehen hätte. Kurze Zeit nach dem selbst gewählten Karriereende begann er ernsthaft mit der Schauspielerei. Eine Kunst, die ihm durchaus liegt. Er, bei dem durchweg die Vermarktung der eigenen Persönlichkeit im Vordergrund steht und der sich als Komiker und als Mann mit einem - fast schon - theatralischen Instinkt in perfekter Eigeninszenierung zum Denkmal aufgebaut hat, weiß auch auf der Leinwand zu überzeugen. Schon 1995 stand er für zwei Filme vor der Kamera: "Eleven Men Against Eleven" als Fußballspieler und in der Gesellschaftskomödie "Das Glück liegt in der Wiese" in der Rolle eines Rugbyspielers. 1997 folgte mit dem Kurzfilm "Question d'honneur" seine dritte Arbeit für die Leinwand. Nach dem international erfolgreichen Historiendrama "Elizabeth" und der französischen Komödie "Mookie" (beide 1998) kehrte er zum Fußballsport zurück und wurde ab 1999 Spielertrainer und Organisator des professionellen französischen Beachsoccers, im gleichen Jahr stand er für die Tragikomödie "Ein Sommer auf dem Lande" vor der Kamera.

Waren die französischen Fußballfunktionäre recht schlecht auf ihn zu sprechen, so sind die französischen Regisseure und Produzenten von Éric Cantonas (selbst-)darstellerischer Fähigkeit durchaus überzeugt. Sie besetzen ihn, wenn auch nur in kleineren Rollen und weckten so das Interesse beim Publikum. 2001 folgte "La grande vie!" von Philippe Dajoux, für den Éric Cantona 2005 in "Une belle histoire" erneut vor der Kamera stand. Zuvor hatte sich der ehemalige Stürmerstar selbst als Regisseur versucht und den elf-minütigen Kurzfilm "Apporte-moi ton amour" (2002) nach Charles Bukowski inszeniert. Bei den Dreharbeiten zu dem Krimi "L'outremangeur" (2003), in dem er in einer Hauptrolle den Kommissar Séléna spielte, lernte er die französische Schauspielerin Rachida Brakni kennen, die er im Juni 2007 heiratete. Rachida Brakni wurde nicht nur seine Ehefrau, sondern auch seine Lehrerin. Gemeinsam mit ihr bereitet er sich auf seine Rollen vor.

Als Trainer führte er die französische Mannschaft zum Sieg der FIFA-Beachsoccer-Weltmeisterschaft 2005 in Rio de Janeiro. Außerdem sah man ihn im gleichen Jahr in Gérard Krawczyks Komödie "La vie est à nous!" an der Seite von Sylvie Testud und Josiane Balasko. Seit 2007 startet er, was seine Schauspielkarriere betrifft, voll durch. Erst sah man ihn in Alain Corneaus "Le deuxième souffle" gemeinsam mit Daniel Auteuil und Monica Bellucci, 2008 dann in dem britischen Drama "Jack Says", der Komödie "French Film" und in "Schwarzer Schmetterling". In dem spannungsgeladenen Thriller von Regisseur Christian Faure mimt er Jack, einen zwielichtigen Vagabund. An seiner Seite sind hier die attraktive Hélène Fougerolles als Maklerin und Stéphane Freiss als Drehbuchautor zu sehen.

Zwölf Jahre nach seinem Rücktritt aus dem aktiven Geschehen setzte Regisseur Ken Loach dem ManU-Superstar mit der in weiten Teilen romantisch-märchenhaften Komödie "Looking for Eric" ein filmisches Denkmal. Als Schutzengel für die Seelennöte des Manchester Postboten Eric spielt der legendäre Linksaußen von Manchester sich selbst und erfüllt konsequent den Mythos, den er während seiner Profilaufbahn selbst geschaffen hat. Als imaginärer Ratgeber tritt Cantona hier recht steif in Erscheinung, kann aber durch seine coolen lebensphilosophischen Ratschläge punkten und entpuppt sich schnell als Retter in der Not, der dem Briefträger Eric den richtigen Weg weist und ihm Mut zuspricht. Mit dem ehemaligen Kickerhelden besitzt die heitere Komödie ein publikumswirksames Zugpferd, was unter anderem bei der Premiere beim Filmfestival in Cannes deutlich wurde, als der Liebling der Premier League seine schwangere Ehefrau präsentierte und nicht nur dadurch für Schlagzeilen sorgte. Kurze Zeit später trat er auch wieder als enfant terrible des Fußballsports in Erscheinung. Während des Viertelfinalspiels der Beachsoccer-Europameisterschaft Ende Mai 2009 zwischen der Schweiz und Frankreich kam es zum Disput zwischen Cantona und Jörg Stiel, dem Betreuer der Schweizer Mannschaft. Nach einem kurzen Wortgefecht schlug Cantona dem Schweizer ins Gesicht. Rollen wie in dem Krimi "La liste" (2009) reichen scheinbar nicht aus, um als Ventil für seine Aggression zu dienen. 2013 sah man ihn in Yann Gonzalez' abstrusen Filmdebüt "Begegnungen nach Mitternacht".


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